Antiquariat Büchel-Baur

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ALCIATUS (Alciati), Andreas (Andrea).
Praesumptionum tractatus, Joannis Nicolai Arelatani I.V.D. studio pervigili amplißimis auctus additionibus, argumentis ac indice elementario de more exornatus, studiosorum ergo nunc primum in lucem exit.

Lyon, Jacobus Giunta 1542. 8°. 563 Ss. (2. weiß); 1 S. (weiß); (46) Bll. (letztes weiß). Ein paar kleinere Holzschnitt-Initialen. Wohl süddeutscher Holzdeckelband d. Zt. mit breitem blindgeprägtem Rücken (berieben [Rücken stärker], Holz mit Kratzspuren, RD im unteren Viertel mit schmaler Holzfehlstelle an Längskante); ohne Schließen. Zweite Ausgabe (nach 1538), wie die erste sehr selten (auf deutschsprachigen Auktionen zuletzt in den 1960er Jahren). Der Mailänder Jurist Andrea Alciati (1492-1550) gilt als Begründer der humanistischen Rechtswissenschaft "in ihrer philologisch-historischen Ausrichtung" (Kleinheyer/Schröder S. 17). Er verlagerte damit den Schwerpunkt weg von den gelehrten Kommentaren hin zu einer textkritischen Beschäftigung mit dem Corpus iuris civilis. Zugleich löst er sich von der Kommentarstruktur, die am Text entlang erläutert, und kommt zu monographieartiger themenorientierter Darstellung (Troje S. 52/53). Die Praesumptionen, um die in unserer Ausgabe geht, stellen Vermutungsregeln dar, die wesentliche Elemente bei der Beweiswürdigung durch den Richter waren. Alciatis Gesichtskreis blieb aber nicht auf die Jurisprudenz beschränkt, Altphilologie und Literatur waren weitere Betätigungsfelder; und so wurde er nicht zuletzt als Verfasser der ersten Emblembuchs der Neuzeit berühmt. Die Einbandprägung besteht auf beiden Seiten aus je zwei nebeneinander liegenden Rollen mit 4 Figurenpaaren und Kandelabern; sie entspricht EBDB r001694. Die Einbanddatenbank weist sie einer süddeutschen Werkstatt w003161 zu, deren Tätigkeitszeitraum sie von 1482 bis 1501 angibt. Das stimmt natürlich mit dem Druckdatum unseres Bandes nicht überein. Also ist anzunehmen, dass die Rolle entweder an eine andere Werkstatt übergegangen ist oder nachgeschnitten wurde. Vorderes Gelenk angerissen. Vorderer Spiegel mit Kaufvermerk aus dem frühen 18. Jahrhundert, Titel recto mit Bibliotheksstempel und kurzem handschr. Eintrag. Eine Seite mit einzelnen neueren Unterstreichungen, 1 Bl. mit kleinem Randeinriss ohne Textberührung; geringfügig braun- oder fingerfleckig. Durchgehend leicht gebräunt, einige Bll. etwas stärker. Insgesamt ein wohl erhaltenes Exemplar dieser Rarität im originalen Zustand. IA 102.928; Baudrier VI, 197; Gültlingen IV, Giunta 262; nicht in Adams und nicht in BL (Online-Katalog).    

                                                                Best. Nr.: 616   1800,00 EUR   zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

(ANONYMUS) - CICERO, M(ARCUS) T(ULLIUS).
Rhetoricorum ad Herennium libri quatuor ... De inventione libri duo.

Lyon, S. Gryphius 1546. 8°. 256, (8) Ss. Titel mit Holzschnitt-Druckermarke. Flexibles Pergament d. Zt. (stark nachgedunkelt, fleckig, VD mit zwei Fehlstellen, beide Deckel mit verblaßten alten handschr. Zahlenaufstellungen), ohne die Bindebänder. Bibliotheks-Rückenschildchen. Eine äußerst seltene Ausgabe: Nicht im IA, bei Baudrier und Gültlingen (hier jeweils eine andere Gryphius-Ausgabe aus dem gleichen Jahr), weder bei Schweiger noch bei Adams noch im BMSTC. - Zwei wichtige Rhetoriken in einem Band. Die "Rhetoricorum ad Herennium" gilt - zusammen Ciceros "De inventione" als "das älteste erhaltene Lehrbuch der Rhetorik in lateinischer Sprache" (Nüßlein). Das anonyme Werk (bis ins 16. Jahrhundert ging man - Hieronymus und der Handschriftentradition, die in der Regel Ciceros "De inventione" mit der herennischen Rhetorik gekoppelt hatte, folgend - von der Autorschaft Ciceros aus) möchte einen systematischen Überblick über die Rhetorik und ihre verschiedenen Schulen vermitteln. Die zahlreichen Übereinstimmungen mit Ciceros Schrift erklärt man sich v.a. mit einer gemeinsamen Quelle (evtl. dem gleichen Rhetorik-Lehrer). - Letztes Bl. verso mit (gestrichenem) handschr. Eintrag. Gegen Ende etwas wasserrandig, sonst innen sauber. NUC 109, 511 (mit abweichender Kollation).

Best. Nr.: 101   690,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Antike, Römische Literatur, Rhethorik]

ARISTOTELES
Organon [griech.])

Venedig, B. Zanetti 1536. Kl.-8°. (282) Bll. Mit wiederholter Holzschnitt-Druckermarke sowie einigen Holzschnitt-Initialen und -zierstücken. Pergament d. Zt. (gebräunt, fleckig, Kanten berieben, Rücken im 18. Jh. erneuert), mit Rückentitel; ohne die Bindebänder. Äußerst seltene, frühe Ausgabe. Seit 1950 ohne Eintrag im Jahrbuch d. Auktionspreise. In der Spätantike hat man den logischen Schriften des Aristoteles ("Categoriae", "De interpretatione", die beiden Analytiken sowie die Schriften über dialektische Schlüsse ["Topica"] und über Trugschlüsse ["Sophistici elenchi"]) unter dem Begriff "Organon" ( = "Werkzeug") zusammenfgefasst; dieser Begriff ging von Aristoteles' Vorstellung aus, die Logik sei Hilfswissenschaft, keine eigenständige Disziplin. "In dieser kanonisch gewordenen Anordnung...hat man in der Spätant. und im MA die aristotelische Logik' studiert" (DNP 1, Sp. 1138). Neuere Vorsätze. Erste Lagen etwas stärker stockfleckig oder wasserrandig, sonst gleich- mäßig gering gebräunt und unwesentlich braun- oder fingerfleckig. Ein gut erhaltenes Ex. dieser Rarität. IA 107.954 (Koll. unvollst./ mit nur 5 Bibl.-Exx.); Hoffmann I, 277; Schweiger I, 53; PCCBI 6.5547 (2 Exx., Koll. unvollst.); NUC 20 / 663.

Best. Nr.: 138   2200,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Antike, griechische Philosophie]

[ARISTOTELES, SENECA, BOETHIUS, PLATO u.a.]
Autoritates Arestotelis(!)Senece. Boetij Platonis. Aculei. Africani Porphyrij et Gilberti Porritani denuo summa cum diligentia recise et correcte.

(Köln, H. Quentel) 1503. 8°. (52) Bll. (von 53: ohne den Titel mit dem Titelholzschnitt und den Beginn des Prologs). Pappe des 19. Jahrhunderts (Rücken und Ränder vergilbt). Sehr selten. Eine Stellensammlung aus antiken Klassikern, überwiegend Aristoteles; in scholastischer Manier. Derartige kleine Zusammenstellungen sind in den 1480er und 1490er Jahren von verschiedenen Offizinen verlegt worden, der vorliegende Druck ist der zweite bei Quentel (nach 1498). Provenienz : Versteigerung J. Baer am 23./24. Mai 1932 (Bibliothek Schloss Hornberg [auf dem Götz von Berlichingen 1530 - 1541 seinen Lebensabend verbrachte] und anderer Besitz), seitdem in Privatbesitz. Vorsätze und Spiegel 19. Jahrhundert. Durchgehend leicht gebräunt, an den Rändern stärker, dort ab und an etwas stockfleckig; ein gut erhaltenes Exemplar. Cranz/Schmitt 107.711 (mit 2 Exx.); VD 16, A 4030 (mit 5 vollst. Exx. im Besitzstandsverzeichnis); Adams A 1961 (zählt 54 Bll.: + ein weißes am Schluss)

Best. Nr.: 183   1900,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Antike, Philosophie, Postinkunabeln]

ARISTOTELES:
In hoc volumine haec continentur...De historia animalium libri IX. De partibus animalium & earum causis libri IIII. De generatione animalium libri V. Theodoro Gaza interprete. De communi animalium gressu liber I. De communi animalium motu liber I. Petro Alcyonio interprete...

Paris, Simon de Colines 1533. Folio. (36) Bll., 101 Bll., (1) Bl. (weiss); (10), 42; (10), 53, (3), 13 Bll. Ohne das letzte weiße Bl. Mit grosser Holzschnitt-Druckermarke ("Tempus" Marke 1 [Abb. s. Renouard S. 104]) und vielen Initialen in Holzschnitt.Kalbsleder d. Zt. (rissig, berieben, Bezugsfehlstellen an Kanten und Kopf sowie Fuß des Rückens ergänzt, Vordergelenk angerissen) mit sparsamer Blindpressung und goldgeprägtem Supralibros auf beiden Deckeln. Wohl zweite Colines-Ausgabe, zugleich zweite Ausgabe der zoologischen Schriften des Aristoteles in dieser Geschlossenheit und Vollständigkeit. Eine seltene Ausgabe. Schweiger und Hoffmann führen neben den Colines-Ausgaben 1524 und 1533 eine von 1522 an, die sich aber sonst nicht verifizieren lässt (es gibt aus diesem Jahr einen Colines-Druck mit den Ethiken des Aristoteles). Mit den hier versammelten Schriften gilt Aristoteles (384 - 322 v. Chr.) als "Begründer der Biologie und... Urvater aller Zoologen" (DNP 1, Sp. 1139/1140). Die Thematik ist weit gespannt, wie die folgenden Überschriften schon andeuten: "Über die Entstehung der Tiere", "Die Geschichte [gemeint: die Arten] der Tiere", "Die Fortbewegung d. T.", "Die Anatomie d. T." Die Tatsache, dass Aristoteles die Erforschung der Botanik seinem Freund und Schüler Theophrast überliess, hatte zur Folge, dass in den Inkunabelausgaben und in zahlreichen des 16. Jahrhunderts in der Regel die ersten drei aristotelischen Schriften mit den Werken Theophrasts gekoppelt und erst relativ spät alle zoologischen Werke des Philosophen zusammengeführt wurden. Spätere Spiegel, unter Verwendung wohl ursprünglicher Pergament-Streifen. Titel recto und verso mit Besitzereinträgen (der recto teils mitttels Rasur gelöscht, dadurch kleinere Papierdurchbrüche; Text / Druckermarke nicht betroffen). Vorsätze, letztes Bl. im weißen Rand, Titel und erste Bll. am äussersten Rand mit Feuchtigkeitsschäden, 1 Bl. mit Eckabriss. Darüber hinaus leicht gebräunt, Ränder etwas fleckig (Titel stärker), aber ein ansehnliches Exemplar dieser seltenen Ausgabe. Cranz 107.938 (4 Exx.); Renouard (Col) S. 204 (5 weitere Exx.); Schreiber (Col) 96; Schweiger I, 58; Hoffmann I, 330; BMSTC (French Books) 25 (inkompl.); NUC 20, 606 (3 Exx.); nicht bei Adams und nicht im PCCBI.

Best. Nr.: 178   3400,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Klassische Antike, Griechische Literatur, Zoologie, Aristoteles]

[ARISTOTELES] - NIFO [NIPHUS], Agostino
Augustini Suessani Philosophi perspicacissimi subtilissima commentaria in libros Meteorologicorum, & in librum de Mistis, sive Quartum Meteororum ab antiquis nuncupatum & ordinatum...

Venedig, H. Scotus 1559. Folio. (14) Bll. 638 Spalten. Mit zahlreichen Holzschnitt-Diagrammen und zwei verschiedenen Druckermarken. (Angeb.:) DIES.: Parva naturalia Augustini Niphi Medices Philosophi Suessani... Venedig, O. Scotus 1523. Folio. (2) Bll., 121 Bll., (1) Bl. (weiß). Mit zahlreichen Holzschnitt-Diagrammen und Druckermarke. (Angeb.:) NIFO, Agostino: De intellectu. De demonibus. Venedig, P. de Querengis 1503. Folio. 85 Bll. (gegen Schluss verschiedene Paginierungsfehler). Mit wiederholter Holzschnitt-Druckermarke. Flexibles Pergament d. 17. Jahrhunderts (gebräunt, etwas fleckig, VD mit kleinen Fehlstellen) mit Rückenbeschriftung und kleinem Bibliotheksschild; zwei Bindebänder (eines defekt). I: Äußerst seltene Ausgabe (1 Ex. im CCBI, 2 im Censimento 16, 4 bei de Bellis, keines in den USA [NUC], nicht bei Cranz/Schmitt, im BMSTC und nicht bei Adams, Schweiger und Hoffmann). Nachdem Nifo den Kommentar 1523 fertiggestellt hatte, ist er - zusammen mit Aristoteles' Text in Latein - ab 1531 mehrfach nachgedruckt worden. II: Seltene Ausgabe (nicht bei Cranz/Schmitt, im NUC, CCBI, bei Adams, Schweiger und Hoffmann); die erste mit Nifos Kommentar zum lateinischen Text des Aristoteles. III: Erste Ausgabe der revidierten Textfassung von De intellectu, bei de Bellis die erste gedruckte Ausgabe. Erstausgabe von De daemonibus. Selten. Die vier Bücher "Meteorologica" des Aristoteles schließen an seine "physica" an und umfassen alle Phänomene aus der sublunaren Sphäre. In den (Parva Naturalia" sind kleinere Einzeluntersuchungen zusammengefaßt, die die Schrift (Über die Seele" ergänzen und sich mit einzelnen Seelen- und Körperfunktionen befassen; in heutigen Ausgaben zählen dazu: (Über Sinne und Sinnesobjekte", (Über das Gedächtnis und die Wiedererinnerung", (Über Schlaf und Erwachen", (Über Träume und Wahrsagung", (Über Lang- und Kurzlebigkeit", (Über Jugend und Alter", (Über Leben und Tod" sowie (Über das Ein- und Ausatmen". Die vorliegende Edition hat - wie andere frühe auch - noch nach einem anderen Kriterium zusammengestellt: nach dem der Kommentare. So wurde das (Buch über die Ursachen" hineingenommen, weil es zu denen gehört, die Thomas v. Aquin kommentiert hat; von ihm stammt auch die heute allgemein akzeptierte Ausscheidung dieser Schrift aus dem Corpus aristotelischer Werke; (Über die Fortbewegung der Tiere" kam wegen Alvernus' Kommentar hinzu, und schließlich ist noch (Über das Glück" angefügt; es entfiel (Über Träume und Wahrsagung". Agostino Nifo (1473 - 1538 oder 1545) lehrte an verschiedenen italienischen Universitäten (Neapel, Pisa, Salerno, Rom), seine erste Station der akademische Laufbahn war Padua. Hier - beeinflusst von N. Vernia und den Padovesischen Averroismus - verfasste er "De intellectu et daemonibus" und propagiert in dieser Schrift die Einheit und Unsterblichkeit der von den Sternen gelenkten Intelligenz. Überragende Bedeutung hat Nifo als Aristoteles - und Averroes - Kommentator wie Übersetzer. Die ersten knapp 30 Bll. mit kleiner werdendem Braunfleck am oberen Rand. Text 1 am oberen Rand knapp beschnitten (Kopfzeile oder Spaltennummer wenige Male etwas tangiert), letztes Bl. mit Einriss am oberen Rand. Titel und 3 Bll. bei Text 3 stärker fleckig. Gegen Ende tls. schwach wasserrandig, einige Lagen im unteren Rand etwas stockfleckig. Weinige Bll. gebräunt. Insgesamt ein gut erhaltenes Exemplar. I: De Bellis XXX, 5 (mit falscher Kollationsangabe); Censimento 16 CNCE 32114 (2 Standorte); CCBI 6. 6262; Lohr (Latin Aristotle Comm.) II, S. 285/6, Nr. 13-14. II: De Bellis XX, 1; Censimento 16 CNCE 33132; BMSTC (Italian Books) 51; Lohr II, S. 286, Nr. 17-24. III: De Bellis III, 1; Censimento 16 CNCE 36199; Lohr II, S. 282.

Best. Nr.: 128   5550,00 EUR

[Aristoteleskommentare, griechische Philosophie, Renaissance]

("Materiale Intronato" = BARGAGLI, Girolamo)
Dialogo de' giuochi che nelle vegghie Sanesi si usano di fare...All' illustrissima, et eccellen.ma Signora Donna Isabella de' Medici Orsina Duchessa di Bracciano.

Siena, Luca Sonetti 1572. Kl.- 4°. 223 Ss. Titel mit Wappenholzschnitt ("Academia degli Intronati"), letztes Bl. verso mit kleinerem Holzschnitt ("Lupa Senense").Halbpergament d. 18. Jehrhunderts (gebräunt, Ecken und Kanten bestoßen, leicht berieben) mit Rückenschild (defekt). Erstausgabe. "Alla fondamentale distinzione dei giochi (di spirito, d'ingegno, di scherzo e di piacevolezza), segue illoro fitto catalogo accompagnato da una minuta descrizione" (Diz. Biogr. degli Italiani VI, 341-43). Der Sieneser Advokat Bargagli (1537 - 1589) widmete dieses Werk, in dem er in Castigliones Nachfolge literarische wie politiche Themen in Dialogform abhandelt (nicht zuletzt um die intellektuelle Gleciheit von Mann und Frau zu propagieren), der Isabella Medici. Titelblatt mit restaurierten Randschäden (kein Text-/Bildverlust) und aufgezogen, 2. Bl. neu eingefalzt. Durchgehend leicht gebräunt und etwas finger- oder braunfleckig, wenige Bll. mit Wurmfraßspur im oberen Rand (einzelne Buchstaben leicht tangiert). IA 113.019 (mit insgesamt 6 Exx.); Gamba 1237; BMSTC (Italian Books) 426; Adams B 198 (inkompl).

Best. Nr.: 147   2000,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Italienische Literatur, Renaissance]

BARTOLUS de Saxoferratus (Bartolo de Sassoferrato) - Johannes ANDREAE (d'Andrea, Giovanni) (u.a.).
In utriusq(ue) iuris libros introductorium. Tractatus & processus diversi untriusq(ue) iuris: studiosis plurimis accomodati. Modus legendi abbreviaturas in utroq(ue) iure. Tractatus iudiciorum Bartholi legum dictoris.Tractatus renunciatonum beneficioru(m) in publicis instrumentis. Processus Sathanae infernalis & genus humanu(m). Ars notariatus. Sum(m)a Joanis andreae sup(er) secu(n)do Decretaliu(m). Arbor Co(n)sa(n)uinitatis. Affinitatis. Joanis Andreae. (Arbor) Cognatio(n)is sp(irit)ualis. Conatio(n)is legalis.

Basel, Adam Petri 1517. 8°. (122) Bll. Drei Bll. recto unbedruckt (außer Kopfzeile), um Platz für Stammbaumzeichnungen zu lassen (zu Beginn von Arbor Consanguinitatis, affinitatis und Cognationis spiritualis). Blindgeprägtes Schweinsleder z. Zt. über Holzdeckeln (nachgedunkelt, etwas fleckig, RD mit kleiner unterlegter Bezugsfehlstelle, Ecken und Kanten leicht bestoßen, beide Deckel mit je einer kurzen handschr. Notiz in alter Tinte); zwei intakte Schließen. Dritte Ausgabe dieses Sammelbandes (nach 1513 und 1514); selten. Dieser juristische Sammelband enthält: 1. Ars notariatus. (VD16 A 3823); 2. (Bartolus aus Sassoferrato): Processus Satanae infernalis contra genus humanum. (VD16 B 591); 3. Bartolus aus Sassoferrato: Tractatus iudiciorum. (VD16 B 606); 4. (Bartolus aus Sassoferrato): Tractatus renuntiationum beneficiorum in publicis instrumentis. (VD16 B 616); 5. Johannes Andreae: Summa super quarto decretalium. (VD16 J 348); 6. Johannes Andreae: Summa super secundo decretalium (VD16 J 357); 7. Modus legendi abbreviaturas in utroque iure. (VD16 M 5756) ; 8. Johannes Andreae: Arbor consanguinitatis (VD16 J 320), Arbor Affinitatis (VD16 J 320); 9. (Johannes Andreae), Arbor Cognationis spiritualis (keine Einzelausgabe im VD16), Arbor Cognationis legalis (keine Einzelausgabe im VD16). "Nemo bonus iurista nisi bartolista" (Niemand ist ein guter Jurist außer er steht in der Tradition des Bartolo), dieser Satz zeigt die überaus große Wertschätzung, derer Bartolo de Sassoferrato (Saxoferratus) (1313/14-1357) sich erfreuen konnte. Als wichtigster Vertreter der Schule der Postglossatoren decken seine Arbeiten ein breites Spektrum ab; sie behandeln Themen aus dem Zivil- und Strafrecht, dem Handels- und internationalen Privat- wie Strafrecht; als einer der Ersten beschäftigte er sich mit dem Völkerrecht. Zu seinen bedeutendsten Leistungen zählen die Versuche zur Vereinheitlichung der unterschiedlichen Statuten der italienischen Städte auf der Basis des römischen Rechts, dem er damit auch zu seinem endgültigen Durchbruch verhalf. Eine große Breitenwirkung hatten auch seine Versuche, dogmatische Rechtssätze an die Verhältnisse seiner Zeit anzupassen; so interpretierte er das kirchliche Zinsverbot mit Blick auf die wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit in der Art, dass er Rechtsfolgen von Zinsgeschäften wie Verzugszinsen für rechtens erklärte (s. Kleinheyer/ Schröder S. 43 ff.). Auch Johannes Andreae (um 1270 - 1348) zählt zu den bedeutenden mittelalterlichen Juristen. "Er gehörte zu den jüngeren Dekretalisten, die sich mit dem von den Päpsten erlassenen Recht, den Dekretalen, befassten und die Zeit der klassischen Kanonistik prägten." (BBKL III, 257). Titel mit auffallendem Besitzerstempel ("Franziskaner Hospitz Hundsdorf"), handschriftl. Einträge auf Vorsätzen und letztem Bl. verso. Durchegehend mäßig gebräunt, stellenweise mit leichtem Wasserrand, gegen Ende kleiner Wurmgang im weißen Rand. Oberer Rand etwas knapper beschnitten. Ein gutes Exemplar im originalen Zustand. VD 16 I 167; weder im Ind. Aur. noch im BMSTC (German Books), bei Adams eine der drei Ausgaben, die aber nicht näher definiert ist("c. 1512").

Best. Nr.: 620   2400,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Juridica, Rechtsgeschichte]

(BAYERISCHE GERICHTSORDNUNG)
Gerichtzordnung Im fürstn-thumb Obern- und Nidern Bayen Anno 1520 aufgericht.

München, A. Schobser (um 1550). Folio. (16), 87 röm pag. Bll. Mit Titelholzschnitt. Neuer Pappband (Kiebitzmarmor). Vierter Druck. Der Titelholzschnitt stellt die beiden Herzöge Wilhelm und Ludwig, in einer Halle stehen und das bayerische Wappen haltend, dar. Er stammt von Caspar Clofigl und wurde von Hans Schobser in der "Reformacion der bayrischen Landrecht" 1518 erstverwendet (die drei vorhergehenden Ausgaben der "Gerichtzordnung" trugen einen anderen Clofigl-Holzschnitt auf dem Titel; s. Muther Tafel 262 und 263). Nach der Vereinigung von Ober- und Niederbayern im Jahr 1505 war die Schaffung einheitlicher Rechtsverhältnisse eine vordringliche Aufgabe. Die Gerichtzordnung kodifiziert in diesem Zusammenhang v.a. das Prozessrecht und stellt "eines der frühesten und bedeutendsten Denkmäler der Übernahme römisch-kanonischer Rechtsformen in das deutsche Recht" (Handb. d. bayer. Geschichte II, S. 656) dar; daneben ist es "das älteste für Ober- und Niederbayern gemeinsame Gesetzbuch" (ebda.). Provenienz: Versteigerung J. Baer, Frankfurt, am 7. 11. 1932; seitdem durchgehend bis Oktober 2005 in Privatbesitz. Titel in Rot/Schwarz. Vorderer Spiegel mit gest. Ex-libris. Durchgehend leicht gebräunt (Titel stark), stellenweise gering fleckig; ein paar Bll. an der unteren äußeren Ecke wasserrandig. Titel seitlich knapp beschnitten (ein Buchstabe recto tangiert), ansonsten ein gut erhaltenes, breitrandiges Exemplar. VD 16, B 992; nicht bei Adams.

Best. Nr.: 194   1200,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

 

BEDA (VENERABILIS)
Homiliae ... hyemales et quadragesimales de tempore ac de sanctis, nunc primum summa diligentia restitutae & in luce aeditae.

(Köln,) J. Gymnich 1534. 8°. (16) Ss. (2. weiß), 351 Ss., (1) S. (weiß). Mit Holzschnitt- Druckermarke und Initialen in Holzschnitt. (Angeb.:) (DERS.:) Homiliae aestivales de tempore & de sanctis. Köln, J. Gymnich 1534. 8°. 403 Ss. (2. weiß), (9) Ss. (letzte weiß), (2) Bll. (weiß). Titelumrahmung und Druckermarke (vorletztes weißes Bl. recto) in Holzschnitt, ebenso 1 Initiale. (Angeb.:) (DERS.:) Homiliae ... in D. Pauli epistolas & alias veteris & novi testamenti lectiones tam de tempore quam de sanctis, ut per totum annum in templis leguntur, nunc primum excusae. Köln, J. Gymnich 1535. 8°. (24) Ss., S. 3 - 317, (1) S. (weiß). Mit Druckermarke und zwei Initialen in Holz- schnitt. Blindgepr. Schweinsleder d. Zt. über Holzdeckeln (zahlreiche Wurmlöcher, 1 Ecke defekt) mit 2 handgeschr. Rückenschildern (Autor/Titel und Datum "1534"); zwei intakte originale Schließen. Drei seltene Erstausgaben des berühmten Theologen in einem Band. Die Titeleinrahmung zum zweiten Text stammt von Anton Woensam von Worms (Merlo Nr. 411; sein Beleg ist später als unser Text). Beda genannt Venerabilis (der Ehrwürdige / 672/3 - 735) zählt zu den bedeutendsten Theologen des frühen Mittelalters. Seine theologischen Werke, zu denen auch die vorliegenden Predigtreihen gehören, waren von hoher Autorität, großen Einfluss hatte er auch mit seiner Darstellung der angelsächsischen Kirchengeschichte und einem Werk über die Zeitrechnung; mit diesem verhalf er dem Begriff "nach Christi Geburt" zum Durchbruch. Der Einband zeigt auf dem Vorderdeckel drei senkrechte Rollen in einem Mittelteil: rechts und links Wellenranke intermittierend mit Rosette, dazwischen Frau mit Flügelhelm - Frau mit Haube - Vase; die intermittierende Wellenranke findet sich ober- und unterhalb dieses Mittelteils in der Waagerechten. Der Dekor des Rückendeckels ist gleich angelegt, nur fehlt die Rolle mit der Frau mit Flügelhelm. Eine Zuweisung des Einbandes ist uns nicht möglich; die EBDB enthält beim "Meister des Sixt Birck" aus Augsburg ähnliche Rollen, aber eben doch nicht gleiche. Ohne fliegende Vorsätze. Schnittbeschriftung vorn und oben; Titel recto mit zwei alten Vermerken: einem Besitz- und Kaufvermerk, sowie einem mit "1538" datierten. Durchgehend mit zahlreichen Wurmlöchern (Buchstabenverlust) und leicht gebräunt. I: IA 115.626; VD 16, B 1430; nicht bei Adams und nicht in BL (Online-Cat.). II: IA 115.625; VD 16, B 1431; nicht bei Adams und nicht in BL (Online-Cat.). III: IA 115.631; VD 16, B 1434; Adams B 458; nicht in BL (Online-Cat.).

Best. Nr.: 627   2700,00 EUR
zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Theologie, Patristik, historische Einbände]

 

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Deutsche Drucke 16. Jahrhundert, Juridica, bayerische Gerichtsordnung, illustrierte Bücher]

BELLI, Silvio.
Libro del misurar con la vista...Nel quale s'insegna, senza travagliar con numeri, a misurar facilißimamente le distantie, l'altezze, e le profondita con il Quadrato Geometrico, e con altri stromenti, de' quali in ogni luogo quasi in un subito si puo provedere. Si mostra ancora una bellissima via di ritrovare la profondita di qual si voglia mare; & un modo industrioso di misurar il circuito di tutta la terra.

Venedig, Nicolini 1565. Kl.-4to. (4) Bll., 108 Ss. Zahlreiche schematische Holzschnitte. Pappe des 18. Jahrhunderts. Erstausgabe. Eine frühe italienische Geometrie und Vermessungslehre. Leicht gebräunt und stellenweise etwas fingerfleckig, sonst in gutem Zustand. IA 116.189 (mit insg. 5 Exx.); BMSTC (Italian Books) 79; Smith 343; Adams B 518; Poggendorff I, 140.

Best. Nr.: 140   4100,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Geometrie, Vermessungslehre]

(BIBLIA HEBRAICA)
Hebräische Bibel - Altes Testament)

(Paris, Robert Estienne 1544 - 1546). 17 Teile in 17 Bänden. 16°. I (Quinque libri legis): 146 Bll. (a - r 8,, s 10); II (Exodus): 124 Bll. (t-z 8, aa-kk 8, ll 4 [das letzte weiß]); III: (Leviticus): 88 Bll. (mm - yy 8); IV (Numeri): 122 Bll. (zz 8, A-N 8, O 10); V (Deuteronomium): 108 Bll. (P-Z 8, AA-DD 8, EE 4 [das letzte weiß]); VI (Iosue & Iudices): 152 Bll. (A-T 8 [T 7 und T 8 weiß]); VII (Samuel): 176 Bll. (a-y 8); VIII (Reges): 184 Bll. (A-Z 8); IX (Prophetia Isaiae): 132 Bll. (A-Q 8, R 4 [das letzte weiß]); X: (Prophetia Ieremiae): 168 Bll. (a-x 8); XI(Prophetia Ezechielis): 144 Bll. (aa - ss 8); XII (Duodecim Prophetae): 120 Bll. (A-P 8 [P 6- P 8 weiß]); XIII (Psalterium): 160 Bll. (A-V 8 [das letzte weiß]); XIV (Proverbia Salomonis & Iob.): 114 Bll. (AA-NN 8, OO 10); XV (Canticum canticorum, Ruth, Lamentationes Ieremiae, Ecclesiastes, & Ester): 80 Bll. (A-K 8); XVI (Daniel & Esdras): 120 Bll. (a-p 8); XVII (Liber Paralipomenon): 184 Bll. (A-Z 8 [das letzte weiß]). Vollständig mit allen weißen Bll. Jeder Band mit Estienne-Druckermarke (Olivenbaum, s. Renouard 298) auf dem Titelbl. Jedes Titelbl. mit dem vollständigen Titel in hebräischen Typen, darunter folgt ein Kurztitel in lateinischen Lettern. Die hebräischen Titel der einzelnen Bücher stehen zu Beginn des jeweiligen Textes und sind in eine Kartusche gesetzt. Der Text durchgehend in Hebräisch gedruckt. 16 der 17 Bände sind in geglättetes Kalbs- (oder Schafs-?) Leder des frühen 18. Jahrhunderts gebunden (nur gering berieben, einzelne Deckel etwas beschabt, einige Bände, v.a. der 8., an Kopf und Schwanz des Rückens restauriert) mit goldgeprägten Stehkantenfileten; Goldschnitt. Bd. 10 in neuem Kalbsleder im Stil der übrigen mit neuen Vorsätzen (dieser Band stammt aus einem anderen Exemplar, ist leicht abweichend beschnitten und als einziger nicht regliert). Alle Teile im Erstdruck dieses zweiten Alten Testaments auf Hebräisch bei Estienne (der sog. "pocket edition"). In dieser Vollständigkeit eine äußerst seltene Ausgabe; v.a. der Psalter findet sich immer wieder im Nachdruck. Noch seltener sind Exemplare, in denen - wie in unserem - jeder Teil separat gebunden ist. Ruth Mortimer schreibt zu den hebräischen Estienne-Bibeln: "In his Hebrew Old Testament in quarto, printed from 1539 to 1544 (Andover-Harvard), Estienne employed a large square type for the text and a font of the more cursive Rashi type for the notes. Interspersed in the notes, for text quotations, is a small square type. The large text type is known to have been cut by Jean Arnoul, called le Picard, and the other two fonts might be attributed to the same hand (see Armstrong,Estienne, p. 51-52, but note that she refers to two fonts only, one cited as text type for the 16° edition). The Rashi type was used on the title-pages of the 16° edition. The square text type in this edition is a new font, only slightly larger than the small type of the quarto. Part of this new font appears in the text of Estienne's 1544 Alphabetu(m) hebraicum (HCL), although the full alphabet is printed in the quarto text font. Concerning the 16° edition, Renouard (Estienne, p. 65, no.1) writes : 'Cette petite edition que l'on dit fort exacte, est vraiment un bijou typographique, et peut-etre ce qui a jamais ete imprime de plus beau en langue hebraique' ". 16 Bändchen regliert. Alte Besitzereinträge (Jesuitenkolleg in Louvain / Löwen), Bibliotheksstempel des Jesuitenkollegs von Douai auf den Titeln und dem jeweils letzten Bl., Exlibris dieses Kollegs in Bd. 15. Ganz schwach gebräunt, ein paar Bändchen mit kleineren Wurmgängen, überwiegend im weißen Rand. In den Untertiteln von Bd. 1, 6, 9 und 11 - 16 sind zwei Wörter ("Robertus Stephanus") gestrichen oder durch Rasur entfernt (dadurch jeweils kleine Papierfehlstelle). Darüber hinaus sind alle Bände exzellent erhalten. Steinschneider 115; Renouard/Est. 65, 1; Mortimer 73 (2 unvollst. Exx.); Adams B 1224; BMSTC (French Books) 56 (3 Exx., 2 unvollst.); Brunet ("Jolie edition") I, 856. Girard/Boutailler (Paris) 50 (5 Exx., offensichtlich alle unvollständig); Ebert 2231 ("Schön und corr."). Nicht bei Fairfax - Murray.

Best. Nr.: 602   28000,00 EUR

 

[Inkunabeln, illuminierte Bücher, Bibeln, Prachteinbände]

BOCCACCIO, Giovanni.
Le Philocope de Messire Iehan Boccacce Florentin, Contenat l'histoire de Fleury & Blanchefleur, divise en sept livres traduictz d'italien en francoys par Adrian Sevin Gentilhomme de la maison de Monsieur de Gie.

(Paris, D. Janot für) Gilles Corrozet, (24 Februar) 1542. Folio. VI, CLXXIIII Bll. Mit - inkl.Wiederholungen - 36 Textholzschnitten (einer davon fast blattgroß) in einer variierenden vierseitigen, tls.wappengeschmückten Bordüre, einigen "lettres fleuries" - Initialen von G. Tory (s. Mortimer) und wenigen "Crible" - Initialen. Holzschnitt-Druckermarke Corrozets (Ren. Nr. 206). Prachtvoller signierter Wappeneinband (Doublure) des berühmten Pariser Buchbinders Gruel aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in bester Erhaltung, mit polychromen Bandwerk-Maroquin-Intarsien, reicher Rücken-, Deckel-, Steh- und Innenkantenvergoldung sowie goldgeprägtem Rückentitel; dreiseitiger Goldschnitt. In einer späteren Chemise (breiter Rücken aus braunem genopptem Leder mit goldgeprägtem Rückentitel [berieben, etwas ausgebleicht], Deckel mit Marmorpapierbezug, innen velourgefüttert [das Futter leicht fleckig] und in einem Halblederschuber mit gleichem Bezug (leicht berieben, Kanten bestoßen).

Erste Ausgabe der Sevinschen Übersetzung.

Denys Janot hat diese Ausgabe in eigenem Namen und für verschiedene Pariser Buchhandlungen veranstaltet (vgl. den entsprechenden Vermerk im Ind. Aurel.); für letztere wurden dann deren eigene Signets und Vertriebsvermerke eingedruckt. Unser Exemplar trägt so auf dem Titelblatt das Corrozet-Signet (s. Renouard 206) und den Vermerk: " On les vend a Paris en la grand Salle du Palais du coste de la chappelle de messieurs, en la boutique de Gilles Corrozet Libraire. " Das sowieso schon äußerst seltene Buch ist mit diesem Signet von allergrößter Rarität und in den einschlägigen Bibliographien/Katalogen nicht nachzuweisen.

Die Holzschnitte stammen aus Janots Ausgabe der ersten Bücher der " Amadis de Gaula " von 1540 (vgl. Brun und Mortimer), die Bordüren sind aber tls. schon früher angefertigt worden (so ist eine mit "1520" datiert). Sie tragen häufig Blattornamente, eine ganz Reihe auch groteske Gesichter und Wappenschilde. Zu den "Amadis" - Holzschnitten insgesamt schreibt Brun: " L'Amadis des Gaules dont le premier livre parut en 1540, est orne de vignettes qui offrent au lecteur une suite de charmants petits tableaux. Certaines sont d'un dessin si parfait et d'une taille si adroite qu'on ne peut s'empecher de songer aux gravures de Lützelburger d'apres Holbein. Ici, le style, les proportions des personnages, les physionomies, tout enfin est different et accuse la main d'un artiste francais, mais la maitrise est presque egale " (S. 68), und allgemein zur Bedeutung Janots und Corrozets (S. 64 / 65): " Ce fut le role de trois imprimeurs, Denis Janot, Etienne Groulleau et Gilles Corrozet, de repandre a profusion, sous un format commode, de petits textes classiques ou des livrets abondamment illustres. Leurs vignettes elegantes et spirituelles, transmises ou copiees d'atelier en atelier, interpretees par les ciseleurs, les peintres verriers, les emailleurs et les fayenciers, contribuerent pour une grande part a fixer les nouvelles formules decoratives... ".

Der "Filocolo" ist das erste Prosawerk Boccaccios, auf Anregung "Fiammettas" vor 1340 in Neapel begonnen. Hauptmotiv sind die gefahrvollen Reisen und Wanderungen Florios, des Sohnes des in Verona residierenden heidnischen Spanierkönigs Felice, durch den gesamten Mittelmeerraum auf der Suche nach seiner Jugendliebe Biancifiore. Boccaccio schuf hiermit den ersten Prosaroman der italienischen Literatur überhaupt; er orientiert sich dabei stofflich an Floire et Blancheflor, einem in ganz Europa verbeiteten Roman, der um die Mitte des 12. Jahrhunderts in Frankreich entstanden war. Vorbildhaft waren auch die Romane des Chretien de Troyes, und der inspirierte Boccaccio zu dem zweiten Hauptmotiv seines Romans, nämlich zu dem psychologischen Innenleben der Hauptfiguren. "In dieser Hinsicht war Chretien, nach ersten psychologisierenden Ansätzen bei Ovid, für den Autodidakten Boccaccio das bis dahin bedeutendste Beispiel einer psychologisch-analytischen Prosa. Wie es scheint, ist Boccaccio der erste gewesen, der die Verfahren Chretiens bewußt aufgriff, immer auch mit dem Ehrgeiz, durch eine solche Verfeinerung und Vertiefung der Figuren eine Distanz zur banalen Erzählprosa der verbreiteten Volgarizzamenti' herzustellen. Nicht zuletzt diesem analytischen Bemühen des jungen Autors ist es zu verdanken, daß sein früher Roman auch die Motive der quete' bzw. des Bildungsromans in sich aufnimmt: Florios lange, entbehrungsreiche Odyssee auf der Suche nach der Geliebten hat auch den Aspekt einer Erziehung durch das Leben zum Leben, so daß er schließlich in der kreisförmig zum Anfang zurückkehrenden glücklichen Schlußszene des Romans (Hochzeit in Rom) als charakterlich und menschlich gereifter und gebildeter Fürst, noch dazu zum Christentum bekehrt, die Nachfolge seines Vaters, des Königs Felice, antreten kann" (Hardt S. 151).

Der überaus reichhaltig gearbeitete Maroquin-Einband trägt auf beiden Deckeln in der Mitte in einer ovalen Kartusche das Wappen von Henri IV (1553 - 1610) mit dem französischen Wappenschild (auf blauem Grund) und dem navarresischen (auf rotem Grund) sowie den drei Kronen: den beiden kleinen, die für Frankreich und Navarra stehen, sowie der großen, die die Vereinigung symbolisiert (s. J. Guigard, Nouvelle Armorial du Bibliophile. Paris 1890. S.20). Umschlossen werden die Wappenschilde und die kleinen Kronen von feinem Rankenwerk. Die Kronen sowie die Ranken sind goldgeprägt, in der großen Krone wiederholen sich in dezenter Weise die Farben der Wappenschilde. Umschlossen werden die Wappenschilde und die kleinen Kronen von feinem Rankenwerk. Die Kronen sowie die Ranken sind goldgeprägt, in der großen Krone wiederholen sich in dezenter Weise die Farben der Wappenschilde. Umgeben sind die Wappen von einem Geflecht von tls. geometrischem, tls. floralem und ornamentalem polychromem Bandwerk (in Beige, Braun, Bordeaux und Rot), die oben und unten in einer größeren, unterhalb von vier Eckfleurons je in einer kleineren Groteske auslaufen (die größeren in Beige, die kleineren in Braun). Die Felder zwischen den Streifen sind mit goldgeprägten "Crible"- Punkten besetzt. Dieser Einbandarbeit ist eine Wiederaufnahme eines Prachteinbandes, den der Genfer "Meister der Königsbände" im Jahr 1588 für ein Dedikationsexemplar der Genfer Bibel an den französischen König Heinrich IV angefertigt hat (vgl. Schunke [Jahrbuch], Tafel 5, Abb. 2 und Hobson Tafel II), dem dieses Exemplar aber vielleicht auf Grund seiner Konversion zum Katholizismus nie überreicht wurde (vgl. Hobson). Die Abbildung bei Hobson zeigt auch, dass Gruel den Rücken seines Einbandes abweichend von der Vorlage gearbeitet hat. Das Dekor der Deckel ist in den wesentlichen Teilen eine Leder-Intarsien-Arbeit. Dieser dem Historismus verpflichtete Einband steht in der Tradition der "reliure adaptee au texte", eine Spezialität des Ateliers Gruel (vgl. R. Devauchelle, La reliure en France de ses origines a nos jours. Paris 1961. Bd. III, S. 34 ff.). Bei unserem Buch wird dies zum Beispiel daran deutlich, dass Gruel gerade das Wappen des in der Geschichte häufig idealisierten Henri IV nimmt, um ein Buch zu dekorieren, das den idealisierten Lebensweg eines Herrschers zum Inhalt hat. Bei den Spitzenprodukten aus seiner Werkstatt müsste man den obigen Begriff noch erweitern und sagen "reliure adaptee au text et aux illustrations", denn in der historisierenden Rückschau hat der Binder in diesen Fällen Elemente auch der künstlerischen Ausgestaltung des Buchs aufgenommen: So korrespondieren bei unserem Beispiel die "Crible"-Initialen mit dem entsprechenden Deckeldekor, die Wappen von Henri IV finden eine Entsprechung in den (Phantasie-) Wappen der Holzschnitt-Bordüren, und diese Entsprechung geht bis in motivische Details etwa der Bourbonen-Lilie oder der Kronen. Die Deckel tragen sich fächerartig auffaltende Eckfleurons, und auch die finden sich in der Linienführung bei einigen Bordüren, gleiches gilt für die Grotesken und die floralen Elemente. So bilden das Buch mit seinen Illustrationen und der Einband eine integrale künstlerische Einheit, und einer der bedeutendsten Einbände der französisch-schweizerischen Buchgeschichte, der naturgemäß nur in einem Exemplar existiert, wird durch Gruel adaptiert und in einem weiteren Exemplar, diesmal wohl für einem privaten Kunden, zugänglich gemacht.

Literatur zum "Meister der Genfer Königsbände":

G.D. Hobson: Une reliure aux armes d'Henri III. à la Bibliothèque National. In: Les Trésors des Bibliothèques de France. Tome III. S. 247 - 259; hier: S. 249 ff.

I. Schunke: Der Genfer Bucheinband des XVI. Jahrhunderts und der Meister der französischen Königsbände. In: Jahrbuch der Einbandkunst IV (1932). S. 37 - 64; hier S. 51 ff. (mit einer Abbildung des Dedikationsexemplars für König Henri IV.)

I. Schunke: Die Einbände der Palatina in der Vatikanischen Bibliothek. Città del Vaticano 1962. Bd. 1, S. 227 - 231 mit Abb. T. CLXIV - CLXXI.

W. Mittler u.a. (Hgg.): Bibliotheca Palatina. Heidelberg 1986. Bd. 1, S. 385 ff. und  S. 532-534; Bd. 2, S. 255 ff. (Farbabb.).

Exlibris. Sorgfältig gereinigtes Exemplar. Titel noch mit sehr stark verblassten alten Eintragungen. Durchgehend gleichmäßig etwas gebräunt, stellenweise mit schwachen Stock- oder Braunflecken. Ein paar Holzschnitte etwas schwächer im Abdruck. Wenige Bll. mit - beim Schöpfen entstandenen - Strukturunregelmäßigkeiten des Papiers an der unteren äußeren Ecke. Insgesamt ein sehr sauberes Exemplar dieser Rarität. IA 120.290 (nur 7 Exx!); NUC 62/473 (3 weitere Exx.); Mortimer (French Books) 105; Brunet I, 1014 und Suppl. I, 142; Cioranescu 20705; BMSTC (French Books) 71; Omont (Janot) 125; Brun S. 158 (soweit ein Drucker erwähnt wird, ist dies bei allen Janot).

Best. Nr.: 607   34000,00 EUR

[Illustrierte Bücher, Prachteinbände, Übersetzungen, italienische Literatur]

BOETHIUS, Anicius M.S.
...de philosophico consulatu sive de consolatio(n)e philosophi(a)e: cu(m) figur(is) ornatissimis novit(er) expolit(us).

Straßburg, Johann Grüninger, 8. September 1501. Fol. (10), 126 (recte: 128) Bll. Mit 78 Textholzschnitten, zahlreichen Holzschnittinitialen und schwarzgrundiger Druckermarke. Blindgepreßtes Schweinsleder des ausgehenden 16. / frühen 17. Jh.s über Holzdeckeln mit Streicheisenlinien und Rollenstempeln (berieben [RD etwas stärker], gebräunt und - v.a. an den Rändern - mit Wurmlöchern, fleckig. Bezugdefekte an Kanten restauriert, Rücken mit kleinen Läsuren [restauriert] und größerem Wurmgang, RD mit kleinem restauriertem Bezugsdefekt; Rücken nach Entnahme von Beibänden verkürzt und - handwerklich sehr professionell - wieder geschlossen), drei (nur noch teilweise lesbare) handgeschriebene Rückentitel (woraus zu schließen ist, dass das Exemplar ursprünglich ein Sammelband, bestehend aus drei Texten, gewesen ist); ohne die Schließen. Seltene Ausgabe, von S. Brant herausgegeben. Die Textanordnung ergibt das charakteristische Druckbild früher Grüninger-Drucke: Der literarische Text in schöner großer Antiqua mit breitem Zeilenabstand, dazwischen in sehr kleiner Type Interlinear-Glossen, der Kommentar (Pseudo-Th.-v.-Aquin) in mittelgroßer Type den Text umrahmend. Die Holzschnitte bilden einen Markstein in der Grüningerschen Buchillustration. Die stammen aus einer anonymen elsässischen Schule und wurden eigens für diese Ausgabe angefertigt. Ihre Qualität liegt zum einen in der Ausdrucksstärke der Figuren und Szenen, zum anderen darin, daß sie ganz auf den Text bezogen sind - letzteres war bis dahin zumindest bei Grüninger und auch später bei einer Reihe anderer Drucker nicht die Regel; Kristeller ordnet sie seiner Gruppe B Grüningerscher Illustrationen zu (S. 42).Drei der fünf Bücher werden mit einem ca. halbseitigen Titelholzschnitt eröffnet, dann folgen 12-24 kleinere querformatige Textholzschnitte je Buch, die öfter aus drei, manchmal aus vier Teilen zusammengesetzt sind; bei Buch vier ist der halbseitige Holzschnitt am Ende eingedruckt. Die Illustrationen liegen überwiegend in ausgezeichneten Abdrucken vor. Boethius (um 480 - um 524), in Rom geboren und aus einer der vornehmsten röm. Adelsfamilien stammend, wurde 510 Konsul und stieg unter Theoderich zu höchsten Staatsämtern auf. Unter Anklage der Konspiration mit Ostrom wurde er in Pavia eingekerkert und später hingerichtet. Im Gefängnis schrieb er die Schrift "Vom Trost der Philosophie" (um 523). "Die Trostschrift gehört zum Schönsten, was am Ausgang des Altertums zu Pergament gebracht worden ist. Sie stammt von einem Mann, der ... gleichermaßen sicher auf dem Boden der klassisch-griechischen wie der klassisch-lateinischen Bildung stand und der wegen seiner reinen, durch Eleganz und Korrektheit bestechenden Sprache als der letzte Klassiker gilt ... Seiner vortrefflichen Begriffsbestimmungen wegen wird er zugleich auch der erste Scholastiker genannt. " (KNLL 2,860f.) Der Aufbau - Analyse der "Krankheit" durch die Philosophie, Anwendung zuerst leichterer Heilungsmittel in Form einfacherer Merksätze, dann anspruchsvollere philosophische Beweisgänge bis hin zu komplizierten und abstrakten Theoremen der Ethik und der philosophischen Theologie (die kräftigeren Heilmittel), wobei der Diskurs sich auch insofern steigert, als zunächst allgemein Bekanntes aus der griechischen und römischen Philosophie referiert wird, in zunehmendem Maße dann aber eigenständige Erörterungen Platz greifen - zeigt, daß es dem Autor um mehr ging als um persönliches Bekenntnis. "Augustinus und Boethius vollenden die Rezeption der griechischen Philosophie und erheben die lateinische Sprache zu einem Instrument der Wissenschaft. So schmieden sie die geistigen Waffen für Mittelalter und Neuzeit." (M.v.Albrecht, Gesch. d. röm. Literatur, S. 1367). Ein interessantes Detail: Das zweite Buch enthält einen der ältesten Belege für das Bild des rollenden Glücksrads. Die Einbandprägung ist auf beiden Deckeln gleich angelegt: Auf dem VD besteht sie aus einer doppelten Bandornamentik-Rolle außen, an die sich eine Rolleanschließt; es folgt eine Christus-Rolle mit "Lamm Gottes", dem Schriftzug "IHR" im runden Stahlenkranz und Blüte, und innen befindet sich ein kleines rechteckiges Feld, in dem sich die Bandornamentik wiederholt. Über und unter der Christus-Rolle wurde je ein waagerechtes Feld freigelassen (für Buchstabensupralibros und Jahreszahl). Das Dekor des RD ist im wesentlichen gleich angelegt (es fehlen die beiden freien Felder, weshalb das innere Feld und die Christus-Rolle größer dimensioniert sind; die äußere Rolle mit Bandornamentik ist an den beiden Längsseiten nur einfach aufgedruckt). Provenienz: Das Titelblatt trägt den handschriftlichen Vermerk "Cart(aus)a in Buxheim", darunter befindet sich der Bibliotheksstempel der Kartause. Vorderdeckel des Einbands an den Ecken leicht aufgebogen. Schwach gebräunt (wenige Bll. stärker), an den Rändern mitunter stockfleckig, einzelne kolorierte Initialen, ab und zu Unterlinierungen in Rot; ehemals grüner Schnitt großenteils entfärbt. Einzelne Wurmlöcher (Verlust von Buchstaben oder minimalen Bildanteilen). Oben knapp beschnitten, dadurch bei wenigen Bll. einzelne Buchstaben der Kopfzeile minimal angeschnitten. Titel mit handschr. Eintrag "Contenta". Vorderer Spiegel und Vorsatz etwas neuer, hinterer Vorsatz an den Spiegel geklebt. Buchblock durch die Entnahme der Beibände leicht geöffnet. Insgesamt ein gut erhaltenes Exemplar dieses überaus gesuchten Drucks. IA 121.016; VD 16, B 6404 (1 Ex.); Muller (Grüninger) 8 (2 Exx.); Schmidt (Grüninger) 57; Ritter 225; Adams B 2283; BMSTC (German Books) 135; Schweiger II, 31; Kristeller *96 (aber mit falschem Titel und falschen Angaben über die Zahl der Illustrationen); Muther 555 (mit detaillierten Angaben zu den Illustrationen).

Best. Nr.: 162   13500,00 EUR

 

Burchard von Ursberg (Urspergensis / Biberacensis): Chronicon ... a Nino rege Assyriorum Magno: usque ad Fridericum II. Romanorum Imperatorem (hg. v. Johannes Foeniseca = J. Mager).
Augsburg, Johann Miller 1515.

Folio. (132) Bll. Mit Titelholzschnitt und Druckermarke, beide von Daniel Hopfer. Blindgepr. Halbleder d. Zt. über Holzdeckeln (fleckig, Kanten mit geringen Beschädigungen); Schließenreste. Nach einer Inkunabelausgabe ("Hystoria Friderici imperatoris magni...", Augsburg, St. Ulrich und Afra 1472 / GW 3537), die große Teile der Chronik enthält, aber als Kompilation auch fremde Textpassagen aufweist, wird die Ausgabe von 1515 in der Regel als die "editio princeps" bezeichnet (so z.B. in den MGH: Holder/Egger, v. Simson 2 1916, S. XXXVI und Wulz [1982] S. 242). Das von Daniel Hopfer entworfene Titelblatt besteht aus "eine(r) überaus prunkvolle(n), mit Blattmasken, Füllhörnern, Putten, Fruchtstücken und Grotesken geschmückte(n) Renaissancebordüre". Sie rahmt den Titel und - unter ihm - die beiden Figuren, die den sagenhaften Gründer des Assyrerreiches, Ninus, und den Staufer Friedrich II. darstellen, ein. Die beiden Figuren werden im Gespräch gezeigt, "wobei die Gesprächspartner nebeneinander stehen und insbesondere durch ihre Gestik miteinander in Beziehung gesetzt werden. Wie Schauspieler auf einer Bühne sind sie frontal vor dem Betrachter aufgebaut..." (beide Zitate aus: Breyl, Geschichte des Augsburger Titelblattes... In: Gier u.a. [Hgg.], Augsburger Buchdruck und Verlagswesen. Wiesbaden 1997. S. 261). Burchard von Ursberg (ca. 1177 - 1231), gebürtig wahrscheinlich aus Biberach a.d. Riß oder Umgebung, stammte wohl aus niederem Adel; über seine Bildung weiß man kaum etwas, das Studium der Sieben freien Künste als Vorbereitung auf ein Theologiestudium gilt aber als sehr wahrscheinlich. 1202 zum Priester geweiht, trat er 1207 in das Prämonstratenserstift Schussenried ein, dessen Probst er schon 1209 wurde. 1215 erfolgte seine Berufung an die Spitze des Prämonstratenserklosters Ursberg bei Augsburg. Die Tatsache, dass keine in etwa zeitgenössischen Handschriften der Chronik überliefert sind, lässt darauf schließen, dass Burchard im ausgehenden Mittelalter kaum rezipiert wurde; drei Handschriften des 15. Jahrhunderts bilden so - neben den frühen Drucken - die erhaltene Quellenbasis. Handschrift P, die nur den Schluss der Chronik, das 12. und 13. Jahrhundert enthält und um 1450 angesetzt wird, befindet sich in Privatbesitz, die wichtigere und umfangreichere, die ca. 1470 entstandene Handschrift A (heute in der Bayerischen Staatsbibliothek), befand sich Anfang des 16. Jahrhunderts im Besitz des Augsburger Humanisten Konrad Peutinger. Die Ausgabe von 1515 fußt schwerpunktmäßig auf ihr, dem Herausgeber lag aber wohl auch Handschrift P vor (die Inkunabel ausgabe von 1472 basiert ebenfalls auf Teilen der Handschrift A). Inhaltlich unterscheidet man einen ersten Teil, der im Wesentlichen die Chronik von den Anfängen bis ins 12. Jahrhundert enthält und vom Text her die Frutolf/Ekkehardsche Darstellung bietet, allerdings mit abweichender Gliederung und Burchards eigenen Überschriften sowie der von ihm verfassten Einleitung (vgl. die Einführung bei Becher 2007). Darauf folgt Burchards eigenständige Abhandlung der - aus seiner Sicht - jüngeren Vergangenheit (ab ca. 1190) und der Gegenwart. Als schreibender Geistlicher stand er vor einem ähnlichen Problem wie Otto von Freising: Seine eindeutige Parteinahme für die Staufer hatte genauso unverholende Kritik an der Kirche, v.a. an den politischen Ambitionen des Papsttums, zur Folge. Für das späte 12. und das frühe 13. Jahrhundert besitzt Burchards Chronik einen sehr hohen Quellenwert. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass er beste Kontakte zur Kurie und zum Umfeld der Staufer hatte; drei Romreisen boten ihm Gelegenheit, solche Kontakte zu knüpfen, und Friedrich II. hat er möglicherweise schon auf seinem Zug nach Deutschland, bei dem er seine Thronansprüche geltend machte, begleitet (s. Becher S. 10). Der Aufbau der Chronik stellt sich im Wesentlichen folgendermaßen dar: Fol. A 1 verso enthält das Druckprivileg Kaiser Maximilians für den Verleger und ein kurzes Vorwort des Heausgebers. Fol. A 2 recto beginnt der Chroniktext mit einer Einleitung (bis Z. 37), dann folgt der Frutolf-Ekkehardsche Text (den Burchard der Zwiefaltener Handschrift entnommen hat) bis Fol. T 3 recto. Ab "Huiusque scriptoris chronica extenditur" (linke Spalte) folgt wieder Burchards eigener Text, beginnend mit einer Zwischeneinleitung und anschließend darauf verweisend, dass im vorangegangenen Teil die Zeit der Staufer ab Konrad II. zu annalistisch, nicht in einem "stilo historiographico" dagestellt worden sei, weshalb er diesen Zeitraum (ab 1125) neu in Angriff nehmen wolle. Man geht davon aus, dass Burchard mitten in der Arbeit am Text gestorben ist (mit den Friedensverhandlungen von San Germano zwischen Papst Gregor IX. und Friedrich II. 1230/1 endet der Text). Nicht nur als Quelle ist der Ursberger Chronist bedeutend, sondern auch als Überlieferer anderer, von ihm benutzten Chronisten, deren Werk verloren gegangen ist; dies gilt z. B. für Johannes von Cremona. Die Rolle seines Nachfolgers als Ursberger Probst, Conrad von Lichtenstein, wird unterschiedlich beurteilt: sah die frühere Forschung in ihm einen Fortsetzer und Bearbeiter der Chronik (so Abel/Weiland in der ersten MGH-Ausgabe 1874), findet er bei Becher nicht einmal mehr Erwähnung; die Bedeutung der Person Burchards wird nicht mehr in Frage gestellt. Das Einbanddekor ist auf beiden Deckeln gleich: Rautenbänder schließen auf allen vier Seiten ein inneres Feld ein, dass mit Einzelstempeln besetzt ist: Löwe, schreitend, nach links, rhombisch gefasst. Eine präzise Werkstattzuweisung ist nicht möglich. Provenienz: 1. Beide Deckel tragen ein geschwärztes Siegel als Supralibros, das möglicherweise nach Österreich weist, nämlich auf die Familie Stöckel v. Hertenburg (vgl. Appuhn, Siebmachers Wappenbuch, Nr. 43). 2. Auf dem unteren weißen Rand des Titelblattes befindet sich ein Besitz- und Schenkungsvermerk aus dem späten 17. Jahrhundert. 3. Ebenfalls auf dem Titelblatt ist der Besitzeintrag des Franziskanerklosters Innichen ("Inticensium") in Südtirol. 4. Vorderer Spiegel mit Exlibris eines Maximilianus Mayr. Titel noch mit stark verblasstem Bibliotheksstempel. Durchgehend schwach gebräunt, weitgehend sauber, mit vereinzelten alten Marginalien. Vorderer Vorsatz im oberen Falzbereich etwas gelöst, Titel und folgende zwei Bll. mit restaurierten geringfügigen Papierschäden im unteren weißen Rand. IA 127.842; VD 16, B 9800; Potthast I, 178; BMSTC (German Books) 169; Adams C 2527 (unter Conradus, Abbot of Auersperg); Gier (450 Jahre Bibl. Augsburg) 134; Zapf 1515, XVI.

Best. Nr.: 641    3600,00 EUR
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CICERO, Marcus Tullius
Opera quae aedita sunt hactenus omnia, in tomos distincta quatuor, ad diversorum & vetustissimorum codicum collationem ingeni cura recognita ... quorum tomus primus rhetorica, oratoria et forensia (- secundus tomus orationes - tertius tomus opera epistolica - quartus tomus opera philosophica) continet... Ad haec, Rerum & verborum Index omnium locuplentissimus & castigatissimus, cim Annotationibus variarum lectionum.

Basel, Herwagen 1534. Vier Teile in zwei Bänden. Folio (364 x 240 mm). (8) Ss. (2. weiß), 318 Ss., (1) Bl. (weiß); (8) Ss. (2. weiß), 595 Ss., (1) S. (weiß); (12) Ss., 418 Ss., (1) Bl. (weiß); (20) Ss., 403 Ss., (1) S. (weiß), (60) Bll. Mit 9 Holzschnitt-Druckermarken (3 verschiedenen) und vielen Holzschnitt-Initialen. Zwei uniforme blindgeprägte Schweinslederbände d. Zt. über Holzdeckeln (stärker beschabt und etwas fleckig, Ecken, Kanten sowie Kopf und Fuß der Rücken restauriert) AUS DER WERKSTATT DES WITTENBERGER BUCHBINDERS FRANZ LIND(E)NER mit einer aus dem Jahr 1536 datierten Rolle. 4 originale intakte Schließen, zwei spätere Rückenschildchen. 5. bei Schweiger verzeichnete Werkausgabe. So vollständig sehr selten. Die Herwagensche Druckermarke (dreiköpfiger Hermes auf Podest mit Schlagenstab) wird einen "unbekannten Meister in unmittelbarer Holbeinnachfolge" (Grimm Buchdruckersignete S. 209) zugeschrieben.Literarische Quelle sind die "Adagia" des Erasmus v. Roterdam.Das Signet war in mehreren Varianten im Gebrauch, drei verschiedene befinden sich in unserer Ausgabe (Heitz/Bernoulli Nr. II, VII und XIX). Der Inhalt: Bd. I: Rhetorische Schriften, dazu eine kurze Vita des Cicero aus Livius, die Aischenes-Rede "In Ctesiphontem" sowie die Entgegnung des Demosthenes, beide in lateinischer Übersetzung. Bd.II: Die Ciceronischen Reden, dazu Vergleiche zwischen Demosthenes und Cicero von Quintilian und Plutarch und ein Brief über den Redner Cicero sowie eine Rede Sallusts gegen Cicero. Bd. III: Ciceros Briefe; vorangestellt eine Erklärung griechischer Begriffe, und am Ende die Biografie des Atticus durch C. Nepos. Dazu zwei Briefe Petrarchas "An die Manen des Cicero". Bd. IV: Die philosohischen Schriften, dazu eine ausführliche Vita Ciceros durch A. Ph. Bochio und eine Sammlung Ciceronischer Fragmente. Den Schluss bilden Annotationen zum Werk und ein ausführliches Register. Die Einbände zeigen innen ein rechteckiges Mittelfeld, ausgefüllt mit zwei spiegelbildlich gegeneinander gesetzten Rollen mit pflanzlichen Motiven, um rahmt von einer Figurenrolle ("Justici[a], Lucrecia, Pruden[tia], [Suavitas]" = Haebler Nr. 2), datiert auf 1536. Es schließt sich ein schmaler Rahmen (in der Waagerechten ein Doppelrahmen) mit Rosetten, an, den wiederum eine Figurenrolle umgibt (Salvator ["Data est mihi ois"] - David ["De fructu ven"] - Jesaias ["Sup Solium Dav"] - Johannes ["Ecce Agn Die"] = Haebler Nr. 4, EBDB r002402); die Rolle ist vom Binder (F L) und vom Stecher (MA) signiert; die Einbände stammen also von dem Wittenberger Buchbinder Franz Lind(e)ner. Außen schließen sich zwei Leisten mit pflanzlichen Motiven an, in der Waagerechten die gleichen wie im inneren Rechteck, in der Senkrechten stärker stilisierte mit Rosetten. Literatur zu diesem Binder: Haebler I, S. 260/261; EBDB w004031 (im Beschreibungsteil werden nur die Rollen Haebler 3 und 4 aufgenommen, die anderen sind abgebildet, aber in so schlechter Qualität, dass sie praktisch nicht identifizierbar sind). Beide Bände mit je zwei kleinen Exlibris des gleichen Vorbesitzers auf vorderem Spiegel. Vorderer Vorsatz Bd. 1 recto und verso mit handschr. Notizen besetzt, hinterer Vorsatz fehlt, Bd. 2 ohne Vorsätze; hinterer Spiegel Bd. mit älteren handschr. Notizen. Beide Bände mit alten Pergamentbll. als Falzverstärkung. Bd. 1 mit - teilw. radierem - handschr Besitzereintrag des 17. Jh.s auf Titel recto, erst ca. 40 Bll. und vereinzelte Bll. gegen Ende mit handschr. Marginalien von verschiedenen Händen, durchgehend leicht, ca. 6 Bll. stärker gebräunt. Bd. 2 mit verschiedenen kurzen Einträgen auf Titel recto, ca. 35 Ss. mit handschr. Marginalien in griechischer Sprache, einige Bll. stärker, sonst papierbedingt leicht gebräunt; letzte 2 Bll. mit Titenfleck außerhalb des Schriftspiegels. Gut erhaltenes, breitrandiges Exemplar dieser seltenen Ausg. im originalen Zustand. IA 137.908; VD 16, C 2815; Schweiger II, S. 103; Ebert 4254; so nicht bei Adams; kein vollst. Ex. in BL (Online-Cat.).

Best. Nr.: 634    7800,00 EUR

[Römische Antike, Philosophie, Rhetorik, historische Einbände, Gesamtausgaben]

[Römische Philosophie, Rhetorik, historische Einbände]

[Illustrierte Bücher, Römische Literatur, Philosophie, historische Einbände]

CLAVIUS, Christophorus
Gnomonices libri octo, in quibus Non solum horologiorum solarus, sed aliarum quoque rerum, quae ex gnomonis umbra cognosci possunt, descriptiones Geometrice demonstrantur.

Rom, F. Zanetti 1581. Folio. (16), 654, (2) Ss. Mit ganzseitigem Titelholzschnitt, Druckermarke und vielen schematischen Darstellungen im Text, alles in Holzschnitt. Pergament d. 18. Jahrhunderts (etwas gebräunt und fleckig, winziger Aufkleber mit handschr. "7" auf VD); Rückenbeschriftung (ein großes S, Titel, Bibliotheksnumerierung).Erstausgabe. Der in Bamberg geborene Christopher Clavius (1537/38 - 1612), dessen deutsche Namensform nicht gesichert ist (Clau oder Schlüssel findet man angegeben), trat früh in den Jesuitenorden ein und wurde nach Studien in Coimbra (Portugal) und am Collegium Romanum in Rom an letzterem Institut 1564 zum Professor für Mathematik berufen. Seine Euklid-Ausgaben brachten ihm den Ehrentitel "Euklid des 16. Jahrhunderts" ein, seine astronomischen Arbeiten sind aber ebenso bedeutsam. So bestätigte er Galileis Forschungen in Zusammenhang mit dem heliozentrischen System, das er wohl auch selbst lehrte (er starb vor der Verdammung der Lehre durch die Kirche und den Jesuitenorden). Maßgeblich beteiligt war er an der Erarbeitung des Gregorianischen Kalenders (Details zu Clavius z.B. in BBKL - Online-Ausgabe).Im Zentrum der Gnomonik steht der Entwurf und Bau von Sonnenuhren. Clavius behandelt in diesem Zusammenhang auch die astronomischen Hintergründe, die verschiedenen Bauweisen sowie regional unterschiedliche Stunden (v.a. die babylonischen und die italienischen Stunden / vgl. Kat. Bamberg 2.5). Titel mit Randschäden und großenteils hinterlegt, einzelne Wurmlöcher (Illustration betroffen), letztes Bl. aufgezogen. Besitzeintrag eines Kapuziner-Klosters auf Titel recto. Durchgehend leicht gebräunt (einige Blätter stärker) und etwas fleckig (auch hier einzelne Seiten stärker tangiert). Insgesamt ein gut erhaltenes Exemplar dieser seltenen Schrift (bei der das BBKL die Erstausgabe falsch datiert). Adams C 2098; BMSTC (Italian Books) 186; Censim.16: CNCE 12671; Houzeau/L 11383 ("C'est la plus grand ouvrage existent sur la gnomonique") ; Kat. Bamberg 2.5.

Best. Nr.: 623   5200,00 EUR

[Astronomie, Gomonik, Sonnenuhren, Alte Naturwissenschaften]

(Pseudo-) DIONYSIUS (Dionysios) AREOPAGITA.
(Griech. Titel, dann:) Haec sunt in hoc li- bro sancti Dionysii. De coelesti hierarchia. Cap. xy. De divinis nominibus. Cap. xiii. De pontificali dignitate. Cap. yii. De mystica theologia. Cap. y. Epistolae. x. Martyrium sancti Dionysii.

(Florenz), Philipp Giunta 1516. 8°. (192) Bll., davon 2 weiß. Holzschnitt-Druckermarke auf letztem Bl. verso. Halbleder des 18. Jahrhunderts (stark berieben, RD angeknickt, Ecken und Kanten bestoßen und mit Materialfehlstellen), sparsame Rückenvergoldung, Reste eines goldgeprägten Rückenschildchens. Editio princeps der Gesamtausgabe des Pseudo-Areopagiten im griechischen Original. Sehr selten (seit 1950 auf keiner deutschsprachigen Auktion verzeichnet). Pseudo-Dionysius Areopagita. "Unter dem Namen des nach Apg. 17, 34 durch die Predigt des Paulus in Athen für das Christentum gewonnenen Dionysius, eines Beisitzers des Areopags, der nach dem Bericht des Kirchengeschichtschreibers Eusebius von Cäsarea der erste Bischof von Athen wurde, gab ein uns unbekannter Verfasser - wahrscheinlich aus Syrien - um 500 vier neuplatonisch-mystische Schriften heraus, in denen ein System christlicher Kultusmystik entwickelt wird Diese Schriften erlangten in den griechischen und orientalischen Kirchen bald das höchste Ansehen, obwohl es an Zweifeln an ihrer Echtheit keineswegs ganz fehlt. Eine byzantinische Gesandtschaft überreichte 827 als Geschenk des Kaisers Michael Balbus Ludwig dem Frommen die Werke des D. A., mit deren Übersetzung ins Lateinische er Johannes Scotus Erigena beauftragte. Die Schriften des D. A. übten auf die mittelalterliche Theologie bedeutenden Einfluss aus. D. A. wurde die nach Augustinus wichtigste Autorität der Scholastik. Albertus Magnus, Dionysius der Kartäuser, Hugo von St. Viktor und andere Scholastiker schrieben Kommentare zu den Schriften des D. A. Der Jesuit Balthasar Corderius (Cordier) hat gezeigt, in welchem Umfang namentlich Thomas von Aquino D. A. verwertete. Die Mystiker schöpften aus seinen Quellen; Meister Eckehart zählte D. A. zu seinen Lehrmeistern. Lorenzo Valla (1407-57), einer der bedeutendsten italienischen Humanisten, war der erste im Abendland, der die Identität des Dionysius von Athen mit dem Verfasser der areopagitischen Schriften bezweifelte" (F.W. Bautz in BBKL I, Sp. 1320-1322). Vorderer Spiegel mit Besitzerstempel. Vorderer Vorsatz verso mit umfangreichen handschr. Einträgen zu Autor und Buch in englischer Sprache, von gleicher Hand auf Titel recto Besitzereintrag, datiert "New York 1865". Am unteren Rand des Titels weiterer - älterer - Besitzername. Vorderer Spiegel recto mit dickerem Tintenbalken, auf die Rückseite durchschlagend (dadurch eine Zeile des handschr. Eintrags nur unvollständig lesbar). Durchgehend leicht gebräunt, an den Rändern stock- und fingerfleckig; letztes Bl. verso angeschmutzt. Censimento 16, CNCE 55230 (mit nur zwei gesicherten Exx. in Italien; versehentlich Latein als Sprache angegeben); IA 153.965; Camerini/Decia/Delfiol 87; Hoffmann I, 576; Adams D 519; BMSTC (Italian Books) 217; nicht bei Legrand.

Best. Nr.: 618   5500,00 EUR

[Griech. Literatur, Patristik, Mystik, Giuntinen]

DIONYSIOS Periegetes - POMPONIUS MELA - (Pseudo-)AETHICUS - SOLINUS.
Dionysii Alex(andrini) et Pomp(onii) Melae Situs orbis descriptio. Aethetici Cosmographia. C.I. Solini Polyistor. I Dionysii poematium Commentarii Eustathii : Interpretatio eiusdem poematii ad verbum, ab Henr. Stephano scripta...In Melam Annotationes Ioannis Oliuarii...

(Genf), Henricus Stephanus 1577. 4°. (4) Bll., 158 Ss., (8) Bll.; (4) Bll., 47 Ss., (1) S. (weiß); 152 Ss. Mit Holzschnitt-Druckermarke. Flexibles Pergament d. Zt. (stark gebräunt, fleckig, Rücken mit kleinem Einriss) mit handgeschr. Rückentitel und Rückenschildchen mit Bibliotheks-Signatur; ohne die Bindebänder. 1547 war eine Dionysius-Edition bei Robert Estienne in Paris erschienen, die in der vorliegenden durch seinen Sohn erheblich erweitert wurde; in der Zusammenstellung mit Mela und Solinus erste Ausgabe (der Eustathius-Text erschien erstmalig in der R..-Estienne-Ausgabe 1547, die Kosmographie des Pseudo-Aethicus ist häufiger mit Dionysius in einer Ausgabe vereinigt gewesen). Dionysios Periegetes stammt aus Alexandrien und verfasste seine Orbis descriptio unter Hadrian. Diese Geographie in Versform war bis ins 19. Jahrhundert ein vielgelesenes Werk, die hohe Wertschätzung im Mittelalter zeigt sich z.B. an dem ausführlichen Eustathius-Kommentar. Pomponius Mela schrieb Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christus das älteste erhaltene geographische Werk der Römer; intensiv rezipiert wurde es in der Frührenaissance (Boccaccio, Petrarca). Die unter dem Namen des Aethicus überlieferte Kosmographie stammt wohl von einem Autor des 8. Jahunderts, der der frühkarolinischen Hofgeschichtsschreibung nahegestanden hat. Solinus (3. Jh. n. Chr.) schließlich verfaßte eine eng an Plinius angelehnte Sammlung von Merkwürdigkeiten. Vorderer Spiegel mit wiederholter Laßberg-Bibliothekssignatur, vorderer Vorsatz mit handschr. Besitzereintrag der Laßberg-Bibliothek und weitere Eintragungen zu Inhalt und bibliographischen Fundorten. Durchgehend mäßig gebräunt, die äußersten Ränder etwas stockfleckig, sonst sauber. Renouard/Est. 145, 5; Hoffmann I, 592; Schweiger I, 101; Chiax/Dufour/Moeckli S. 89; Adams D 648; IA 154.294.

Best. Nr.: 605   3420,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Antike, griechische Literatur, bedeutende Provenienzen]

EMILIO, Paulo ( = Aemilius, Paulus).
Historia delle cose di Francia, raccolte fedelmente...

Venedig, M. Tramezzino 1549. Gr.-8°. (28), 354, (2) Bll. Mit 2 verschiedenen Druckermarken (auf Titel und letztem Bl. verso). Pergament d. Zt. (fleckig). Erste Ausgabe der italienischen Übersetzung dieser Geschichte Frankreichs von den Anfängen bis zu Karl VIII. (d.h. bis zum Ende des 15. Jahrhunderts). Exlibris. Durchgehend etwas gebräunt, leicht wasserrandig oder fingerfleckig (besonders an den Rändern; Ränder stellenweise mit papierdefekten (ohne Textberührung). IA 100.829 (mit insg. 3 Exx.!!); BMSTC (Italian Books) 7.

Best. Nr.: 174   1200,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

 

EPIGRAMMATUM GRAECORUM libri VII
(= Anthologia Graeca). Annotationibus Joannis Brodaei Toronensis illustrati. Quibus additus est in calce operis rerum acuocum explicatarum Index diligentissimi conscriptus.

Basel, (Hieronymus) Froben (und Nicolaus Episcopus) 1549. Folio. (4) Bll., 627 Ss., (1) S. (weiß), (10) Bll. Mit zwei gleichen Holzschnitt-Druckermarken. Blindgepr. Schweinsleder d. Zt. über Holzdeckeln (leicht gebräunt, fleckig, etwas berieben, eine Ecke bestoßen), mit handgeschriebenem Rückentitel und einer (von zwei) intakten Schließen. Seltene erste Gesamtausgabe der griechischen Epigramme im deutschen Sprachraum, herausgegeben von S. Gelenius, kommentiert von Jean Brodeau. Die Sammlung mit griechischen Epigrammen, die "Anthologia Graeca", ist im 9. Jahrhundert in Konstantinopel durch den Hofgeistlichen Konstantinos Kephalas angelegt worden; der konnte sich dabei auf verschiedene ältere Sammlungen stützen. Ca. 100 Jahre später wurde sie überarbeitet und erheblich erweitert, 1299 dann durch den Mönch Maximos Planudes, ebenfalls in Konstantinopel, wieder gestrafft. In dieser letzteren Form st sie im 15./16. Jh. gedruckt worden. Die erweiterte Fassung von 980 wurde erst um 1600 in einem Manuskript in der Palatina wiederentdeckt; auf ihr basieren die neueren Ausgaben. Unser Text enthält die Epigramme im originalen Griechisch, Brodeaus Kommentar in lateinischer Sprache. Die Prägung des gut erhaltenen und von restaurierenden Eingriffen freien Einbandes ist auf Vorder- und Rückendeckel ähnlich angelegt, aber nicht gleich. Auf dem VD folgt auf ein schmales rechteckiges Feld mit floralen Einzelstempeln eine Rolle, bestehend aus Kreuzigung (Unterschrift: SALUS NOSTRA) - Opferung Isaaks (ABRAHAM Cr) - Auferstehung (SA JUSTIFICA) - eherne Schlage (AENEAS SERPE). Es folgt ein schmales Rechteck mit floralen Einzelstempeln, nach außen schließt sich ein doppelter Palmettenfries an. Der RD trägt diesen Fries in der Senkrechten einfach, waagerecht auch doppelt, nach innen folgt die Rolle mit Kreuzigung etc.wie auf dem VD, oben und unten eingefasst von einer schmalen Leiste mit den floralen Einzelstempeln, weiter nach innen ist eine Rolle mit 4 Köpfen in ovalen Medaillons abwechselnd nach rechts und links blickend mit Blattwerk in einer Vase und Engelskopf eingeprägt; diese umschließt ein rechteckiges Innenfeld mit floralen Einzelstempeln. Kyriss weist beide Rollen (Kreuzigung etc. bzw. Köpfe) dem Stuttgarter Binder Konrad Kühne zu (Nr. 17 bzw. 5), fügt aber - für unseren Band unzutreffenderweise - hinzu, Kühne habe "als einziger Stuttgarter Binder dieser Zeit ... keine Palmetten" verwendet. Haebler führt beide Rollen bei denen des Stechers "NP" auf und schreibt, die erste habe sich "in den Händen eines Stuttgarter Buchbinders" befunden (I, 344, 19 bzw. 26), die zweite gehört für ihn auch zum Arsenal K. Kühnes (I, 244,5). I. Schunke stellt in ihrem Aufsatz über den Stecher NP nur monogrammierte Platten und Rollen zusammen, die unseren fehlen also.Für sie ist der Tübinger Wolf Conrad Schwickart ein Hauptabnehmer von den Produkten des "NP"(S. 140); Haebler führt ihn als Wolf Conradus unter "W.C." (I, 84), Schunke erwähnt Kühne nicht bei den Stuttgarter "NP"-Kunden. Kyriss nennt konsequenterweise beide Rollen nicht unter Schwickart (Schweicker), und bei Schmist findet man auch nichts Klärendes. Die EBDB folgt im Wesentlichen I. Schunke und beruft sich auf ihre Zuweisung (r001513). Die Köpfe-Rolle unseres Einbandes gibt es dort unter Schwickart (w002973) nicht, ob der Palmettenfries mit denen in der EBDB abgebildeten identisch ist, lässt sich auf Grund der schlechten Abbildungsqualität nicht sagen. Eine zweite Werkstatt, die die Rolle mit Auferstehung etc. verwendet hat, ist die Friedrich Zieglers in Augsburg (w004037). Bei ihm listet die EBDB auch unsere Köpfe-Rolle auf (EBDB r003446), einen floralen Einzelstempel (s033057), den Palmettenfries (r004393, als doppelter abgebildet). Haebler setzt seine Tätigkeit ab 1553 an und verweist auf seine Beziehungen nach Stuttgart, nämlich dass er in seinen frühen Jahren 4 Kellerei-Rechnungen für die Landkammer in Stuttgart gebunden habe. Auf Grund des Druckdatums könnte unser Band also in seiner frühen - vielleicht Stuttgarter - Zeit, gebunden worden sein (der in der EBDB angegebene nur zweijährige Tätigkeitszeitraum muss fehlerhaft sein). Schunke zählt ihn sowieso zu den Kunden des "NP"-Meisters.

Literaturzusammenstellung

I. Zu Konrad Kühne, Stuttgart

I.1. Haebler, K.: Rollen - und Plattenstempel... Bd. I, S. 244.

I.2. Haebler, K.: Stuttgarter Buchbinder im XVI. Jahrhundert. In: Jahrbuch der Einbandkunst 1 (1927), S. 80 - 86, hier: S. 81 ff.).

I.3. Kyriss, E.: Stuttgarter Buchbinder der Renaissance-Zeit 1540-1630. In: Zentralblatt für Bibliothekswesen Jg. 27 (1953), S. 173 - 191; hier: S. 180 ff.). I.4. Nicht in EBDB.

II. Zu Wolf Conrad Schickart, Tübingen

II.1. Haebler, K.: Rollen- und Plattenstempel ... Bd. 1, S. 84 (unter "W.C.").

II.2. Schmidt, A.: Zur Geschichte deutscher Buchbinder im 16. Jahrhundert. In: Schunke, I. (Hg.), Beiträge zum Rollen- und Platteneinband im 16. Jahrhundert. Leipzig 1937. S. 1-109; hier: 102 - 106.

II.3. EBDB w002973.

III. Zu Friedrich Ziegler, Augsburg

III.1. Haebler, K.: Platten- und Rollenstempel ... Bd. I, S. 510 ff.

III.2. Kyriss, E.: Beiträge zu Augsburger Buchbindern. In: Schunke, I. (Hg.), Beiträge zum Rollen- und Platteneinband im 16. Jahrhundert. K. Haebler zum 80 Geburtstag ... gewidmet. Leipzig 1937. S. 134 - 164, hier: S. 159 ff. (= Sammlung Bibliothekswissenschaftlicher Arbeiten 46. Heft).

III.3. EBDB w004037.

IV. Zu dem Stecher "NP"

IV.1. Haebler,K.: Rollen- und Plattenstempel ... Bd. I, S. 337 ff.

IV.2 Schunke, I.: Studien zum Bilderschmuck der deutschen Renaissance-Einbände. Wiesbaden 1959, S. 88 ff.

Vorderer Vorsatz mit handschr. Besitzervermerk ("Gotter, Leipzig") und - von gleicher Hand - einem Lob auf Brodeaus Kommentar. Durchgehend leicht gebräunt, wenige Bll. papierbedingt stärker; minimal fleckig. Erste Bll. mit Wurmspur im obereb weißen Rand. Hervorragend erhaltenes Exemplar im originalen Zustand. IA 125.229; VD16 E 1639; Adams E 245 und A 1184; Hoffmann I, 168 ("Wegen des gelehrten Kommentars geschätzte und gesuchte Ausgabe); Schweiger I, 30; Hieronymus Griech. Geist 302; BMSTC (German Books) 367; Ebert 684.

Best. Nr.: 634   2700,00 EUR
zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Historische Einbände, griechische Literatur]

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Geschichte, Frankreich, italienische Literatur, Erstausgaben]

EUKLID
Die Sechs Erste Bücher...Vom anfang oder drund der Geometrj. In welchen der rechte grund niet allain der Geometrj (versteh alles kunstlichen / gwisen / vnd vortailigen gebrauchs des Zirckels / Linials oder Richtscheittes vnd anderer werckzeüge / so zu allerlaj abmessen dienstlich) sonder auch der fürnemsten stuck vnd vortail der Rechenkhunst fürgeschriben vnd dargethan ist. Auß Griechischer sprach in die Teütsch gebracht / aigentlich erklärt / Auch mit verstendlichen Exempeln gründlichen Figuren / und allerlaj den nutz für augen stellenden Anhängen gezieret / Dermassen vormals in Teütscher sprach nie gesehen worden...Durch Wilhelm Holzmann genant Xylander von Augsburg.

Basel, J. Kündig für Oporinus 1562. Kl.-folio. (8) Bll. (das l. weiß; von 12: wie meist ohne die 4 Bll. Druckfehler); 185 Ss., (1) S. (weiß). Mit zahlreichen Holzschnitt-Diagrammen. Vorgeb.: HERLIN, Christian: Analyseis geometricae sex librirum...Primi et quinti factae a Christiano Herlino: Reliquae una cum commentariis, & Scholiis perbrevibus in eodem sex libros Geometricos: a Cunrado Dasypodio...(Straßburg), J. Rihel 1566. Kl.-folio. (4) Bll., XCVIII Bll., (2) Bll. (letztes weiß). Mit zahlreichen Holzschnitt-Diagrammen. Moderner Schafslederband (etwas berieben, Rücken an den Kapitalen geringfügig eingerissen). I: Erste vollständige deutsche Ausgabe der sechs planimetrischen Bücher der "Elemente". II: Erster Druck der analysierende Zusatzausgabe zu der 1665 von Dasypodius veranstalteten Edition der "Elemente". I: Nachdem 1532 eine an Euklid angelehnte deutschsprachige Einführung in die Geometrie von Wolfgang Schmid erschienen war (1539 wieder aufgelegt), hatte Otmar in Augsburg 1555 als Ergänzung dazu eine erste deutsche Teilübersetzung der Bücher 7-9 der "Elemente" herausgebracht.Ihr schließt sich die vorliegende vollständige Ausgabe der Bücher 1-6 an, gleichzeitig in Augsburg und Basel erschienen. II: Ab 1564 gab Conrad Rauchfuss (Dasypodius) in Straßburg eine griechisch-lateinische Parallelausgabe des Euklid heraus, die die Zamberti-Faber-Ausgaben fortsetzt. Sie waren bestimmt für den Mathematikunterricht in den oberen Klassen des von J. Sturm gegründeten Straßburger protestantischen Gymnasiums, das 1567 zu einer Akademie mit Promotionsrecht und im 17. Jahrhundert zur Universität ausgebaut wurde (s. Steck S. 70); von Johannes Sturm(ius) stammt ein kurzer Vorspruch an den Leser (Titel verso). Exlibris. Buchblock gebrochen. Neue Vorätze (vorderer leimschattig und lose, hinterer angeschmutzt), hinterer alter erhalten (wasserrandig und angeschnutzt). I: Erste Lage in Rot und Schwarz gedruckt. Durchgehend leicht gebräunt, letztes Bl. wasserrandig; vereinzelte alte Marginalien. Unwesentlich fleckig. II: Titel stärker gebräunt und lose, mit Randschäden, sonst durchgehend leicht gebräunt, hin und wieder etwas fingerfleckig (v.a. erste Bll. und letztes weißes), vereinzelte alte Marginalien und Randanstreichungen. I: Thomas-Stanford 36; Steck III, 63; Riccardi (Euclid) 419; Smith 11; Hieronymus/GG 186; VD16, E 4169; Adams E 1017; BMSTC (German Books) 288. II: Thomas-Stanford 16 (Koll. ungenau); Steck III, 74; Riccardi (Euclid) 421; Rott (Sturm) 96; VD16, E 4150; Ritter 1142; Muller 513; Adams E 1015; BMSTC (German Books) 288 (fälschlich auf 1564 datiert).

Best. Nr.: 137   6900,00 EUR

 

[Inkunabeln, historische Einbände, Alte Juristerei]

[Antike, griechische Literatur, Mathematik]

FROISSARD (Jean) - COMINES, Philippe
Duo Gallicarum rerum scriptores nobilissimi. Frossardus in brevem historiarum memorabilium Epitomes contractus : Philippus Cominaeus de reb. Gestis a Ludovico XI, & Carolo VIII, Francorum regibus...(hg. und übersetzt von Johannes Sleidanus).

Frankfurt, A. Wechel, Cl. de Marne, J. Aubry Erben 1594. Kl.-8°. 951 Ss., (73) Ss. Pergament d. 17. Jahrhunderts (gebräunt, etwas fleckig) mit Rückenbeschriftung; Bindebänder fehlen. Sleidanus (1506 - 1556) bietet in dieser Schrift ins Lateinische übersetzte Auszüge aus den "Chroniques" des Jean Froissard (ca. 1337 - ca. 1410), die das bedeutendste Geschichtswerk aus der Zeit des Hundertjährigen Krieges darstellen und im Original erstmals um 1495 bei Verard in Paris erschienen waren, sowie aus den "Memoires" des Philippes Commynes (kurz vor 1447 - 1511), die den Zeitraum von 1464 - 1498 behandeln (Erstdruck im Original: 1524 bzw. 1528) und als das erste Beispiel moderner politischer Geschichtsschreibung gelten und zugleich einen Leitfaden politischen Handelns darstellen; den ersten Teil der "Memoires" ergänzt Sleidanus durch die "Illustratio rerum et Galliae descriptio". Vorderer Spiegel mit Ex-libris einer Adelsbibliothek. Vorderer freier Vorsatz mit geklebtem Einriss und Wurmlöchern im Falz, letztere auch beim vorderen Spiegel. Durchgehend leicht gebräunt (äußere Ränder etwas stärker), sonst unwesentlich fleckig. Schnitt angestaubt und mit kleinen Braunflecken. VD 16, C 4639 und F 3103; v. d. Vekene (Sleidanus) F/a 028; Adams F 1074; BMSTC (German Books) 324.

Best. Nr.: 146   400,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

 

FULGENTIUS von RUSPE: Opera...in vetustißimo codice conscripta, nuper apud Germanos inventa ... nunc denuo impressa. Item opera MAXENTII JOHANNES, pulcra vetustatis monumenta, in eodem codice reperta.

  1. Köln, Alopecius für Hittorp 1526. Zwei Werke in 1 Bd. 8°. 4 Bll., (1) S., 414 Ss., (1) S. (weiß); 3 Bll., 148 Ss. Mit zwei Holzschnitt - Titelbordüren von Anton Woensam v. Worms (Merlo, A.v.Worms, 436 und 427 mit einer Leiste aus 430; Merlo kennt die vorliegende Ausgabe nicht, sein Beleg für die erste Einfassung ist deutlich später) und zahlreichen figürlichen Holzschnitt - Initialen. Schweinslederband wohl aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts mit reicher Blindpressung und Monogramm über Holzdeckeln (etwas berieben und fleckig, Ecken bestoßen, Rücken mit grauer Ölfarbe übermalt) mit handschriftlichem Rückentitel; zwei ziselierte Schließen. Zweite Ausgabe. Die Texte der beiden lateinischen Kirchenschriftsteller des 5./6. Jahrhunderts beruhen auf Manuskriptfunden Pirckheimers im Nachlaß Trithemius' und wurden von ihm und J. Cochläus herausgegeben:Iin der Erstausgabe von 1520 wie in der vorliegenden zweiten firmiert Pirckheimer als Herausgeber der Fulgentius-Werke, Cochläus als Editor der Schriften des Maxentius. V.a. Fulgentius (467 - wahrscheinlich 532 n. Chr), aus karthagischem Adel stammend und ab 507 Bischof in Ruspe/Tunesien, zählt zu den wichtigen Theologen des 5./6. Jahrhunderts ("einer der hervorragendsten Schriftsteller der lateinischen Kirche um 525" (Pauly 8, 214(). Seine Schriften gegen arianische und pelagianische Gegner des Augustinus waren so wirksam, daß Petrus Lombardus in seinem Sentenzenkommentar Fulgentius' Hauptwerk "De fide ad Petrum" unter Augustinus' Namen zitiert. Ihre Wirksamkeit entfalteten die Schriften des Fulgentius zunächst v.a. in Spanien (Isidor v. Sevilla erwähnt ihn in "De viris illustribus"), dann aber auch in Italien und Mitteleuropa. Immer, wenn Fragen wie die einer Prädestinationsanschauung virulent waren, standen die Schriften des Bischofs aus Nordafrika im Zentrum der Diskussion (z.B. bei Hinkmar v. Reims, bei den Jansenisten etc.). Der schöne und außerordentlich gut erhaltene Einband trägt auf dem Vorderdeckel eine Platte mit dem Wappen Kursachsens; sie ist umgeben von einer Rolle mit Krieger- und Caesarenköpfen (mit Helm bzw. Lorbeerkranz), die durch Vase und Blattwerk voneinander getrennt sind. Der Rückendeckel zeigt die gleiche Rolle, diesmal umgibt sie eine Platte mit dem Wappen Brandenburgs. Beide Patten sind mit "G G" monogrammiert. Haebler (I, 142/3) weist dieses Monogramm einer um 1560-1580 tätigen Binderei zu, Rabenau (Nr. 32) setzt sie in den UMKREIS JAKOB KRAUSES und in die Region Brandenburg. Die Rolle hat Rabenau abgebildet und beschrieben, die Brandenburg-Platte ist bei Rabenau erwähnt, die Kursachsen-Platte bei Haebler. Die Einbanddatenbank führt die Werkstatt unter w 000471 an, kennt aber die bei unserem Einband verwendeten Platten und Rollen nicht. Vordergelenk angerissen. 1. Titel mit Namensstempel und ergänztem Blattfehlstreifen unten (weder Titeleinfassung noch Text tangiert), gegen Ende des 2. Textes leichter Wasserrand. Durchgehend ganz gering gebräunt und unbedeutend fleckig (1. Titel etwas mehr). Insgesamt ein sauberes Exemplar in einem attraktiven und außerordentlich gut erhaltenen Einband. VD 16, F 3356; BMSTC (German Books) 327; Adams F 1137.  [Alte Theologie, historische             Einbände, Jakob Krause]

 

Best. Nr.:  636   1 480,00 EUR  
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[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Theologie, Patristik, historische Einbände]

GELLI, Giovanbatista
La sporta. Comedia.

Florenz, Giunta 1566. Kl.- 8vo. 86 Ss., (1) Bl. (weiß). Holzschnitt - Druckermarke auf Titel. Leder des 18. jahrhunderts (leicht berieben, Rücken lichtrandig). Ein seltener Nachdruck der Giunta-Ausgabe von 1550 (EA: 1543). "Ghiridoro di Macci, demolendo un vecchio casolare, trova una sporta piena di danari. Nel timore che gli venga sottratta, egli cambia continuamente nascondiglio al suo piccolo tesoro. Innamorato, anzi amante della figlia del vecchio e un giovane di belle speranze e di poca moneta, Alamanno Cavicciuoli, nipote di Lapo, ricco ed anziano signore. Proprio Lapo concepisce il desiderio di sposare la giovane, che e in procinto di partorire un figlio all'amante. Ghirigoro accorda, naturalmente, la figlia al vecchio, e in un nuovo accesso di paura cambia ancora posto alla vecchia sporta. Ma questa volta viene sorpreso e Franzino gli porta via il danaro per la gioia sua e del suo padrone. Mentre la ragazza da alla luce un bel maschietto e Lapo rinuncia a lei e alla idea di prender moglie, la sporta ritorna nelle mani del suo ritrovatore per essere immediatamente assegnata come dote alla bella figliola, che diventa la legittima consorte di Alamanno..." (Mango S. 122). Am oberen Rand knapp beschnitten. Titel und letztes Bl. etwas fleckig, sonst durchgehend leicht gebräunt, aber sauber. Decio/Delfiol/Cam. 379; Pettas p. 245; Russo 273; Corrigan p. 44; Clubb 454; Gamba 497; nicht bei Adams und im BMSTC (Italian Books).

Best. Nr.: 168   680,00 EUR

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[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Italienische Literatur, Komödien der Renaissance]

(Gerichtsordnungen - Schenck, Jacob - Stella, Petrus - Zasius, Ulrich)
Gerichts Ordenung und Proceß ietztläuffiger übungen Mit Rechtmässiger deren Gründ und klarer anzeygt in Keyserlichen unnd Geystlichen Rechten.

Straßburg, Christian Egenolff 1530. Kl.-4°. (4) Bll., XLIII Bll., (1) Bl. (weiß). Mit Titelholzschnitt. Erste Ausgabe dieses Textes; von außerordentlicher Seltenheit. (Angeb.:) SCHENCK, Jacob: Gerichts Ordenung wie man formlich in recht Handeln und prozedirn soll vast schön und kurz Neuwlich in geschriefft gestellt und verfast. Aus gemeynem Keyserlichem Rechten geschrieben und gegründet Eynem yeden Leyen vast nützlich...Ettlingen, Valentin Kobian 1530. Kl.-4°. (24) Bll. (das letzte weiß). Holzschnitt-Zierstücke auf Titel. Erste Ausgabe; sehr selten. (Angeb.:) Die LEHENRECHT verteutscht: auch inn eyn newe und richtige ordnung der titel gesatzt und zusamen bracht. Mit erklerung und außlegung etlicher Lateinischer und Welscher wort welch nit füglich inns teutsch haben verändert mögen werden. Mainz, Johannes Schöffer 1530. Kl.-4°. (10) Bll., 125 Ss., (3) Ss. (die letzten beiden weiß). Mit Holzschnitt-Druckermarke Schöffers. Erste Mainzer Ausgabe; selten. (Angeb.:) STELLA, Petrus - ZASIUS, Ulrich: Contenta in hoc libello. Petri Stellae ... interpretatio. l. repetitio. ff. de condict. indebi. Censura Udalrici Zasii ... contra eiusdem Stellae interpretationem dictae. l. repetitio. Apologia Stellae ad eundem Zasium, qua sententiam suam, interpretationemq(ue); tuetur adversus Zasii censuram vel commentum. Explicatio.l. nec quiq § ubi decretum. ff. de officio procon. & lega.&aliquot aliorum locorum in tandem sententiam. Tem interpretatio. l. Papinianus.ff.de publici. in rem actio. &.l.fundi§item si amicus.ff.de acquiren.possess. Paris, Christian Wechel 1528. Kl.-4°. (52) Bll. (4. und letztes weiß). Mit Holzschnitt-Druckermarke. Erste Ausgabe. Selten. (Angeb.:) ZASIUS, Ulrich: ... Defensio Novissima, contra Petrum Stellam ... iure & retione plus q nocesse erat, confirmata... Freiburg, Johannes Faber 1530. Kl.- 4°. (8) Bll. Mit Holzschnitt-Druckermarke. Erste Ausgabe; selten. Noch im gleichen Jahr erschien die 2. Ausg. bei Wechel in Paris (zur Reihenfolge s. Moreau/Ren. III, 2322). Holzdeckelband d. Zt. mit breitem blindgeprägtem Schweinsleder-Rücken (berieben, etwas fleckig, Bezugsdefekte an Kopf und Fuß des Rückens restauriert); handgeschr. Rückentitel, Reste von zwei Schließen. Der Sammelband enthält drei seltene land- und lehnsrechtliche Texte - so bietet der Schöffer-Druck eine Übersetzung lehnrechtlicher Teile des Sachsenspiegels - und in den beiden letzten Anbindungen dokumentiert er eine damals europaweit diskutierte Streitfrage mit ersten Publikationen. Diese Kontroverse zwischen Ulrich Zasius und dem zu der Zeit in Orleans lehrenden Stella (d.i. Pierre Taisant de L'Etoille) behandelt die schon in der Spätantike aufgeworfene Frage, ob etwas zurückgefordert werden kann, wenn ein Gläubiger das ihm Zustehende erhalten hat, aber von jemandem, der nicht sein Schuldner war. Zasius plädierte dafür, dass eine in diesem Sinn irrtümlich erbrachte Leistung vom Empfänger, nicht vom wirklichen Schuldner zurückerstattet werden müsste - ein Beispiel dafür, wie sehr ihm die Handhabbarbeit juristischer Lehrsätze am Herzen lagen. Berühmte Juristen der Zeit waren in den Disput involviert, so Buddaeus und Alciati (Details bei Fleischer, Freiburg 1966). Jahrhunderte lang war Zasius' Auffassung in der Rechtsprechung in Deutschland herrschend gewesen, seit 1961 weicht der BGH von ihr ab (s. Kleinheyer/Schröder S. 457). Der gut erhaltene Einband zeigt auf Vorder- u d Rückendeckel je drei senkrecht nebeneinandergesetzte Blattwerksrollen (die mittlere verschieden von den beiden äußeren), die oben und unten auf ein waagerechtes Feld stoßen, das je mit einem Einzelstempel (Blattwerk) besetzt ist. Provenienz: Sammlung Nestle-John (eine der bedeutendsten Sammlungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts); Versteigerung J. Baer, Frankfurt, am 6. 10. 1931; seitdem durchgehend in Privatbesitz. Vorsätze fehlen. Vorderer Spiegel mit Kaufvermerk aus Speyer: " Emptus Spyrae Anno (15)30"; Titel mit Besitzvermerk ("Heinrich Mahler"). Durchgehend leicht gebräunt, untere äußere Ecke wasserrandig (in der 2. Hälfte abnehmend, bei den letzten Bll. wieder stärker). Stellenweise braunfleckig, bei einem Bl. dadurch Buchstabenverlust. I: VD 16, G 1490 (1 Ex. im Besitzstandsverzeichnis); Benzing (Egenolff) 32 (zitiert unser Exemplar); Benzing (Strasbourg) 695 (mit 3 weiteren Exx.); Muller (Strasbourg), Chr. Egenolff 40; BMSTC (German Books) 343; nicht bei Adams. Über den KVK waren insgesamt 5 Exx. ermittelbar. II: VD 16, S 2580 (mit 2 vollst. Exx. im Besitzstandsverzeichnis); nicht bei Adams. KVK: 5 Exx. III: VD 16; D 727 (6 Exx. im Bestandsverzeichnis; Roth (J. Schöffer) 134; nicht bei Adams und im BMSTC (German Books). KVK: 2 weitere Exx. IV: Moreau / Ren. III, 1541 (mit nur 2 Referenzexx.); Fleischer S. (3); nicht bei Adams und in BL. KVK: 3 Exx. ermittelbar. V: VD 16, Z 138 (mit 4 Exx. im Besitzstandsverzeichnis); Fleischer S. (5); nicht bei Adams und im BMSTC (German Books). Über den KVK konnten insgesamt 5 Exx. ermittelt werden.

Best. Nr.: 193   7400,00 EUR

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Kanonisches Recht, Corpus iuris canonici, Postinkunabeln, historische Einbände]

Gratian (Gratianus)
Decretum aureum ... cum suo apparatu...

Paris, Tilman Kerver und J. Petit, Lyon, J. Schabeler 1510. 4°. 582 röm. numm. Bll. (letztes Bl. fälschlich mit "CCCCLXXXII" nummeriert), (45) Bll. Mit Holzschnitt-Druckermarke Kervers (Ren. Nr. 499) und drei Textillustrationen (zwei in Metallschnitt; Gratian im Kreis der Kirchenväter, Stammbäume), davon 2 blattgroß. Blindgeprägtes Schweinsleder d. Zt. über Holzdeckeln (berieben, nachgedunkelt und fleckig, Kratzspuren, Ecken und Kanten stellenweise mit kleinen Bezugsdefekten, Kapitale mit Läsuren, auf VD einzelne Teile der Prägung geschwärzt) mit aufgeprägtem Titel "decretum" (Prägung geschwärzt), zwei Schließenhafte. Eine seltene Ausgabe dieses ersten Teils des Corpus iuris canonici. Hg. von J. Chappuis, mit den Kommentaren des Bartolomeo de Brescia und des Guido de Baysio. Nach 1508 zweite Ausgabe bei Kerver / Petit / Schabeler, danach mehrfach wieder aufgelegt. Dem Text der Decretalen folgen 2 Bll. "Canones penitentiales" und 1 Bl. mit der Vita des Gratian, beide ohne Lagensignaturen, aber im Titel als Teil dieser Ausgabe bezeichnet. Biographisches ist über Gratian (Ende 11. Jh. - um 1150) so gut wie nichts zuverlässig überliefert, lediglich die allgemein um 1140 angesetzte Entstehung des Decretum wird mit ziemlicher Sicherheit nach Bologna gelegt; dort muss sich Gratian demnach einige Zeit seines Lebens aufgehalten haben. "Das Decretum Gratiani ist die wichtigste Sammlung des mittelalterlichen Kirchenrechts und zählt als Ausgangspunkt des europäischen kanonischen Rechts zu den bahnbrechenden Pionierarbeiten der Rechtswissenschaft" (Kleinheyer/Schröder S. 165). Es versteht sich als Quellensammlung geltenden Kirchenrechts und zielt darauf ab, Widersprüche in der Rechtstradition so aufzulösen, dass eine geschlossene Darstellung des kanonischen Rechts erfolgen kann (s. Kleinheyer/Schröder a.a.O.). Gratian nahm dabei eine Dreiteilung vor: Ein erster Teil enthält allgemeine Rechtssätze (distinctiones), ein zweiter fingierte Rechtsfälle (causae) und Rechtsfragen (quaestiones). Im dritten Teil ist das Sakramentenrecht dargestellt (s. Merzbacher in HRG I, Sp. 638). Noch im 12. Jahrhundert wurde das Decretum nicht unerheblich erweitert, Gratians Anteil sieht man heute auf die beiden ersten Teile (ohne den Abschnitt ?De penitentia?) beschränkt (s. Kleinheyer/Schröder). Man geht davon aus, dass das Decretum schon zu Gratians Lebzeiten in der päpstlichen Kanzlei benutzt worden ist, und es hat sich als unmittelbar geltendes Kirchenrecht etabliert; in dieser Funktion nahmen es die Päpste Gregors IX. und Gregors XIII. in ihre amtlichen Corpus-Ausgaben auf, und erst 1918 wurde der durch den Codex iuris canonici abgelöst, in der evanglischen Kirche ist das Decretum Gatiani nie als Quelle des Kirchenrechts außer Kraft gesetzt worden. Der recht gut erhaltene Einband ist ein Werk des BLUMENSTOCK- (Kyriss) / Blumentopf- (v. Rabenau in S-S II) MEISTERS (EBDB w000110), dessen Werkstatt in HEIDELBERG angesiedelt wird. In S-S II (S. 114) findet man zusätzliche Informationen: "Der Blumentopf-Meister ist einer der beiden weltlichen Buchführer, die 1525 an der Universität vereidigt wurden, und gehört in die Postinkunabelzeit." Letzteres findet seine Bestätigung in der Tatsache, dass alle datierten Drucke in der Palatina, die er eingebunden hat, nach 1500 hergestellt wurden. Kyriss (Bd. 1, S. 117) allerdings führt auch eine Reihe von Inkunabeln, die unser Meister eingebunden hat, an (wobei das Druckdatum natürlich noch nichts über ein Bindedatum aussagt), aber die Einbanddatenbank gibt als Tätigkeitszeitraum entsprechend "um 1476 bis 1528" an. Literatur zum Blumenstock-Meister: Kyriss Nr. 142; S-S II, S. 114; Schunke (Palatina) S. 11 + Abb. II; Spandel-Krafft (Würzburg) S. 86, Bibl. Palatina I, S. 513. Die Einbanddatenbank fasst die Blumenstock-Werkstatt und Kyriss 147 (Figurenblütenrolle II) zu einer Gruppe zusammen und referiert Überlegungen, K 147 nach Straßburg zu legen, gibt aber als Ort für diese Werkstattgruppe weiterhin Heidelberg an. Zu der Lokalisierung von K 147 nach Straßburg s. a. M. Laird in: Bulletin du bibliophile 1998, Nr. 1, S. 7-14. Er beschäftigt sich nicht mit der Frage nach einer Zusammenfassung von K 142 und K 147. Vorderdeckel: Auf eine umlaufende großenteils leere Randleiste (im oberen waagerechten Feld ist der Titel "decretum" aufgeprägt) folgt eine Rankenrolle (Akanthus EBDB r000448= Kyriss Nr. 4 = S-S Laubstab 244), auf sie wieder ein leerer Rahmen, der mit Gehrungslinien versehen ist; ein inneres Feld zeigt Rautengerank, zusammengesetzt aus Stempeln EDBD s009147 (= Kyriss Nr. 6, nicht bei S-S) und gefüllt mit einem Blütenstauden-Stempel (EBDB s009157 bzw. s009192 = Kyriss Nr. 1, nicht bei S-S).Letzterer wird - waagerecht liegend - in den waagerechten Feldern des inneren Leerrahmens wiederholt. Im innreren Bereich (innerer Leerrahmen und inneres Feld) sind alle Schnittpunkte mit kleinen Rosettenstempeln besetzt (Gehrungs- und waagerechte / senkrechte Streicheisenlinien, Streicheisenlinien - äußerste seitliche Ausbuchtungen des Rautengeranks, obere und untere Spitze des Rautengeranks), sie finden sich auch vor und hinter dem Titel (EBDB s009160 = Kyriss Nr. 7, nicht bei S-S, bzw. EBDB s009158 = Kyriss Nr. 5, nicht bei S-S). Die Rosetten, die beiden waagerecht liegenden Blütenstauden und die Titelprägung sind mit Rauschel (einem silberversetzten Gold) eingefärbt worden (vgl. Schunke / Palatina S. 11), das im Laufe der Zeit - wohl durch Oxidation - schwarz geworden ist. Die Bundstellen sind mit einem rhombischen Stempel - dem Blumenstock -markiert (EBDB s009144 = Kyriss Nr. 3 = S-S, Blattwerk 673) - damit "folgt er dem charakteristischen Heidelberger Brauch" (Schunke / Palatina S. 11); die Verwendung von Rauschel führt sie auf oberrheinische Einflüsse zurück (ebda.). Rückendeckel: Auf den äußeren Leerrahmen folgt die umlaufende Akanthus-Rolle, die jetzt ein größeres Mittelfeld einfasst, das durch diagonal verlaufende zwei- und dreifache Streicheisenlinien in rautenförmige Felder eingeteilt ist; in die vier ganz vorhandenen Felder ist je ein größerer Rosettenstempel gesetzt (EBDB s009159 = Kyriss Nr.2, nicht bei S-S); die Schnittpunkte der Streicheisenlinien tragen wieder die kleinen Rosettenstempel, und die Bundstellen sind markiert wie auf dem Vorderdeckel. Rücken: Er ist durch drei Doppelbünde in vier Felder geteilt; im oberen und unteren Feld finden sich die Rosettenstempel wieder, in den beiden mittleren die Blattwerkstempel liegend zusammen mit einem der kleinen Rosettenstempel. Provenienz: Seit Beginn des 20.Jahrhunderts durchgehend in Privatbesitz. Vorderer Vorsatz und erste Lage neu eingefalzt. Beide Spiegel und vorderer Vorsatz recto mit umfangreichen Eintragungen vom mehreren, teils zeitgenössischen, teils etwas späteren Händen, mitunter umfangreiche Marginalien von alter Hand. Titel recto ebenfalls an den weißen Rändern mit umfangreichen Einträgen, darunter zwei Besitznotierungen. Am unteren weißen Rand ist ein fünfzeiliger Eintrag alt gestrichen. Durchgehend leicht gebräunt und - v.a. an den Rändern - etwas finger- oder wasserfleckig, 1 Bl. stark braunfleckig. Immer wieder kleinere restaurierte Einrisse im Papier (so gut wie kein Textverlust). Letztes Blatt mit größerer restaurierter Fehlstelle (ca. 4 x 2 cm /Textverlust). Hinterer Vorsatz fehlt. Moreau / Ren. I, 1510:65; nicht bei Adams.

Best. Nr.: 635   4500,00 EUR
zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Historische Einbände, Heidelberger Einbände, Juridica. Juristerei, Kirchenrecht, Corpus iuris canonici]

 

HERODIANUS: (Griech.:)Historion biblia e. Marci filio ad Maximum usque & Albinum Imperatores, historiarum lib. VIII.

Basel, Joh. Walder (um 1535). 16°. (1) Bl., 441 Ss. Blindgepresstes Kalbsleder d. Zt. über Holzdeckeln (stärker berieben, bestoßen, größere Fehlstelle am Rücken und an 1 Ecke des Vorderdeckels [ergänzt]), Rückenschild mit handschriftl. Signatur (aus der Bibliothek Josephs von Laßberg), zwei ziselierte Messingschließen. Vierte Ausgabe des griechischen Originaltextes, die erste Baseler. Herodianus (geb. um 180 n. Chr.) stammte möglicherweise aus dem syrischen Antiochia. Seine Geschichte umfaßt den Zeitraum von 180 (Tod des Marc Aurel) bis 238 n. Chr. (Alleinherrschaft Gordians III.). Wichtig ist er v.a. wegen seines Einflusses auf die römischen Geschichtsschreiber des 4. nachchristl Jahrhunderts (Aurelius Victor, Amm. Marcellinus, Eutropius) sowie auf die Historia Augusta. Der Einband zeigt auf beiden Deckeln je ein sächisches Fürstenportrait: vorn Kurfürst Johann mit dem Untertext Principis hec vvltvs // imitatvr imago Joan(nis) (=Dieses Bild ahmt die Züge des Fürsten Johannes nach) und auf dem Rückendeckel Johann Ernst von Sachsen, dessen Namen im Untertext erscheint; der Text selbst ist aufgrund des Beriebs nicht mehr vollständig zu entziffern. Die vordere Platte ist abgebildet und beschrieben bei v. Rabenau, Bucheinbände der Renaissance, Nr. 12 (hier datiert 1530(, die zweite führt Haebler (I, 266) bei J. Linck unter Nr. X an, mit einem wohl abweichenden Untertext. Linck war anhaltinischer und kursächsischer Hofbuchbinder, datiertes Stempelmaterial gibt es vom ihm lt. Haebler zwischen 1526 und 1547. Trotz des Beriebs sind auf beiden Platten Spuren der ursprünglichen Vergoldung erhalten geblieben. Vorderer Spiegel mit tls. herausgetrenntem Exlibris und handschriftl. Registrierungsvermerken, u.a. die Einstellnummer aus der Bibliothek Laßberg wiederholt. Hinterer Spiegel mit Exlibris einer Adelsbibliothek. Titel mit kleinem handschr. Vermerk und Bibliotheksstempel. Falz und oberer wie unterer Rand tls. wasserrandig, dort anfangs auch etwas sporfleckig. Einzelne Marginalien, erste Bll. angestaubt, ansonsten ein sauberes Exemplar in einem attraktiven Einband mit einer außerordentlich bedeutenden Provenienz. VD 16, H 2495; Hoffmann II, 222; Schweiger I, 136; Hieron/ Griech. Geist 254; Adams H 380; BMSTC (German Books) 399; Ebert 9519.

Best. Nr.: 148   1150,00 EUR

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[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Antike, griechische Literatur, Geschichtsschreibung, Fürsteneinband, historische Einbände]

HERODIANUS
Der Fürtrefflich Griechisch geschicht schreiber Herodianus den der Hochgelert Angelus Politianus inn das Latein und Hieronimus Boner in nachvolgendt Teütsch pracht ...

Augsburg, Heinrich Steiner 1532. Folio. (4), 67 (recte: 70) Bll. Mit Titelholzschnitt (Antonius und Gordianus) von J. Breu d.Ä. nach Burgkmair, 1 Textholzschnitt, Initialen und Zierleisten. Neuer Einband aus hellem Ziegenpergament.

Zweite Steiner-Ausgabe, zugleich zweite deutsche Ausgabe. Der Textholzschnitt stammt vom Petrarcameister. Sehr selten.

Herodianus (geb. um 180 n. Chr.) stammte möglicherweise aus dem syrischen Antiochia. Seine Geschichte umfasst den Zeitraum von 180 (Tod des Marc Aurel) bis 238 n. Chr. (Alleinherrschaft Gordians III.). Wichtig ist er v.a. wegen seines Einflusses auf die römischen Geschichtsschreiber des 4. nachchristl. Jahrhunderts (Aurelius Victor, Amm. Marcellinus, Eutropius) sowie auf die Historia Augusta.

Provenienz: Aus der Adelsbibliothek von Lerchenfeld in Heinersreut.

Das letzte Bl. der Vorstücke mit restauriertem Papierschaden (Text nicht betroffen), Bl. III mit kleinem Einriss im Text, letztes Bl. mit restaurierten Randschäden (Text nicht tangiert). Unter dem Kolophon zwei handschriftl. Einträge: der erste in brauner Tinte von einer frühen Hand ("finis prioris partis libri primi"), der zweite - spätere - in Blei (nicht mehr lesbar). Knapp beschnitten (die gedruckten Marginalien davon betroffen); durchgehend etwas gebräunt und fleckig.

VD 16, H 2504; Hoffmann II, 367; Schweiger I, 137; Goed. II, 319, 6; Musper L 119; vgl. Fairfax-Murray (German Books) 197 (Ausg. 1531); Ebert 9536. Nicht im BMSTC (German Books) und nicht bei Adams.

Best. Nr.: 646   2500,00 EUR
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ISOKRATES.
Pros demonikon parainesis. Tou autos Nikoklea ... basileiao. Tou autou Nikokles e summachikos. Aristidoi romes egkomion.

Venedig, Ravano Erben 1549. 8°. (47) Bll. (von 48: ohne das letzte weiße). Pappband d. Zt. (gebräunt und etwas fleckig). Eine äußerst seltene Ausgabe: Nicht bei Adams, Schweiger und Hoffmann, nicht im BMSTC und nicht in Paris (BN). Sie enthält vier Isokrateische Reden: "An Demonikos" (sie wird in der Regel als unecht angesehen) mit einer relativ losen Sammlung von Mahnsprüchen, "An Nikokles", den jungen kyprischen Fürsten, der wohl ein Schüler Isokrates'gewesen war, "Nikokles" - in dieser Rede wendet sich der Herrscher selbst an sein Volk - und die "Lobrede des Römers Aristidos",- Isokrates (436 -338 v. Chr.) leitet die Epoche ein, in der die griechische Kultur wesentlich durch die Rhetorik geprägt ist. Seine Schule in Athen war von enormer Breitenwirkung, er selbst hat seine Reden allerdings nie öffentlich vorgetragen. Sie wurden vorgelesen oder waren auf die Schriftlickeit hin ausgerichtet. Isoktrates' Skepsis gegen die Philosophie und v.a. gegen jeden Anspruch auf Wahrheit ließ ihn die Fähigkeit zur Formulierung, zum wirkungsvollen Ausdruck hoch schätzen; "Gut reden" und "gut denken" bedingen einander und sind unabdingbare Voraussetzungen für sinnvolles Handeln. - Titel mit kleiner Rasurstelle (Papierausdünnung); erste Bll. und das letzte stärker braunfleckig , ansonsten gleichmäßig leicht gebräunt. Ein noch ordentliches Exemplar dieser Rarität. NUC 272,618 (2 Exx.).

Best. Nr.: 106   820,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Antike, Griechische Literatur, Rhethorik]

JUSTINIAN (JUSTINIANUS)
Justinianischer Instituten warhaffte dolmetschung darinn der großmechtigst Kayser IUSTINIAN den ersten grond geschribner recht hat fürgebildet: durch Orth. Fuchsperger von Ditmoning. Jetztwiderumb fleissig durchsehen uberlesen und gebessert ...

Augsburg, Weissenhorn (1538). Folio. (8), XCI, (9), XIII Bll. (1) Bl. Mit Titelholzschnitt und zwei (wiederholten) blattgroßen Stammbäumen (beide oben und unten leicht angeschnitten) von Jörg Breu. Neuer Pappband (Kiebitzmarmor). Dritter Druck dieser Übersetzung. Selten. Der Stammbaum wird von einer Frau gegossen, während der Mann die Erde umgräbt. Provenienz: Auktion J.Baer, Frankfurt, 7.11.1931, seitdem in Privatbesitz. Neue Vorsätze. Titel mit kleinem Randausriss (restauriert; weder Text noch Illustration tangiert); durchgehend leicht gebräunt, Ränder stock- oder wasserfleckig. VD 16, C 5240 (mit 6 vollst. Exx. im Besitzstandsverzeichnis; über den KVK waren auch nicht mehr Exx. ermittelbar); nicht bei Adams, Schweiger und in BL.

Best. Nr.: 184   2350,00 EUR

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[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Juridica, deutschsprachige Drucke des 16. Jahrhunderts]

JUSTINUS (- FLORUS - RUFIUS)
Historia ex Trogo Pompeio quattuor & triginta epithomatis collecta. Lucii Flori Epithomata quattuor praecultissima in decem Titi Livii decadas. Sexti Rufi consularis viri ad Valentianum Augustum de Historia Romana opus dignissimum.

(Paris), (J. Marchant für) J. Petit (ca. 1509). 8°. (18), 140 röm. pag. Bll., (2) Bll. Mit zwei Druckermarken (Petit [Haebler IV] und Marchant) sowie drei blattgroßen Textholzschnitten (1 Wiederholung), alles in Holzschnitt. Halbleder d. 18. Jahrhunderts (berieben, Ecken bestoßen, VD mit Resten eines Titelschildchens und mit handschr. Nummer) mit goldgeprägtem Rücken und zwei goldgeprägten Rückenschildchen (eines rot, eines grün). Pompeius Trogus hat unter Tiberius sein Hauptwerk, die "Historiarum Philippicarum libri XLIV" verfasst. Die ersten sechs Bücher behandeln Assyrer, Meder, Perser, Skythen und Griechen. In den Büchern 7-40 wird die makedonische Monarchie mit den Diadochenreichen dargestellt, bis sie im römischen Reich aufgehen. Mit dem 41. Buch wendet sich Trogus der Geschichte der Parther zu und führt sie bis zur Rückgabe der Feldzeichen an Augustus im Jahre 20. Ein Rückblick auf die römische Königszeit bricht bei Tarquinius Priscus ab. Es folgen Gallien und Spanien bis zum Sieg des Augustus über die Spanier. Das Makedonenreich bildet das Zentrum, das römische Imperium den Endpunkt von Trogus' Werk; alle örtlichen Entwicklungen münden in die römische. Dieser Aufbau wird besonders auch in den Prologen erkennbar. Überliefert ist Trogus nur durch die Epitome des Justinus und einige Inhaltsangaben. P. Aennius Florus stammt aus Afrika, scheiterte ab 86 n. Chr. und in den 90er Jahren mehrfach bei Dichterwettbewerben an Kaiser Domitian, ließ sich um 100 als Literatur-Lehrer in Tarraco nieder; einen späteren Romaufenthalt schließt man aus freundschaftlichen Kontakten zu Hadrian. Die "Epitome" preist die Größe Roms, indem ein Vergleich der römischen Geschichtsepochen mit den menschlichen Lebensaltern gezogen wird. Geschrieben für eine gebildetete Oberschicht hat es bis ins 19. Jahrhundert, seit der Renaissance als beliebtes Schulbuch, seine Wirkung entfaltet. Festus Rufius (4. Jh. n. Chr.) machte unter Valens politische Karriere, wurde Verwalter von Syrien und 372 Prokonsul von Asia. Sein "Breviarium" der römischen Geschichte beginnt mit einem knappen Überblick über die verschiedenen Epochen bis zur Eroberung der westlichen Provinzen; daran schließt sich eine ausführliche Darstellung der Kriege in Asien an, die zugleich den Hauptteil seines Buches bildet. Eutropius und Florus stellen seine wichtigsten Quellen dar. Provenienz: Versteigerung J. Baer, Frankfurt, 7. Nov. 1932, danach bis Oktober 2005 in Privatbesitz. Durchgehend leicht gebräunt, aber sauber. Bl. &III verso mit kurzem alt handschr. Eintrag. Moreau / Ren. I, 1509: 125; Adams A 717.

Best. Nr.: 197   2150,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

 

JUSTINUS - TROGUS POMPEIUS
Des Hochberümptesten Geschichts schreybers Justini warhafftige Hystorien die er auß Trogo Pompeio gezogen und inn vierzig vier Bücher außgeteylt darinn er von vil künigreychen der welt wie die auff und abgang genommenn beschriben. Die Hieronimus Boner der zeyt Schultheys zu Colmar auß dem Latein in diß volgend Teütsch vertolmetscht hat...

Augsburg, Heinrich Steiner 1532. Folio. (4), 120 Bll. (das letzte weiß). Mit Titelholzschnitt (Ninus und Alexander) von J. Breu d.Ä. nach Burgkmair und (inkl. der - tls. mehrfachen - Wiederholungen) 49 etwa halbseitigen Textholzschnitten; dazu Initialen und Zierleisten. Neuer Einband aus hellem Ziegenpergament.

Zweite Ausgabe bei Steiner, zugleich zweite deutsche Ausgabe. Die Textholzschnitte stammen überwiegend vom Petrarca-Meister (31, inkl. der Wiederholungen), daneben sind 10 von Jörg Breu d. J. und 8 von anderen Händen. Die Petrarcameister-Holzschnitte sind zum Teil für die 1. Augabe von 1531 angefertigt worden, andere stammen aus dem Repertoire der Cicero- und Petrarca - Illustrationen.

Pompeius Trogus hat wohl unter Augustus sein Hauptwerk, die "Historiarum Philippicarum libri XLIV" verfasst. Die ersten sechs Bücher behandeln Assyrer, Meder, Perser, Skythen und Griechen. In den Büchern 7-40 wird die makedonische Monarchie mit den Diadochenreichen dargestellt, bis sie im römischen Reich aufgehen. Mit dem 41. Buch wendet sich Trogus der Geschichte der Parther zu und führt sie bis zur Rückgabe der Feldzeichen an Augustus im Jahre 20. Ein Rückblick auf die römische Königszeit bricht bei Tarquinius Priscus ab. Es folgen Gallien und Spanien bis zum Sieg des Augustus über die Spanier. Das Makedonenreich bildet das Zentrum, das römische Imperium den Endpunkt von Trogus' Werk; alle örtlichen Entwicklungen münden in die römische. Dieser Aufbau wird besonders auch in den Prologen erkennbar. Überliefert ist Trogus nur durch die Epitome des Justinus (ca. 390 n. Chr) und einige Inhaltsangaben.

Provenienz: Exlibris des bayerischen Gutsherrn und Reichtagsabgeordneten Maximilian von Lerchenfeld, datiert Heinersreut 1873.

Neue Vorsätze. Knapp beschnitten (die gedruckten Marginalien davon betroffen, ebenso ganz leicht die Eingangsinitiale auf Titelseite). Durchgehend etwas gebräunt und fleckig, tls. leicht wasserrandig.

VD 16, T (=Trogus) 2070; Schweiger II, 495; 860; Goed. II, 319, 6; Musper L 118; vgl. Fairfax-Murray (German Books) 231 (Ausg. 1531); Ebert 11169. Nicht im BMSTC (German Books) und nicht bei Adams.

Best. Nr.: 645   3000,00 EUR
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[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Antike, Römische Literatur, Geschichtsschreibung]

LUDOLPHUS Cathusiensis (de SAXONIA).
In Psalterium expositio. In qua subiectae reperiuntur materiae...

Lyon, J. Moylin 1518. 4°. (30), 205 röm pag. Bll., (2) Bll. Mit Holzschnitt-Titelbordüre. Braunes blindgeprägtes Leder d. Zt. über Holzdeckeln (berieben, Rücken mit kleineren Bezugsdefekten, Kapitale beschädigt, Vordergelenk gerissen) mit 8 Ecken- bzw. Kantenbeschlägen; Schließen fehlen. VD mit späterem aufgeprägtem Besitzermonogramm und Datum. Dieser Psalmenkommentar ist neben der Lebensbeschreibung Christi das zweite, seit der Inkunabelzeit immer wieder aufgelegte Werk des Ludolphus, allerdings weit weniger verbreitet als letzteres. Der recht gut erhaltene Einband trägt auf VD und RD den gleichen Dekor: außen eine umlaufende Tugendenrolle, die mit "1539" datiert ist (Casta Lucr[etia] - Pruden[tia] - [Suavitas] 1539 - Justicia); ein schmaler Rahme mit zwei unterschiedlichen Blütenstempeln schließt sich an, gefolgt von einem Mittelfeld, in das vier Rollen senkrecht nebeneinander gesetzt sind: die Tugendenrolle wird in der Mitte zweimal wiederholt, außen ergänzt durch zwei unterschiedliche Figurenrollen. Auf dem VD befinden sich noch in einem zweiten waagerechten Leerfeld das Besitzermonogramm (BVCIW) und das Datum 1616. Die Rollen sind so bei Haebler nicht verzeichnet, die Tugendenrolle entspricht in den Maßen und in der Aufeinanderfolge der allegorischen Figuren einer anderen, bei Haebler unter dem Datum 1539 verzeichneten(II, 13, Nr. 5), allerdings weicht bei unserem Einband die Beschriftung unter der Lucretia ab: die Hinzusetzung des Adjektivs "casta" (= keusch) konnten wir in der einschlägigen Literatur nirgendwo finden, so sehr es auch zur historisch/mythologischen Figur der Lucretia passt. Überhaupt ist es äußerst selten, dass allegorischen Figuren in ihren Unterschriften solche Zusatzbezeichnungen erhalten. Diese Besonderheit wird in Heft 18 (April 2006) der "Einbandforschung" vorgestellt werden. Provenienz: Versteigerung J. Baer, Frankfurt, 7. Nov. 1932, danach bis Oktober 2005 in Privatbesitz. Vorsätze fehlen, letztes Bll. aufgezogen. Durchgehend leicht gebräunt, unwesentlich fleckig. Titel in Rot / Schwarz gedruckt, mit restauriertem Einriss in die Bordüre hinein (kein Bildverlust); und recto mit Besitzereintrag sowie einigen weiteren Buchstaben in alter Tinte. Erste zwei Bll. im Falz mit Rotfärbung vom Schnitt. Adams L 1674.

Best. Nr.: 198   4500,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Mittelalter, Alte Theologie, Psalmenkommentare, historische Einbände]

LUTHER, Martin.
Von der Beycht ob die der Babst macht habe zu gepieten.

Wittenberg, (Melchior Lotter d. J. 1521). 4°. (34) Bll. (Sign. a 1 - h 6 ). Holzschnitt - Titelbordüre von Lucas Cranach d. Ä. mit eventueller Werkstattbeteiligung (Koeppelin / Falk Nr. 212) mit dem Wittenberger Stadtwappen, dem Druckerzeichen Lotters und auf Fabeltieren reitenden Knaben (J. Luther Tafel 11). Modernes Halbpergament. (UND:) LUTHER, Martin: Der hundert und achtzehend psalm nutzlich zu betten fur das wort gottis tzur hebenn widder den grossen feynd des selben den Babst und menschen lere vorteutschet... (Wittenberg, Melchior Lotter 1521). 4°. (12) Bll. (Sign. i 1 - l 4 ). Modernes Halbpergament. Beide Drucke gehören zusammen, in unserem Fall sind sie getrennt gebunden. Erster Druck der zweiten Ausgabe. Diese Schrift richtet sich gegen die Beichtpraxis der Kirche, vor allem gegen das Privileg der Priester, eine Absolution erteilen zu können; sie ist entstanden im Anschluss an einen Traktat Oekolampadius' zum gleichen Thema. Die Auslegung des 118 Psalms als zweiter Teil des Büchleins ergab sich aus der Tatsache, dass der einleitende Gedanke des Beichttraktats diesem Psalm entnommen war. Provenienz: Versteigerung J. Baer, Frankfurt /M., 7.11.1932; danach bis Okt. 2005 durchgehend in Privatbesitz. I: Exlibris auf hinteren Spiegel, vorderer mit montiertem Zeitungsausschnitt "Luther als Ritter Görz 1521". Titel mit kurzen handschr. Einträgen in Tinte und Kollationsangaben in Blei; durch neuen Falz ein minimaler Streifen der Titelbordüre abgedeckt; Titel und 8 weitere Bll. mit restaurierten Randschäden (ohne Berührung von Text oder Illustration), darüber hinaus feuchtigkeitsbedingte Ausfaserungen an den äußersten Rändern. Durchgehend mäßig gebräunt und wasser- bzw. fingerfleckig (Titel stärker gebräunt, 1 Bl. stärker braunfleckig). II: Exlibris. Durchgehend etwas gebräunt und tls. am unteren Rand wasserfleckig; obere äußere Ecke bei fast allen Bll. mit hinterlegtem Papierschaden (1 Buchstabe bei 2 Bll. minimal tangiert), darüber hinaus feuchtigkeitsbedingte Ausfaserungen an den äußersten Rändern. Handschr. Marginalien (überwiegend an den oberen weißen Rändern), 1 Bl. mit größerer Zeichnung in brauner Tinte auf dem breiten weißen unteren Rand; Titel mit sichtbarem neuen Falz. Benzing / C. 948; VD 16, L 7182; WA 8, 133 B; Adams L 2038 (ohne Unterscheidung der beiden Lotter-Drucke und mit Datierung 1522); Knaake I, 180; nicht bei Kuczynski, Hohenemser, Jackson.

Best. Nr.: 190   1200,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

 

(MARCHESINUS, Johannes) - (MARCHESINI, Giovanni)
(Mammotrectus super bibliam).

Venedig, Franciscus (Renner) von Heilbronn und Nicolaus von Frankfurt 1476. 4°. 228 Bll. (erstes und letztes weiß): A-C 8 (das erste Bl. - wie häufig - ohne Lagensignatur); a 10; b - y 8; 1-2 8; 3 10. Got. Tyen, zweispaltig gedruckt; Bl. a 2 recto 39 Zeilen pro Spalte und Kopfzeile. Bl. a 1 recto prachtvoll illuminiert mit einer Eingangsinitiale (Prolog) "I" (7-zeilig) in Gold und Farben (blau, mauve, grün) mit Deckweißhöhung, einer historisierten Initiale "F" (Beginn des Hieronymus-Briefes) ebenfalls in Gold und Farben (Mauve-Schattierungen, blau, Deckweißhöhung) mit einer Darstellung des Hl. Ambrosius und Randausläufern in den Mittelsteg (rot und grün, goldgehöht) sowie einer vierseitigen Bordüre mit Ranken und Blüten (überwiegend in Blau, Mauve und Grün), Goldpunkten und einzelnen Dornrankenblättern, ebenfalls in Gold und einem Medaillon / Wappen aus grünen Lorbeerblättern, einem roten Innenfeld und einem blühenden Baum in Grün und Rot. Durchgehend mit alternierend blauen und roten Lombarden versehen. Blindgepr. Schweinsleder d. Zt. über Holzdeckeln mit Griffabschrägungen (etwas berieben, Kopf und Fuß des Rückens alt restauriert, Vordergelenk ebenfalls; einige Wurmlöcher); zwei intakte Messingschließen. Zweite Renner-Ausgabe dieses zuerst 1470 gedruckten Werkes; in deutschen Bibliotheken sehr selten (lt. ISTC gibt es hier 5 Exx., davon eines ist unvollständig).

Über Johannes Marchesinus ist biografisch kaum etwas überliefert: er war Franziskaner-Mönch in der Reggio Emilia nahe Modena, gelebt hat er Ende des 13. / Anfang des 14 Jahrhunderts. Sein Werk "Mammotrectus super Bibliam" (man könnte den Titel frei mit "Nährboden für ein Bibelverständnis" übersetzen) hat er geschrieben zur Belehrung der Kleriker; im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit intensiv rezipiert gehört dieses Werk zu den wichtigsten Franziskanischen Unterweisungstexten. Die ca. 1300 Artikel gliedern sich in:

1. Erklärungen schwieriger biblischer Begriffe oder Wendungen,

2. Erläuterungen zu Orthografie und Betonung lateinischer Wörter, zur Bibelüberlieferung und Konzilsgeschichte, zu Grundsätzen der Bibeldeutung und -übersetzung, zu den Festen des Alten Testaments und zu priesterlichen Gewändern;

3. Abhandlungen zur Liturgie und zu weiteren religiösen Schriften (Heiligenlegenden u.a.m.).

Schon Erasmus v. Rotterdam unterzog das Werk einer gründlichen Kritik, Luther und die protestantische Theologie lehnten es ganz ab.

Der ausgezeichnet erhaltene Einband stammt aus Ulm, vermutlich aus einer Binderwerkstatt Konrad Dinckmuts. Vorder- und Rückendeckel zeigen eine identische Feldereinteilung: auf einen äußeren Leerrahmen folgt ein breiter Rahmen, besetzt mit Einzelstempel (Lilie in spitzovaler Umrandung); innen befindet sich ein rechteckiges Feld, diagonal von Streicheisenlinien durchkreuzt und die so entstandenen dreieckigen Felder mit einem oder zwei kleineren Stempeln dekoriert (Schwan, rund, umrandet). Derselbe Stempel ziert die Ecken des Rahmens mit dem Lilienstempel. Die Einbanddatenbank führt den Lilienstempel unter s008191 und den mit dem Schwan unter s008193 an und weist sie dem Benediktinerkloster Wiblingen zu (w000097); Kyriss (K 36) und v. Rabenau (S-S II, S. 282) erwähnen sie in diesem Zusammenhang nicht, bei Kyriss finden sie sich unter K 156 (Nr. 1 und 6). Die Zuweisung von s008191 nach Ulm ist offenbar unstrittig (S-S II, S. 266/67: "Zu Ulm, Hirschgeweih"), s008193 gibt es bei S-S nicht. Von der Einbanddatenbank, von v. Rabenau u.a. wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Amelung die Werkstatt K 156 in Verbindung mit dem Ulmer Drucker und Binder K. Dinckmut sieht; schon Kyriss hatte (TB 3, S. 18/19) auf die enge Verflechtung von K156 mit weiteren Ulmer Werkstätten hingewiesen. Amelung (Kommentar zum Faksimile des Ulmer Terenz, Dietikon 1972, S. 17) modifiziert und Präzisiert diese Verflechtung: Die Werkstatt K 36 (Kloster Wiblingen) hält er für eine bürgerliche Ulmer Werkstatt, von der er auf Grund von Dinckmut-Fragmenten in Spiegeln annimmt, sie sei im Besitz des Ulmer Druckers gewesen. In K 156 sieht er eine "von vielleicht verschiedenen Phasen der Dinckmut-Werkstatt", so dass - folgt man dieser Argumentation - unser Einband Dinckmutsche Provenienz hätte oder - auch das überlegt Amelung - aus einer der "neben der eigentlichen Dinckmut-Werkstatt mehr oder weniger selbstständige(n) Werkstätten seiner Familienangehörigen (Hans und Michael Dinckmut)" stammen würde; Hummel (Bibliotheca Wiblingana in: Studien und Mitteilungen zur Gesch. d. Benediktinerordens 89 / 1978, S. 532/33) ergänzt diesen Befund durch die Beobachtung, dass die Mehrzahl der Bücher in - nach Kyriss - Wiblinger Einbänden für auswärtige Abnehmer gebunden wurden, dass also "die ? Buchbinderei Lohnaufträge übernommen hat". Andererseits haben die meisten ehemals Wiblinger Inkunabeln ihre Einbände in ortsfremden Bindereien erhalten; beide Fakten widersprechen der Annahme einer leistungsfähigen Wiblinger Klosterbuchbinderei, die - wenn es sie gegeben hätte - sicherlich zunächst den eigenen Bedarf abgedeckt hätte. S .a. Breitenbruch (Inkunabeln der Stadtbibliothek Ulm) Nr. 53 und 101. Bei Laird/Needham/ v. Rabenau (Einbandforschung 2 / April 1998, S 19) wird K 156 Ulm / Augustinerkloster oder Wiblingen zugewiesen, mit Verweis auf Needham und Breitenbruch (letzterer Bezug stimmt eindeutig nicht; vgl. auch Amelungs korrigierende Bemerkung in Einbandforschung 5 / Okt. 1999, S. 23).

Provenienz:

- Die Illumination auf Bl. a1 recto stammt von einer italienischen Hand, das Wappen im unteren Rand stellt ein italienisches Familienwappen dar (Vergleichsmaterial findet sich z. B. im Versteigerungskatalog Christie?s "The Nakles Collection of Incunabula" [17.4. 2000], lot 98 und 112, und bei Reiss & Sohn im Katalog Nr. 147 [01.11.2011] lot 4456).

- Auf dem - später eingefügten - hinteren Spiegel ist ein handschriftlicher Kaufvermerk aus dem Jahr 1520 vom ursprünglichen Spiegel erhalten: "Comparatus sum anno Domini M.V.20".

- Der vordere - ebenfalls erneuerte - Spiegel trägt einen erhalten gebliebenen Vermerk in einer Hand des 16. / 17. Jahrhunderts: Duplum Bibliothecae regiae Monac(ensis); der Band ist also schon zu dieser Zeit als Doppel aus der Münchener Bibliothek ausgeschieden worden.

- Bll. A 2 recto und n 6 verso zeigen den Besitzerstempel des Franziskanerklosters Riva del Guarda.

- Vorderer Spiegel mit neuerem Exlibris (Sammlung Legel).

Ohne vorderen Vorsatz. Die Spiegel sind - mit altem Papier - erneuert worden, Einträge auf den originalen hat man erhalten und auf die neuen aufgebracht (s. Provenienz). Die Lagen A und B mittels Fadenheftung neu eingebunden (dabei eine Reihe von Bll. im Falz verstärkt), am Ende die Bll. 3 1 und 2 ebenfalls im Falz verstärkt, das 1. - weiße - Bl. (A 1 ) mit ergänztem seitlichen Papierverlust. Ein gering fleckiges, stellenweise schwach wasserrandiges Exemplar, illuminiert und in einem prachtvollen Einband. HC 10557; BMC V, 194; GW M 20827 (online); ISTC im00236000; Goff M 236; Voull. (Berlin) 3690.

                                                                                Best. Nr.: 647   28000,00 EUR

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Reformation, Luther, illustrierte Bücher]

MEDER, Johannes
Parabola filii glutonis profusi atque prodigi nedum venuste verentiam vtiliter & deuote per venerandum patrem fratrem Joannem Meder ordinis minorum obseruantium Basilee concionata & collecta: pro totius anni precipue quadragesime sermonibus accommodata.

Basel, Michael Furter 1510. Kl.-8°. (232) Bll. (das letzte weiß). Mit drei verschiedenen Holzschnitt - Druckermarken und 18 ganzseitigen Holzschnitten von 16 Stöcken nach dem "Meister-des-Haintz-Narr". Titel rot und schwarz gedruckt. Neuer Pergamentband (etwas fleckig, Rücken knittrig). Vierte Ausgabe, erste Postinkunabel dieses Textes. Bei den Holzschnitten handelt es sich um einen Illustrationszyklus zur Geschichte vom verlorenen Sohn (Details bei Muther 470). Winkler ("Dürer und die Illustrationen zum Narrenschiff", S. 92 f.) weist die Holzschnitte in den beiden Inkunabelausgaben der Umgebung Dürers zu, mit Vorsicht dem "Haintz-Narr-Meister"; "die Holzschnitte der ersten und zweiten Ausgabe sind in einer dritten, nur in der UB Münster vorhandenen Ausgabe zwischen 1497 und 1500 durch systematischer schraffierte Nachschnitte ersetzt worden...Die Ausgabe von 1510 übernimmt die Holzschnitte dieser letzten vor 1500 und hat zusätzlich, mit dem neuen Titel und dem neuen Druck des Textes, zwei neue Druckermarken Furters" (Hieronymus I, 61). Die Druckermarke Bl. 231r ist bei Grimm, Buchdruckersignete, beschrieben und abgebildet (S. 79). Der Franziskanermönch Johannes Meder (geb. in Baden / Schweiz, gest. 1518 in Kaisersberg / Elsaß), lebte von 1495 - 1502 in einem Basler Kloster. Seine Freundschaft mit Sebastian Brant veranlaßte diesen, für Meders Werk eine Widmung in 11 Distichen zu schreiben. Das "Quadragesimale" (so hieß die Predigtsammlung in den ersten Ausgaben) enthält 50 Traktate um das Gleichnis von verlorenen Sohn, die aus einem Dialog zwischen dem Engel und dem Sohn sowie einer theologischen Auslegung bestehen; 49 schließen mit einer Parabel ab; in Sermo 34 findet sich die antike Sage von Pyramus und Thispe in christlicher Umdeutung. Die Illustrationen gehen auf einen Wunsch des Verfassers zurück. Alter klösterlicher Besitzereintrag auf Titel, letztes Bl. mit Resten eines Blattweisers; durchgehend gering gebräunt, kaum fleckig; oberer Rang etwas knapper beschnitten. Ein schöner Druck mit bedeutenden Illustrationen in überwiegend guten Abdrucken. VD 16, M 1855; BMSTC (German Books) 605; nicht bei Adams. Vgl. Schramm XXII, S. 12 / 13 und Abb. 472 - 504.

Best. Nr.: 176   5500,00 EUR

[Alte Theologie, illustrierte Bücher]

PANVINIUS, ONUPHRIUS (Panvinio Onofrio).
Chronicon ecclesiasticum. A C. Iulii Caesaris dictatoris imperio, usque ad imp. Caesarem Maximilianum II. Austrium, pium, felicem, perpetuum Augustum.

Köln, Maternus Cholinus 1568. Fol. (8) Bll., 144 (=146) Ss. Ohne das letzte weiße Bl. Holzschnitt-Druckermarke. (VORGEB.:) PLATINA (= de SACCHI, BARTOLOMEO): Historia de vitis Pontificum Romanorum, a D.N. Iesu Christo usque ad Paulum II. Venetum Papam, longe quam antea emendatior, doctissimarum que annotationum Onuphrij Panvinij accessione nunc illustrior reddita (hg. und kommentiert von Onofrio Panvinio). Louvain (Löwen), J. Bogardus 1572. Fol. (12) Bll., 392, 128 Ss., (12) Bll. (letztes weiß). Mit wiederholter Holzschnitt-Druckermarke. Blindgepr. Leder des 18. Jahrhunderts (berieben, Rücken und Ecken im 19. Jahrhundert restauriert) mit goldgeprägter Rückenbeschriftung, ohne die Bindebänder. I. Erstausgabe; sehr selten (seit 1950 nur 1 Eintrag im Jahrbuch der Auktionsprei- se). II. Dritte Ausgabe der Papst-Viten des Platina mit der Kommentierung durch Panvinio. Seltene Ausgabe (seit 1950 nicht im Jahrbuch). Onofrio PANVINIO (1530 - 1568), "überragender Historiker mit bahnbrechenden Schriften zur römischen Altertumskunde und zur Kirchengeschichte" (BBKL VI, Sp. 1486), erregte früh die Aufmerksamkeit seiner Ordensoberen (Augustinereremiten) wegen seiner Gelehrsamkeit, und so erhielt er die Erlaubnis, außerhalb seines Klosters zu leben und zu forschen. Eine seiner zahlreichen Reisen führte ihn 1559 nach Deutschland, wo er in Augsburg Kaiser Maximilian II. traf. Das Chronicon ecclesiasticum zählt zu seinen wichtigsten Werken (Details zu Biographie und Werk s. BBKL a.a.O., Sp. 1486-89). Im Rahmen seiner Beschäftigung mit der Kirchengeschichte wurde er auch ein wichtiger Kommentator und Herausgeber der Papstviten des Bartolomeo Platina. PLATINA (= B. Sacchi/1421 - 1481) wurde unter Sixtus IV. Leiter der Vatikanischen Bibliothek und von ihm mit der Abfassung der Papstviten beauftragt. Die Darstellung ist - unter Aussparung vieler bis dahin in vergleichbaren Beschreibungen selbstverständlichen Wunderlegenden - eher sachlich-nüchtern, mit großer Zurückhaltung bei eigenen Urteilen - mit einer Ausnahme: Die Schilderung Pauls II. ist äußerst engagiert und negativ im Urteil; kein Wunder, schließlich wurde Platina auf dessen Anweisung eingekerkert und gefoltert, weil er dem Papst im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung mit einem Konzil gedroht hatte. Seine ansonsten schon erwähnte sachlich - zurückhaltende Erzählweise hat dazu geführt, dass er von Historikern des Humanismus häufig ausgeschrieben wurde; dies gilt z.B. für Brant und Wimpheling. So steht er - an einer Schnittstelle zwischen Mittelalter und Neuzeit, und seine Bedeutung an dieser Stelle beschreibt Fueter ("Geschichte der neueren Historiographie") mit folgenden Worten: "Platinas Werk (bezeichnet) einen ... bedeutenden Schritt in der Säkularisierung der Geschichte. Platina ist der erste Autor, der die allgemeine Kirchengeschichte aus ihrer geistlichen Isolierung befreite und mit der Profangeschichte in Verbindung setzte. In dieser Beziehung emanzipierte er sich vollständig von seinen Quellen ... Die Objektivität Platinas war auf lange Zeit hinaus ... unerreichbar. Ist doch sein Werk selbst im Jahre 1580 auf den Index gesetzt worden!" (S. 49/50). Im Anschluss an die Papstviten bietet Panvinio weitere kleinere Schriften Platinas. Neuere Vorsätze und Spiegel. Vorderer Vorsatz mit Besitzereintrag aus dem Jahr 1840. Titelblatt mit ausgedünnten Stellen (ein paar kleinere Durchbrüche, dadurch etwas Bild- und Textverlust; verschiedene Verstärkungen zwischen Textzeilen mit minimalem Verlust von Buchstabenteilen, diese von Hand ergänzt) und im Falz verstärkt; verso am oberen Rand verstärkender Papierstreifen montiert (knapp 5 cm breit). Durchgehend leicht gebräunt und fleckig (Titel etwas stärker), in der erste Hälfte und gegen Ende schwach wasserrandig. I: VD 16, P 250; BMSTC (German Books) 673. Nicht bei Adams (dort nur die Ausgabe Louvain 1573). II. Adams P 1424; Belg. Typogr. 4016. Nicht in BL und nicht in Bibl. Belgica.

Best. Nr.: 615   1200,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Kirchengeschichte, Drucke aus Louvain]

PETRUS LOMBARDUS ( - BONAVENTURA)
(Sententiarum libri IV). (Mit dem Kommentar Bonaventuras, hg. v. J. Beckenhaub).

Nürnberg, A. Koberger (nach dem 2. März 1491). Fünf Teile in drei Bänden. Bd. 1: Teile I und V, Bd. 2: Teil II, Bd. 3: Teile III und IV. So in allen Teilen komplett. Folio. Bd. 1: 204; 110 nicht numm. Bll. (von 111: ohne das letzte weiße). Bd. 2: 259 nicht mumm. Bll. (von 260: ohne das letzte weiße; das erste weiße erhalten). Bd. 3: 217 nicht numm. Bll. (von 218: ohne das erste weiße); 272 nicht numm. Bll. Got. Typen. Teil 1 mit großer Eingangsinitiale in Rot, Blau und Grün, gefüllt mit reichem geometrischem Dekor und mit Randausläufern versehen. Durchgehend kleinere rote und bzw. blaue Initialen eingemalt und in den gleichen Farben rubriziert. Teile III und IV mit je einer Vollminiatur (kolorierte Federzeichnungen) in Gold und Farben (Rot, Blau, Grün- und Braunabstufungen; vielleicht von zwei Händen). Da der Platz, der für eine große Initiale vorgesehen war, durch die Miniatur belegt wurde, ist am linken Rand neben der ersten Textzeile je eine Initiale in Gold und Rot im einem rhombischen Feld eingemalt; das Feld in Blau und Rot. Teil V mit mehrzeiliger Einganginitiale in Blau, Rot und Grün, gefüllt mit geometrischem Dekor und mit Rankenwerk versehen. Kleinere Initialen überwiegend in Rot, wenige in Blau eingemalt, durchgehend in Rot rubriziert. Bd. 1: Mittelbraunes Leder um 1900 (etwas fleckig) mit geprägtem Rückentitel. Bd. 2: Pergament d. 18. Jahrhunderts (gebräunt, etwas fleckig, Rücken mit kleinen Läsuren). Bd. 3: Halbleder d. 18. Jahrhunderts (leicht berieben) mit goldgeprägtem Rückentitel. Erste Ausgabe aller vier Bücher der Sentenzen des Petrus Lombardus mit dem Kommentar des Bonaventura; zugleich erste Koberger-Ausgabe. In dieser Vollständigkeit im Handel selten (im Jahrb. d. Auktionspreise kein komplettes Exemplar seit 1950); v.a. die vermutlich etwas später gedruckte und als einziger Teil mit einem Titelblatt versehene "tabula" (= Teil V, s. BMC) fehlt häufiger oder ist durch die der Ausgabe Kilian Fischer 1493 substituiert (so auch bei Hain [s. BMC und Goff]). Unser Exemplar enthält die originale "tabula" in der Variante A mit 111 Bll. (im BSB/Ink. unterschieden von B mit 106 Bll.). Die beiden Miniaturen zu Beginn von Teil III und IV lassen sich möglicherweise in die Nähe der sog. Oberrheinischen Nonnenmalerei setzen; hierzu passt auch der dominikanisch-franziskanische Kontext dieser Malerei sowie die Tatsache, dass sie sich bis zum Ende des 15. Jahrhunderts nachweisen lässt (Literatur s.: Spätmittelalter am Oberrhein. Teil 1: Maler und Werkstätten 1450 - 1525. Ausstellung Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. Katalog Stuttgart 2001. S. 370 / 1). Die erste unserer Miniaturen zeigt den Hl. Bonaventura als Bischof von Albano neben dem Kreuz stehend und mit einer Hand auf dieses zeigend, mit seiner Kathedrale in der anderen; auf der zweiten sieht man Christus am Kreuz zwischen Bonaventura und Franziskus. In beiden Fällen ist das Kreuz mit Christus mit einem blühenden Baum (als Zeichen des Lebens) verbunden. Der Text jeder "distictio" des Lombardus ist in größeren Lettern gedruckt, umgeben von gedruckten Marginalien (innerer Rand) und Kommentar (letzterer in kleineren Typen). Zur Datierung: Der Brief des Nicolaus Tinctoris an den Herausgeber J. Beckenhaub (fol. a2 in Teil I) ist datiert "1491. mensis marcii die s(e)c(un)do". Damit ist der 2. März 1491 der terminus post quem. Der Herausgeber Johannes Beckenhaub, Kleriker aus Mainz, war seit 1487 als Buchführer Kobergers in Regensburg tätig (Herding/Mertens: Jakob Wimpheling. Briefwechsel. Erster Teilband. S. 167, Anm. 2); die erste Druckerei hier am Ort hat er auch 1485 zusammen mit Sensenschmidt eingerichtet (Geldner I, S. 269). Bonaventura (= Johannes Fidanza, ca. 1217 - 1274), der 7. Ordensgeneral der Franziskaner und Theologe an der Pariser Universität, Bischof von Albano, gilt als einer der wichtigsten mittelalterlichen Theologen neben Thomas von Aquin. Der Sentenzenkommentar zu Petrus Lombardus zählt zu seinen Hauptwerken. Wimpheling charakterisiert in seinem "Brief" (Teil IV, fol. V8), den Herding / Mertens (S. 167, Anm. 1) lieber als Memorandum bezeichnen möchten (weder die Absender- noch die Ortsangabe können ihrer Ansicht nach echt sein) den Stellenwert dieser Ausgabe: Ein Studium des Bonaventura-Kommentars rückt die Bedeutung des Affekts in der Frömmigkeit mehr in den Blickpunkt als das die scholastische Tradition vermag. Somit sieht Wimpfeling in dieser Ausgabe, die zum ersten Mal den Bonaventura-Kommentar in toto bietet, einen Meilenstein theologischer Publikation. Bd. 1: Titel der "tabula" neu eingefalzt. Vorderer Spiegel mit 2 Exlibris, vorderer neuerer Vorsatz mit älterem montierten Katalogeintrag (nicht dieses Exemplar) und mit montiertem schreibmaschinegeschriebenen Eintrag zu diesem Exemplar. Die Lagen a - q der "tabula" versehentlich an den Anfang gebunden. Die alten Vorsätze erhalten, zusammen mit dem Einband zusätzliche eingebunden. Hin und wieder leicht finger- oder stockfleckig, durchgehend ganz schwach gebräunt (einzelne Bll. etwas stärker). Oberer Rand knapper beschnitten (Text aber nicht tangiert), sonst sehr sauber und breitrandig. Grünschnitt. Bd. 2: Durchgehend etwas gebräunt und schwach stockfleckig an den Rändern (einzelne Bll. stärker). Erste und letzte Bll. angeschmutzt und wasserrandig, ansonsten tls. im Falz mit Wasserrand. 1 Bl. mit restauriertem Randeinriss (Text nicht tangiert); erstes (weißes) Bl. mit Wurmlöchern, erste Lagen mit Wurmloch (minimaler Buchstabenverlust bei den einzelnen Bll.). Darüber hinaus sauber und breitrandig. Bd. 3: Letztes Bll. aufgezogen. Anfangs verschiedene, danach vereinzelte Wurmlöcher (tls. mit Buchstabenverlust). Oberer Rand knapp beschnitten, gedruckte Kopfzeilen mit den Nummern der "distinctiones" aber nicht tangiert. Durchgehend ganz leicht gebräunt, unwesentlich fingerfleckig. Bl. A II im unteren Rand mit Papierschaden (Rasur) und altem Besitzeintrag (tls. unleserlich gemacht). Vereinzelte Marginalien von alter Hand; gesprenkelter Schnitt. Ein sauberes Exemplar mit zwei prächtigen Miniaturen. HC *3540; BMC II, 433; Goff P-486; BSB/Ink. P-387; GW (online) M 32527; ISTC ip00486000.

 

Best. Nr.: 139   31000,00 EUR

 

PINDAR (Pindarus, Pindaros) - Lonicer, Johan(nes)
Pindari poetae vetutissimi, Lyricorum facile principis, Olympia Pythia Nemea Isthmia Per Ioan. Lonicerum latinitate donata: adhibitis enarrationibus, e Graecis Scholijs, & doctissimis utriusque linguae autoribus desumptis: quarum suffragio Poeta, a paucis hactenus intellectus, nunc planior illustrior redditur.

Basel, A. Cratander 1535. 4°. (6) Bll., 458 Ss., (9) Bll. Mit wiederholter Holzschnitt-Druckermarke auf Titel und letzten Bl. verso. Blindgepr. Kalbsleder d. Zt. (Rücken erneuert, 2 Ecken restauriert), zwei neue Bindebänder.

Zweite lateinische Ausgabe Pindars (nach 1528), die erste mit Kommentar. Frühe Werkausgaben Pindars sind selten: Auf drei griechische (Aldus 1513, Kallierges 1515 und Cratander 1526) folgen die ersten lateinischen.

Von Pindar (522 oder 518 - ca. 440 v. Chr.), aus der Nähe von Theben gebürtig, ist nur ein geringer Teil seines Werkes überliefert; im Wesentlichen handelt es sich dabei um Preislieder auf Sieger von Wettkämpfen in Olympia, Delphi, am Isthmos und in Nemea. In Auftrag gegeben wurden sie von Aristokraten der gesamten griechischsprachigen Welt, Sizilien eingeschlossen. In der Literatur Roms (Horaz) fand er ebenso seine Bewunderer wie in England (Milton), Frankreich (Boileau) und Deutschland, hier v.a. bei den Romanikern (A.v. Platen); zu dieser Zeit entstanden auch wichtige Übersetzungen ins Deutsche (Humboldt, Hölderlin).

Johannes Lonicer (um 1497 - 1569) trat - wie Luther - früh dem Augustinerorden bei, studierte in Erfurt und Witttenberg und geriet, je mehr er sich von Luthers Lehre beeinflussen ließ, umso stärker in Konflikt mit der offiziellen Kirche. Nach Stationen in Esslingen, Freiburg und Straßburg, wo er für verschiedene Verlagshäuser als Korrektor arbeitete, erhielt er einen Lehrstuhl in Marburg, zunächst für Griechisch, dann auch in Theologie.

Die Einbandprägung ist auf beiden Seiten gleich angelegt: in einem rautenförmiges Feldernetz finden sich verschiedene Einzelstempel: Blattwerk (Fächerblatt mit Bund), sich auf einen Stab stützender Wanderer und Lilie; die seitlichen Halbfelder am Rand sind mit einem quadratisch umrandeten Käfer-Stempel besetzt. V.a. der Wanderer- und der Käferstempel sind in der Literatur kaum zu finden. Der Einband könnte rheinisch-niederrheinischer Herkunft sein. Spiegel und Vorsätze aus Pergament.

Titel mit größerem seitlichen Ausschnitt (recto geringe, verso minimale Textbetroffenheit), dieser hinterlegt, Rand- und Falzverstärkungen, ein Wurmloch ebenfalls hinterlegt. Außerdem mehrere handschr. Einträge auf Titel; zwei davon beziehen sich auf kirchliche Zensur: einmal darauf, dass der Autor verurteilt, ihm jedoch Rechtfertigung widerfahren sei, zum zweiten wird ein Pater Paulus Keuth genannt, der das Buch entsprechend dem Index der verbotenen Bücher korrigiert habe (man sieht, mit welcher Skepsis auch eine eigentlich unverdächtige Arbeit des Lutheranhängers Johannes Lonicer, von dem eine Reihe von Streitschriften auf dem Index landeten, in katholischen Leserkreisen betrachtet wurde). In einem dritten Eintrag (aus dem 17. Jahrhundert) wird der Konvent des Kölner Birgittenkloster als Besitzer genannt. Im Titel ist der Name des Übersetzers dünn unterstrichen und die Worte "& illustrior" wurden ausgestrichen. Vorderes Gelenk angerissen, letztes Blatt im Falz verstärkt. Beide Spiegel mit alten Bibliotheksvermerken. Durchgehend leicht gebräunt, verschiedentlich etwas wasserrandig; Rubrizierungen in Rot und Blau. S. 261 mit zwei ausgestrichenen Zeilen (von der Hand des im Titel genannten "Korrektors"?).

VD 16 P 2798; Hoffmann III, 104; Schweiger I, 238; Hieronymus / GG 210; Adams P 1234; BMSTC (German Books) 697.

Best. Nr.: 640   2200,00 EUR
zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Antike, Griechische Literatur, Poesie, historische Einbände]

 

PLATINA, B (attista) (= de Sacchi, Bartolomeo)
... Vita & moribus summorum Pontificum historia, cui aliorum omnium , qui post Platinam vixerunt ad haec usque tempora, Pontificum res gestae sunt additae, numquam natehac in vulgus datae ... Eiusdem De falso & vero bono dialogi tres. Contra amores I. De vera nobilitate I. De optimo cive II. Panegyricus in Bessarionem doctiss(imam) patriarcham Constantin(opolis). Oratio ad Paulum II. Pon (tificem) Max (imum).

Köln, Eucharius Cervicornus (Hirtzhorn) für G. Hittorp 1529. Folio. (6) Bll., 284 Ss., (50) Bll. Mit Holzschnitt-Titeleinfassung von Anton Woensam von Worms. Blindgep. Kalbsleder d. Zt. über Holzdeckeln (Rücken erneuert, Lederfehlstellen auf Vorderdeckel ergänzt, kleine Risse und Defekte [tls. Wurmgänge] auf beiden Decken nicht restauriert; Kanten beschädigt); Schließenreste.

Erste Ausgabe des 16. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum.

Die Titelumrahmung (Merlo 420) ist in eine einzige Holzplatte geschnitten. Sie besteht aus einem oberen Bildstreifen mit Christus in der Mitte, rechts und links von ihm je zwei Evangelisten mit Attributen, alle Figuren durch Säulen voneinander getrennt. Rechts und links neben dem Text Petrus und Paulus mit Schlüssel bzw. Schwert, und in einem unteren Streifen vier Kirchenväter unter Bögen, alle schreibend; auch sie durch Säulen getrennt. Die mittlere trägt im oberen Teil ein Schild mit dem Handelszeichen des Buchführers Hittorp (s. Grimm, Buchdruckersignete, S. 73/74).

Platina (1421 - 1481) wurde unter Sixtus IV. Leiter der Vatikanischen Bibliothek und von ihm mit der Abfassung der Päpsteviten beauftragt. Die Darstellung ist - unter Aussparung vieler bis dahin in vergleichbaren Beschreibungen selbstverständlichen Wunderlegenden - eher sachlich-nüchtern, mit großer Zurückhaltung bei eigenen Urteilen - mit einer Ausnahme: Die Schilderung Pauls II. ist äußerst engagiert und negativ im Urteil; kein Wunder, schließlich wurde Platina auf dessen Anweisung eingekerkert und gefoltert, weil er dem Papst im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung mit einem Konzil gedroht hatte. Seine ansonsten schon erwähnte sachlich - zurückhaltende Erzählweise hat dazu geführt, daß er von Historikern des Humanismus häufig ausgeschrieben wurde; dies gilt z.B. für Brant und Wimpheling. So steht er an einer Schnittstelle zwischen Mittelalter und Neuzeit, und seine Bedeutung an dieser Stelle beschreibt Fueter ("Geschichte der neueren Historiographie") mit folgenden Worten: "Platinas Werk (bezeichnet) einen ... bedeutenden Schritt in der Säkularisierung der Geschichte. Platina ist der erste Autor, der die allgemeine Kirchengeschichte aus ihrer geistlichen Isolierung befreite und mit der Profangeschichte in Verbindung setzte. In dieser Beziehung emanzipierte er sich vollständig von seinen Quellen ... Die Objektivität Platinas war auf lange Zeit hinaus ... unerreichbar. Ist doch sein Werk selbst im Jahre 1580 auf den Index gesetzt worden!" (S. 49/50). Platinas Text endet mit Paul II., ergänzt ist er in unserer Ausgabe durch Kurzbiografien der Nachfolger Sixtus IV., Innozenz VIII., Alexander VI., Pius III., Julius II., Leo X., Hadrian VI. und Clemens VII.; er ist also bis in die Zeit des Drucks fortgeführt.

Angeschlossen sind einige kürzere Schriften des Autors: De falso & vero bono dialogi tres. Contra amores. De vera nobilitate. De optimo cive. Panegyricus in Bessarionem doctiss(imam) patriarcham Constantin(opolis). Oratio ad Paulum II. Pon(tificem) Max(imum). Laut VD 16 finden sich im deutschsprachigen Raum im 16. Jahrhundert keine Einzelausgaben dieser Schriften; sie sind den Viten immer beigefügt.

Provenienz:

1. Auf der letzten (weißen) Seite findet sich folgender Eintrag in kalligrafischer Schrift: "Liber monasterii Sanctorum Apostolorum Petri et Pauli Abdinghoff intra Paderbornam / Emptus XI solidi paderbornae / Anno domini 1529." Es handelt sich also um einen Besitz- und Kaufeintrag des Klosters Abdinghoff in Paderborn. Dieses Benediktinerkloster wurde im 11. Jahrhundert gegründet und bestand bis zur Säkularisierung 1803. Überregionale kulturelle Bedeutung erlangte es aufgrund seiner Bibliothek, der Buchbinderei und des Skriptoriums. 2. Titel im unteren weißen Rand mit handschriftlichem Besitzereintrag eines C. Schlegel mit dem Zusatz: "pax 1710 mense Aprili in Belgio facta". Dieser Zusatz bezieht sich offensichtlich auf den Spanischen Erbfolgekrieg und die hiermit zusammenhängenden militärischen Aktivitäten in den Vereinigten Niederlanden im Jahr 1710, insbesondere wohl auf den Kongress von Gertruydenburg, auf dem ein Friedensschluss der kriegsführenden Parteien angestrebt, aber nicht in dauerhafterer Form erreicht wurde.

Der Einband stammt aus der Binderei des Abdinghof-Klosters (EBDB w002104). Vorder- und Rückendeckel sind durch Streicheisenlinien in je neun rechteckige Felder unterteilt (vorne mit einem breiten Mittelfeld, hinten dagegen mit in etwa gleich breiten waagerechten Abständen); diese sind mit unterschiedlichen Einzelstempeln besetzt (Einhorn [S-S: Einhorn 58a / vR: 2 / EBDB s010013], Hl. Benedikt [S-S: Heilige 20a / vR: 4 / EBDB - ], von Pfeil durchbohrtes Herz [S-S: Herz 24 / vR 6 / EBDB s010009], Blattwerk offen [S-S: - / v. R 10 / EBDB s010018], Maria mit Kind als Ganzfigur [S-S: Maria 12a / vR 7 / EBDB s010017], Steinbock [S-S: Steinbock 7a / vR: 9 / EBDB s010012], Rosette in gepunkteter Raute [S-S: Rosette 236? / vR: 8 / EBDB s010010], Lamm (Agnus Dei) mit Kreuzstab [S-S: - / vR: - / EBDB -], Rosette rund umrandet [S-S: - / vR: 14 / EBDB s010020]). Diese Zusammenstellung zeigt, dass unser Einband gegenüber der oben zitierten Literatur einen zusätzlichen Stempel aufweist, nämlich das Lamm; dies erwähnt als einziger Goldschmidt (Nr. 85/5).

K.v. Rabenau beschreibt (in S-S II, S: 214) Charakteristika dieser Einbände: "Ein vortrefflicher Stempelschneider in der Stadt ... schuf, angeregt von der Kunst der Eisengießhütten im Land, zahlreiche talergroße Figurenstempel, die, kleine Kunstwerke in ihrer Art, den Einbänden in Paderborn ... ihr besonderes religiöses, ?heiligmäßiges? Ansehen gegeben haben". Auf der Website der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek von Paderborn wird über die figürlichen Rautenstempel ausgeführt: "Der eine Rautenstempel enthält eine Darstellung des hl. Benedikt, des Ordenspatrons, der andereRautenstempel stellt Maria dar, die Patronin des Bistums Paderborn. Diese drei Stempel tauchen nur auf Einbänden auf, die auch einen Abdinghofer Besitzvermerk tragen, und können quasi als Supralibros gedeutet werden". Der besondere religiöse Charakter dieser Klostereinbände wird auch auf unserem Exemplar durch die Anordnung der Stempel deutlich: Auf dem Vorderdeckel befindet sich im großen Mittelfeld der Stempel mit dem Lamm (Agnus Dei) genau in der Mitte, umgeben ist er von je zwei Benedikt- / Maria-Stempeln, 8 Herz- und 6 Steinbockstempeln; sie alle formen eine Art Oval um das Lamm.Die auf ein Zentrum hin orientierte Stempelanordnung setzt sich in den schmaleren Feldern oben und unten fort mit je einem Rautenstempel in der Mitte (oben Maria, unten Benedikt).

Benutzte Literatur zu den Abdinghof-Einbänden:

www.hist-einband.de (=EBDB)

www.eab-paderborn.org

Schwenke / Schunke II, S. 213/14 (= S-S)

Konrad von Rabenau: Paderborn, Abdinghof. In: Einbandforschung 5 (April 1999), S. 19/20 (= v.R.)

Basil Oldham: English Blind-Stamped Bindings, Cambridge 1952, pl. VII. (verwendet diese Einbände als Vergleichsmaterial aus Deutschland)

E. Ph. Goldschmidt: Gothic and Renaissance Book Bindings. London 1928. Nr. 85 mit Abb. CV.

Spiegel und fliegende Vorsätze aus einer Antiphonar-Handschrift des 14. / 15. Jahrhunderts auf Pergament, die aus dem klostereigenen Skriptorium stammt (vgl. www.eab-paderborn.org). Pro Seite ca. 20 vierzeilige Notensysteme, mit dem Text unter jedem System. Hufnagelnotation. Notenlinien, Noten und Text in brauner Tinte, Initialen und Überschriften in Rot, ebenso Zeilenfüller. Wenn man sich die Tatsache vor Augen hält, dass die klostereigene Binderei Manuskripte - damals 100 bis 200 Jahre alt - , die im klostereigenen Skriptorium hergestellt worden waren, makuliert hat, dann wird dieses Buch zu einem eindrücklichen Beispiel für den kulturellen Umbruch, den der Buchdruck mit sich gebracht hat; Handgeschriebenes galt hier gegenüber Gedrucktem so wenig, dass es zu Einbandzwecken verwendet wurde - heute wird ja häufig die Geringschätzung von Gedrucktem gegenüber digital Aufbereitetem beklagt: eine vergleichbare Erscheinung.

VD16 P 3260; BMSTC (German Books) 765 (unter Sacchi); Adams P 1416.

Best. Nr.: 639   4200,00 EUR
zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Historische Einbände, Kirchengeschichte, Papstviten]

PLINIUS SECUNDUS (d.Ä.), C(aius)
Historiae mundi libri XXXVII ex postrema ad vestustos codices collatione cum annotationibus et indice.

Basel, (Hieronymus) Froben (und Nikolaus Episcopus) 1539. Folio (36,1 x 24,5 cm). (18) Bll., 671 Ss., (1) S., (26) Ss., (88) Bll. Mit Metallschnitt-Druckermarke (3 x wiederholt) und zahlreichen größeren historisierten Initialen von Hans Holbein d.J. (in Metallschnitt) und mehreren kleineren (in Holzschnitt). Blindgepr. Schweinsleder d. Zt. über Holzdeckeln (nachgedunkelt, fleckig, Wurmlöcher, Ecken bestoßen [eine beschädigt], oberes Kapital lädiert) mit kleinem Bibliotheks-Rückenschild und zwei intakten Schließen. Nachdruck der Ausgabe von 1535, herausgegeben und kommentiert von S. Gelenius.

Bei der Druckermarke handelt es sich um die größere des Hauses Froben, die von Holbein entworfene. Die Mehrzahl der größeren, achtzeiligen Initialen stammen aus dem Alphabet mit alttestamentarischen und mythologischen Themen (Müller Nr. 140), verschiedene aus dem Hercules-Alphabet (Müller Nr. 139), einzelne aus den etwas kleineren mit mythologischen und genrehaften Szenen (Müller 141), alle entworfen von H. Holbein d.J., die beiden ersten geschnitten von J. Faber. Vier Initialen sind Nachschnitte des Holbeinschen Alphabets mit Kindern und Putten (Müller 133).

Sigismundus Gelenius (i.e. Zikmund Hrubý z Jeleni, ca. 1498 - 1554) war einer der wichtigsten Mitarbeiter im Verlagshaus Froben, v.a. als Herausgeber und als Übersetzer aus dem Griechischen. Nachdem er schon den Druck der B.-Rhenanus-Ausgabe des Plinius 1530 überwacht hatte, fungierte er für die Ausgaben 1535 und 1539 als Herausgeber und fügte seine eigenen Kommentare an.

C. Plinius Secundus (d. Ä., 23/4 - 79 n. Chr.) schuf mit der "Historia naturalis" das größte erhaltene Prosawerk der lateinischen Antike; basierend auf griechischen Autoren wie Aristoteles und Theophrast verwirklichte er in seinem Werk eine relativ strenge Systematik: Nach dem Index folgen 18 Bücher über die Natur als solche (Kosmologie / Astronomie, Geographie, Anthropologie, Zoologie und Botanik) und 18 über die Beziehungen zwischen Natur und Menschen (Heilmittel, Bodenschätze). Dieses Werk wurde normsetzend für spätere (vgl. DNP 9, Sp. 1135-1141).

Das Exemplar umschließt ein ungewöhnlicher Einband, der spätgotische Elemente mit solchen der Renaissance verbindet. Auf dem Vorderdeckel wird ein rechteckiges, mit Rautengerank und Einzelstempeln besetztes Feld von einer schmalen Rolle mit Flechtwerk eingefasst, daran schließen sich drei weitere Rollen an, eine mit den Einzelstempeln wie im Rautengerank, eine mit Wellenranke und Blattwerk und schließlich eine leere, die nur an den Ecken und Bundstellen mit den Einzelstempeln verziert ist. Der Rückendeckel zeigt eine vergleichbare Felderaufteilung, aber tls. differierenden Stempelbesatz. In dem rechteckigen Innenfeld formen Streicheisenlinien eine mit dem Flechtwerkstempel dekorierten Raute, in deren Mitte ein ungewöhnlicher Stempel sitzt: eine Rosette, umschlossen von kreuzförmig angeordnetem Blattwerk - Stempel, der wiederum ist rhombisch gefasst (die Ecken dieses Rhombus tragen Rosettenstempel). Eine Rolle - wieder mit dem Flechtwerk - schließt sich an, gefolgt von einer mit Einzelstempeln (Blattwerk mit Blüte und Krause) und der Wellenrankenrolle vom VD, zum Schluss erkennt man wieder die Leerrolle, in der die Ecken und Bundstellen erneut mit den Einzelstempeln von dem VD besetzt sind. Auffallend in dem inneren Feld sind diagonal verlaufende Streicheisenlinien, die von den Ecken des nächsten rechteckigen Feldes zu den jeweiligen Rhombusseiten führen (stellt man sie sich durchlaufend vor, ergeben sie ein Andreaskreuz) und auf diese Weise neue Felder bilden, die wiederum mit den Blattwerk-/Blütenstempeln (meist nur teilweise sichtbar) geschmückt sind. Der Rückendeckel ähnelt von der Felderaufteilung her dem, den Schlechter (Augenweide und Schutz. Einbände des 15. bis 17. Jqhrhunderts. Koblenz 2008) unter der Nummer 21 abbildet; die verwendeten Rollen und Stempel sind andere.  Auch die Entstehungszeit der beiden Einbände sind vergleichbar: Bei Schlechter sind die beiden Rollen datiert (1528 und 1531), der Einband umschließt einen Basler Druck von 1549. Zu einer Lokalisierung schreibt er: "Süddeutschland. Unbekannte Werkstatt". Dies lässt sich u. E. präzisieren: Die signifikante Ähnlichkeit in der Felderaufteilung des RD mit dem Typ 3 (Raute mit "Andreaskreuz") der Ottheinrichbände (s. v. Rabenau, Die Einbände der Heidelberger Hofbuchbinderei für die Grafen von Erbach. In: Bewahren und Erforschen. Michelstadt 2003. S. 191 mit Abb. 25, Deckelaufteilung Typ 3, zweites Schema von links) macht es wahrscheinlich, dass auch unser Einband aus der Pfalz stammt (v.a. auch angesichts der Tatsache, dass diese Deckelaufteilung selten vorkommt); mit der von v. Rabenau so genannten Heidelberger Hofbuchbinderei (J. Bernhardt, P. Betz u.a.) steht er nicht in Zusammenhang.

Ohne vorderen Vorsatz. Titel mit zwei Bsitzereinträgen (Henricus Altendorf, Jodocus Henricus Hoen, letzterer datiert mit 1726), einem alten Kaufvermerk, einem kleinen Namensstempel und einem ausgestrichenen Eintrag; vorderer Spiegel mit dem gleichen kleinen Namensstempel und einem neueren Besitzereintrag; hinterer Spiegel mit zwei kurzen Einträgen. Anfangs und im zweiten Teil zunehmend mit Wurmlöchern (Buchstabenverluste). Insgesamt ein gut erhaltenes Exemplar im originalen Zustand.

VD16 P 3540; Adams P 1566 (unvollst. Ex.); Schweiger II; 787; BM (German Books) 705; Ebert 17280.

Best. Nr.: 633   2900,00 EUR
zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Römische Antike, Naturwissenschaften, historische Einbände, Hans Holbein d. J.]

 

Pomponius MELA - Iulius SOLINUS - ANTONINUS Aug(ustus) - P(ublius) VICTOR - DIONYSIOS (Periegetes) Afer.

(De situ orbis). (Collectanes rerum memorabilium). Itinerarium Antonini Aug(usti) ubibus sequester. De regionibus urbis Romae. De situ orbis...

Venedig, Aldus, Oktober 1518. 8°. 233 Bll. (davon 1 weiß), (2) Bll. (von 3: ohne ein weißes). Aldus-Druckermarke auf Titel und letztem Bl. verso. Neues dunkelbraunes Leder mit Deckelprägung im Stil des 16. Jahrhunderts und goldgeprägtem Rückentitel. Einzige Aldus-Ausgabe. Publius Victor liegt hier als editio princeps vor, das Itinerar des Antoninus Augustus in zweiter, die Übersetzung des Dionysios wohl in dritter Ausgabe. Pomponius Mela schrieb Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christus das älteste erhaltene geographische Werk der Römer; intensiv rezipiert wurde es in der Frührenaissance (Boccaccio, Petrarca). Solinus (3. Jh. n. Chr.) verfasste eine eng an Plinius angelehnte Sammlung von Merkwürdigkeiten. Das Itinerar des Antoninus Augustus - in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. entstanden - ist eine wichtige Quelle für unsere Kenntnis der Topographie des Römische Reiches (trotz aller Ungenauigkeiten). 17 Hauptstrecken werden unterschieden, angeordnet nach Provinzen. Publius Victor hat eine Beschreibung der Stadt Rom verfasst, und Dionysios Periegetes aus Alexandrien schrieb seine Orbis descriptio unter Hadrian. Diese Geographie in Versform war bis ins 19. Jahrhundert ein vielgelesenes Werk, die hohe Wertschätzung im Mittelalter zeigt sich z.B. an dem ausführlichen Eustatius-Kommentar. Titel gebräunt, erste Bll. mit etwas Wasserrand, letzte Bll. mit kleinem restaurierten Wurmgang im unteren weißen Rand, dieses Stellen auch etwas fingerfleckig. Ein sauberes, tls. wohl schonend gereinigtes Exemplar. IA 154.267 (nur Dionysios; unter Antoninus diese Ausg. nicht verzeichnet); Renouard 83; Ald.-Slg. SBB 312; Schweiger II, 607 ("seltene Ausg."); Rossetti G-231; Adams M 1053; BMSTC (Italian Books) 432.

Best. Nr.: 110   4600,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Aldinen, Antike, römische Literatur, griechische Literatur, Geographie]

QUINTILIANUS, M(arcus) F(abius).
(Institutiones oratoriae).

Venedig, Aldus, August 1514. Kl.-4°. (4) Bll. (letztes weiß), 230 Bll. Mit wiederholter Aldus - Druckermarke auf Titel und letztem Bl. verso. Dunkelbraunes Leder d. 18. Jahrhunderts (Kanten, Gelenke und Fehlstellen des Rückendeckels restauriert, etwas fleckig) mit dezenter Blindpressung und goldgeprägtem Rückenschildchen. Grünschnitt. Erste Aldus-Ausgabe, einzige von "Aldo Il Vecchio". Quintilian (ca. 35 - 96 n. Chr.), in Rom als Rechtsanwalt und Rhetoriklehrer und später - unter Vespasian - als besoldeter Lehrer an einer Rhetorikschule tätig, hat mit seiner Einführung in die Rhetorik die ausführlichste systematische Darstellung dieses Themas aus der Antike hinterlassen. Auf Cicero basierend setzt er sich sowohl von den "Alten" (Gracchen, Cato d. Ä.) mit ihrer schmucklosen "Trockenheit" wie vom Manirismus einiger seiner jüngeren Zeitgenossen (z.B. Seneca) ab. In der Spätantike nur in Gelehrtenkreisen gelesen und im Mittelalter zu gut wie vergessen, entfaltete er seit der Renaissance eine enorme Nachwirkung, nachdem ein Exemplar der "Institutiones" anfang des 15. Jahrhunderts in St. Gallen entdeckt worden war. Titel und erste 3 Bll. angerändert (ohne Text- / Druckermarkenberührung), die erste Lage etwa 1 mm kürzer beschnitten als die übrigen (von einem anderen Exemplar dieser Ausgabe stammend?), 1 Bl. der zweiten Lage im Falz verstärkt. Titel, erste Bll. und letztes Bl. verso etwas stärker fingerfleckig, sonst ein überwiegend sauberes, stellenweise leicht (Bll. 120-124 stärker) wasserrandiges Exemplar mit vereinzelten in etwa zeitgenössischen handschriftlichen Marginalien. Renouard 113,6; Cat. Laurenziana 126; Ald.-Slg. SBB 213; Schweiger II, 842; BMSTC (Italian Books) 546; Adams Q 52. 

Best. Nr.: 130   4800,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

REGINO von PRÜM ( - ADALBERT von WEIßENBURG).
Annales, non tam de Augustorum vitis, quam aliorum Germanorum gestis et docte et compendiose disserentes, ante sexingentos fere annos editi...(hg. v. Sebastian von Rotenhan).

Mainz, Johann Schöffer 1521. Folio. (12), 58, (2) Bll. Mit Titelumrahmung in Holzschnitt, 2 blattgroßen Holzschnitten (Portrait und Wappen Rotenhans), 3 größeren Holzschnitt- Initialen sowie einer großen 15-zeiligen Initiale in Metallschnitt. Neues dunkelbraunes Leder (Ecken und Kanten etwas berieben); beide Deckel mit blindgepressten Kalbsleder-Einbanddecken des 16. Jahrhunderts (stark berieben, vordere Decke mit kleineren, hintere mit größeren Fehlstellen) bezogen. Editio princeps von Reginos Chronik und der Adalbert von Weißenburg zugeschriebenen Fortsetzung. Der Text Reginos endet fol. 50 verso. Der Text der Erstausgabe basiert nach Schleidgen auf einer Abschrift Peutingers (heute Br. Mus. [Sigle bei Kurze B2l bzw. A1g]) eines Freisinger Manuskriptes [Kurze: A 1] und einer weiteren Handschrift, heute in Karlsruhe, früher auf der Reichenau [Kurze: B 2i]. Die Überlieferung A enthält im Gegensatz zu B auch die Fortsetzung. Man geht heute davon aus, dass A eine von Adalbert stilistisch überarbeitete Version Reginos enthält (Frase S. 23 ff.). Die Titelumrahmung und die beiden blattgroßen Holzschnitte weist E. Thormählen (Gutenberg Jb. 1934. S. 148, 154) zusammen mit zahlreichen Illustrationen des Schöffer-Livius von 1523 Conrad Faber von Creuznach zu (wobei sie Rotenhan fälschlicherweise als Verfasser des Textes bezeichnet). Diese Zuschreibung ist bis heute umstritten: Benzing/Presser (500 Jahre Mainzer Buchdruck. S. 44 und 46) stimmen ihr - expressis verbis die Livius-Illustrationen heranziehend - z. B. genauso zu wie im wesentlichen Knaus (Gutenberg JB 1952. S. 82 ff.) und E. Geck (Mainzer Almanach. 1964. S. 149); vehement abgelehnt wird sie von Brücker (Conrad Faber von Creuznach. 1963. S. 96. Hier ausdrücklich unter Bezugnahme auf die beiden Regino-Holzschnitte). Die Titeleinfassung war in dem lateinischen Livius bei Schöffer aus dem Jahr 1518 erstverwendet worden. Regino (gest. 915), vielleicht von adliger Abstammung aus der Nähe von Speyer, wurde 892 für sieben Jahre Abt in Prüm, als der bis dahin amtierende, Farabert, infolge des Eindringens der Normannen in die Eifel geflüchtet war. Nach seiner Absetzung holte man ihn nach Trier, und dort übernahm er die Leitung von St. Martin. 915 starb er und ist in St. Maximin begraben (der Grabstein mit einer verstümmelten Inschrift wurde 1581 gefunden). In Trier begann er zu schreiben, neben seinem Hauptwerk, der Chronik, gibt es ein kleines Traktat "De armonica institutione", dem Erzbischof Radbrod von Trier gewidmet, und " De synodalibus causis et disciplinis ecclesiasticis", das älteste überlieferte Handbuch des Kirchenrechts, geschrieben im Auftrag Radbrods als Handreichung bei seinen Visitationsreisen. Die Chronik - zugeeignet dem Bischof Adalbero von Augsburg, dem Erzieher Ludwig des Kindes, des letzten ostfränkischen Karolingers, und möglicherweise zu dessen Unterricht gedacht - besteht aus zwei Büchern; das erste (wesentlich kürzere) reicht von Christi Geburt bis zum Tod Karl Martells, das zweite schließt hier an und endet mit dem Jahr 906: Die Beschreibung der Gegenwart war ein Hauptanliegen des Autors. Bis zum Tod Karls des Großen (814) bleibt Reginos Darstellung eng an seine Quellen angelehnt, dann wird sie selbständiger, hohen Quellenwert erreicht sie ab ca. 875 n. Chr. So "stellt [sie] eine bedeutende historiographische Leistung dar,...weil [der Autor] sich von der mit dem Aufstieg der Karolinger einsetzenden Beschränkung des Geschichtsbildes auf das Frankenreich als die Erfüllung der Weltgeschichte freigemacht hat" (Rau in FSGA VII, S. 8; bei ihm auch die obigen biographischen Details). Löwe (R.v.Pr. und das historische Weltbild der Karolingerzeit. 1952. S. 3 ff) zeigt darüber hinaus, wie der Chronist antike Wertmaßstäbe in seine christliche Geschichtsschreibung aufnimmt, teilweise verknüpft mit heidnisch-germanischen Tugendidealen. Darüber hinaus war er nicht nur der erste Universalchronist, der sein Werk mit Christi Geburt, nicht mehr mit der Erschaffung der Welt beginnen lässt, sondern als weitere Besonderheit von Reginos Chronik hebt R. Sonntag (Studien zur Bewertung von Zahlenangaben... S. 94 ff) hervor, "daß Regino von Prüm es ist, der die durchgehende Zählung nach Inkarnationsjahren erstmals in der Weltgeschichtsschreibung anwendet" (S. 109). Damit wird Regino ein Vorläufer W. Rolewincks, der in seinem "Fasciculus temporum" (ca. 1474 u.ö.) Christi Geburt als - jetzt auch retrospektiven - Ausgangspunkt auch der Profangeschichte nimmt und dieser im 12./13. Jahrhundert entwickelte Zählung mit seinem äußerst erfolgreichen Buch zum Durchbruch verhilft (s. van d. Brincken in: Archiv für Diplomatik 25, 1979, S. 18 ff.). Adalbert, Abt v. Weißenburg (und später - bis 981 - erster Erzbischof von Magdeburg) setzte Reginos Chronik bis ins Jahr 967 (Krönung des späteren Otto II. zum Mitkaiser in Rom) fort. Er gehörte zum engsten Kreis um den Reichsverweser, den Erzbischof Wilhelm von Mainz, und den jungen Otto II. während des 2. Italienzugs Ottos I. Als Abfassungszeitraum gelten die Jahre 966 - 968 (vgl. Lintzel S. 13). "Adalbert verfasste seine Fortsetzung aus dem Bewusstsein heraus, in einer Zeit zu leben, in der sich eine positive Wende vollzogen hatte...Die Epoche des Niedergangs, welche Regino beschrieben hatte, war beendet...An die Stelle eines von inneren und äußeren Krisen bedrohten Frankenreiches unter den Karolingern war ein erstarktes ostfränkisches Königreich getreten" (Frase S. 57). In der Befriedung des Reiches und in dem Aufbau einer dynastischen Kontinuität sieht nach Frase (S. 316) Adalbert die Hauptleistungen Heinrichs I. und v.a. Ottos I. Provenienz: Der Titel trägt 2 Besitzervermerke, einer davon lautet: "Ex Libris Francisci Du Molinet Domini De Rosoy 1653". Das Buch hat also dem Juristen Francois de Molinet (gest. 1695) aus Langres (Haute-Marne) gehört. Er war unter Ludwig XIV. königlicher Rat, oberster Staatsanwalt und Präsident des Regionalgerichts sowie der Vogtei in Langres; in seiner Heimatstadt wurde er auch zweimal zum Bürgermeister ernannt (s. Michaud XXVIII, 565). Wohl von seiner Hand stammt auch ein Kaufvermerk samt Preis (20 Livres) neben dem Besitzeintrag. Vorderer Vorsatz und Spiegel alt, hintere mit älterem Papier erneuert. Vorderer Spiegel mit handschr. altem Eintrag in brauner Tinte zu dieser Edition, und einem neueren in Blei, den ersteren kommentierend und richtigstellend; darunter - wieder in einer alten Schrift - der Name "Paulus Warnefridus" (wohl Diaconus, der eine der wichtigsten Quellen Reginos darstellt) mit Bezug auf eine Textstelle. Im Text vereinzelte Randbemerkungen, hin und wieder An- und Unterstreichungen mit alter brauner Tinte und neuere Annotationen in Blei (jeweils von den gleichen Händen wie auf dem Spiegel). Ein Blatt mit kleinem Eckabriss (keine Textberührung); durchgehend schwach gebräunt, die äußeren Ränder etwas wasserfleckig, stellenweise mit Fingerflecken oder unwesentlich braunfleckig. Ein insgesamt sauberes, frisches, sehr breitrandiges Exemplar dieses seltenen Drucks. VD 16, R 599; Roth ( Schöffer) 75; Adams R 276; BMSTC (German Books) 728; Ebert 19018 ("sehr seltne erste Ausg.").

Best. Nr.: 144   3900,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Chroniken, mittelalterliche Geschichte, Karolinger, Sachsen, Ottonen, Erstausgaben, illustrierte Bücher]

 RONDELETIUS, Gulielmus.
... Libri de Piscibus Marinis, in quibus verae Piscium effigies expressae sunt...

Lyon, Matthias Bonhomme 1554. Folio. (8) Bll., 583 Ss., (12) Bll. Mit einem Portraitholzschnitt, ca. 260 Darstellungen von Meerestieren in Holzschnitt, zahlreiche Initialen und eine Druckermarke, alles ebenfalls in Holzschnitt. Pergament d. 18. Jahrhunderts (fleckig, Deckel etwas aufgebogen) mit blindgeprägten Stehkantenfileten und goldgeprägtem Rückentitel. Erstausgabe dieses Teils. Ein Jahr später ist ein zweiter Teil, ebenfalls bei Bonhomme in Lyon, erschienen. Eines der frühesten gedruckten Fischbücher, beschrieben werden 265 Arten. Lt. Nissen (Fischbücher S. 13) gilt Rondelets Werk als das bedeutendste der drei illustrierten Fischbücher aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, die in ihre bildlichen Darstellungen erstmalig die mittelalterlichen Fabelwesen nicht mehr aufgenommen, sondern sich stärker an der Realität orientiert haben. Spiegel und Vorsätze aus dem 18. Jahrhundert, vorderer Spiegel mit Kaufeintrag. Titel recto mit Besitzereintrag aus dem Jahr 1696 und kleiner Jahrezahl, verso mit Namenseintrag von 1776. Durchgehend leicht gebräunt (einige Bll. stärker), stellenweise etwas stock- oder fingerfleckig. Oberer Rand knapper beschnitten, dadurch die Kopfzeile von ein paar Bll. leicht tangiert (überweigend Registerblätter). Mitunter handschr. Marginalien, einige umfangreicher. Adams R 746; Baudrier X, 239; Gültlingen VIII, 203, Nissen ZBI 3474; Nissen (Fischbücher) 105.

Best. Nr.: 173   3200,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Fischbücher, illustrierte Bücher, zoologische Buchillustration]

RULAND d. Ä., Martin
Synonyma. Copia Graecorvm verborvm omnivm absolvtiss. Antehac nusquam terrarum visa: pro Graece loqui & scribere perquam facile, bene ac copiose volentibus summo labore collecta: & postremo nunc ita (quod sequens pagella ostendet) aucta & emendata, ut mirifico vsui omnibus esse possint.

Augsburg, Matthias Franck 1567. 8°. (464) Bll. (das 7. weiß). Blindgepreßter, monogrammierter und datierter Schweinslederband über Holzdeckeln (nachgedunkelt, etwas berieben und bestoßen, obere Hälfte des vorderen Gelenks angerissen) mit verblasstem handschriftl. Rückentitel und Schließenresten. Zweite Ausgabe. Sehr selten (auf keiner deutschsprachigen Auktion seit 1950 nachweisbar). Martin Ruland (1532/Freising - 1602/Prag), war ein bedeutender Arzt und Alchemist seiner Zeit; zunächst "Professor der Arzneiwissenschaft am Gymnasium zu Lauingen" (ADB XXIX, 634) wurde er später Leibarzt Kaiser Rudolfs II. Neben medizinischen Schriften veröffentlichte der das vorliegende griechische Synonymwörterbuch mit lateinischen Stichwörtern, das bis zum Ende des 16. Jh.s noch zahlreiche Auflagen erlebte, und eine griechische Grammatik. Der gut erhaltene Einband trägt zwei Platten mit den Sieben Freien Künsten; auf dem Vorderdeckel vier weibliche Figuren in zwei Reihen untereinander, jede unter einem Bogen: Grammatica(mit langem Schlüssel und offenem Buch) - Dialectica - Rhetorica (beide mit einer Rolle) - Arithmeti(ca((auf Zahlen zeigend und mit kleinen Schlüsseln); auf dem Rückendeckel ebenfalls vier weibliche Figuren unter Architekturbögen: oben Musica (zwei Figuren: eine Geige, die andere Gitarre spielend), unten Geometria (mit Kompass und Winkeleisen) und Astronomia (mit Globus). Auf jeder Platte sind die unteren Bögen abweichend von den oberen. Die zweite Platte ist datiert (1566) und mit dem Monogramm "AG" versehen. Haebler (I, S. 132) weist dies den Wittenberger Buchbindern Andreas Güttig oder Arnold Genschel zu (Platten I und III). Umgeben werden beide Platten von einer Tugendenrolle (Spes - Fides - Temperantia - Charitas als Ganzkörperfiguren) mit dem Monogramm "H P" (Hans Pfister, Nürnberg / Haebler I, S. 329, Rolle 3). Zusätzlich sind auf dem Vorderdeckel ein Besitzermonogramm "A MITZL / POMERANUS" und das Datum 1569 aufgeprägt. Abbildung und Beschreibung der Platten: Goldschmidt Nr. 240 mit Abb. XCV (die Rolle abweichend von unserem Einband, ebenso Besitzermonogramm und Datum auf dem Vorderdeckel); s. dazu auch v. Rabenau in: Von der Macht der Bilder. Beiträge des C.I.H.A.-Kolloquiums "Kunst und Reformation, S. 323 (allerdings ohne einen Beleg für Artes-liberales-Platten). Ohne vorderen Vorsatz. Titel mit alten Besitzereinträgen. Durchgehend leicht gebräunt, tls. etwas wasser- oder stockfleckig. Anfangs gering wurmstichig (minimaler Buchstabenverlust). VD 16, R 3689. Nicht im BMSTC und nicht bei Adams.

Best. Nr.: 169   1350,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Griechische Sprache, historische Einbände]

SLEIDANUS (d.i. Philippi), Johannes
Commentariorum de statu religionis & Reipublicae, Carolo Quinto CarsareLibri XXVI. Vna cum apologia ab ipso Authore conscripta...

Straßburg, Theodosius Rihel (um 1560). 8°. (8) Bll., 872 Ss., (12) Bll. (die beiden letzten weiß). Mit Holzschnitt-Druckermarke. Blindgepresstes Schweinsleder d. Zt. über Holzdeckeln (etwas nachgedunkelt und fleckig, Ecken und Unterkanten bestoßen, Vorderdeckel ganz gering, Rückendeckel etwas stärker berieben), zwei Rückenschildchen (der untere mit Registriernummer), über dem oberen handschr. Rückentitel (mit anderer Registriernummer). Zwei originale Messingschließen (bei einer der Schließhaken großenteils abgebrochen, die andere intakt). Noch frühe Ausgabe (EA: 1555). Johannes Sleidanus (1506 - 1556), mit bürgerlichem Namen J. Philippi, wandte sich frühzeitig der Reformation zu, und nachdem er einige Jahre als Sekretär der Brüder du Bellay die Kontakte zwischen Frankreich und dem Schmalkaldischen Bund gepflegt hatte, erreichte er eine Anstellung beim Schmalkaldischen Bund als Reformationshistoriker. Als jemand, der Zeitgeschichte darstellte, erntete er manche Vorwürfe, die er in einer "Apologia" zu entkräften suchte; sie wurde aber erst postum den zahlreichen Ausgaben hinzugefügt. Methodisch stützte er sich auf Quellen (obwohl dies zu seiner Zeit völlig unüblich war, wurden ihm einige Archive geöffnet oder hat man ihm zumindest ausgewähltes Material zugänglich gemacht), die er in teils ausführlichen Referaten zur Sprache kommen lässt. "Es ist die Methode, die nachmals in der im 17. und 18. Jahrhundert...angewandt wurde" (Ehmer in Historiographie am Oberrhein. S. 242). Dank seiner kritischen Distanz zu den Quellen war sein Werk auch in nichtprotestantischen Kreisen erfolgreich, und sie stellten "bis zu Ranke das grundlegende Geschichtswerk über die deutsche Reformation" dar (Ehmer a.a.O.). Sleidanus löst sich dabei vollständig von autobiographischen Zugängen zu seinem Thema, er argumentiert strikt historisch; mit dem Ablass-Streit setzt das Werk ein und markiert das Jahr 1517 als eine Zeitenwende, und es reicht bis ins Jahr 1556, in dem der Autor starb. Der gut erhaltene Einband zeigt auf beiden Deckeln den gleichen Dekor: Außen eine Tugenden-Rolle (Spes-Fides-Carit[as]) mit Ganzkörperfiguren und Blattwerk über den Köpfen, innen eine Platte mit Unterschrift in einer Kartusche ("I REGVM / XVI. CAP."). Über und unter der Platte jeweils ein rechteckiger waagerechter Rahmen mit Blüten- und Blätterstempeln. Vorderer Spiegel mit längeren datierten Besitz- und Schenkungsvermerk (von 1611, auf einen Pfarrer Cristophorus Christen bezugnehmend). Vorderer Spiegel mit weiterem (wohl späterem) Besitzereintrag. Titel am unteren Rand mit großenteils abgeschnittenem altem Eintrag. Vorderes Gelenk innen gerissen. Durchgehend leicht bis mäßig gebräunt, stellenweise kleinere Braunflecke; erste Lagen mit schwachem Wasserrand außen. Verschiedentlich handschr. alte Marginalien sowie Annotationen, Unterstreichungen oder Unterstrichelungen mit Tinte im Text. V. d. Vekene (Sleidanus) E/a 020.F; Muller (Th. Rihel) 1; Adams S 1294; diese Druckvariante nicht im VD 16, dort zwei andere (S 6679 und 6680); so auch nicht im BMSTC (German Books).

Best. Nr.: 149   2600,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Geschichtsschreibung, Reformationsgeschichte, historische Einbände]

SOPHOKLES
(Griech.:) Tragodiai hepta... Tragoediae septem...

Frankfurt, P. Braubach 1555. 8°. 417 Ss., (1) S. (von 422 : ohne die beiden weißen Schlussblätter). Mit einigen Holzschnitt-Initialen. (Angeb.:) LUKIANUS: Dialogi ... selectiores, Superorum, Marinorum & Inferorum. Quibus additi sunt Prometheus, sive Caucasus. Menippus, seu Necyomantia. Timon vel Misanthropos...Straßburg, Gebr. Cephalaeos (= Köpfel) 1556. 8°. (8) Bll. (die beiden letzten weiß), 130 Bll. (das letzte falsch paginiert ["116"]), (6) Bll. Holzschnitt-Druckermarke auf letztem Bl. verso. Blindgepr. Schweinsleder d. Zt. über Holzdeckeln (stark nachgedunkelt und berieben [v.a.Ecken und Kanten sowie Bünde], Rückendeckel wasserrandig, Rücken mit vereinzelten Wurmgängen); Schließenreste. I: Dritte Braubach-Ausgabe im griechischen Original. Braubach druckte 1555 neben dieser Ausgabe auch eine in 4to; die kleinformatigere ist die mit Abstand seltenere: Weder Schweiger noch Hoffmann kennen sie, ebesowenig Adams oder Graesse, im Besitzstandsverzeichnis des VD 16 gibt es nur 3 Exx. II: Zweisprachige Auswahl - Ausgabe (griech.- lat., wohl zweite bei den Gebr. Köpfel), ebenfalls sehr selten (weder bei Schweiger noch bei Hoffmann). Benzing (Buchdrucker S. 420) schreibt, dass aus der Straßburger Zeit der Gebr. Köpfel insgesamt nur wenige Drucke überliefert seien (so listet Muller lediglich 8 auf und Adams keinen). Ihre Druckermarke ähnelt sehr derjenigen, die H. Weiditz um 1523 für ihren Vater Wolfgang Köpfel entworfen hat (Grimm, Signete, S. 126. Friedländer, Weiditz, S. 10 [mit Abb.]). I: Sophokles (ca. 496 - 406 v. Chr.), der mittlere der drei großen attischen Tragiker, verfaßte ca. 130 Tragödien, von denen nur 7 erhalten sind; daneben gibt es noch umfangreichere Bruchstücke eines Satyrspiels (die in den frühen Ausgaben nicht enthalten sind). In einer Zeit, in der Athen sich unter Perikles anschickte, mittels des Attischen Seebundes ein Imperium aufzubauen, und in der traditionelle religiöse Werte in Frage gestellt wurden (in der Philosophie vertraten die Sophisten einen ausgeprägten Rationalismus, der wirtschaftliche Aufstieg Athens rückte materielle Werte stärker in den Vordergrund, die realen politischen Machtstrukturen waren sehr auf die Person des Perikles zugeschnitten, die Selbstdarstellung städischer Macht in Kultur und Architektur war eine wichtige Säule Perikleischer Politik) versuchte Sophokles - selbst Priester des Halon-Kultes - , vor Selbstüberschätzung zu warnen und die Unwandelbarkeit der Ratschlüsse der Götter eindringlich vor Augen zu führen. Großen Wert legte er auf die Komposition des einzelnen Stücks, und so hat 100 Jahre später Aristoteles die Sophokleischen Aufbauprinzipien zur Grundlage seiner Tragödientheorie gemacht, und die wiederum wurde bis in die Neuzeit Dreh- und Angelpunkt europäischer Beschäftigung mit der Tragögie, v.a. bei französischen und deutschen Autoren. II: Lukianus (um 120 - um 180 n. Chr.) stammt aus Samosata im heutigen Syrien und war wohl Kind armer Leute. Als wandernder Redner sehr erfolgreich durchreiste er das damalige Römische Reich, im Alter nahm er eine feste Stelle in Ägypten an, die ihm ein ruhigeres Leben ermöglichte. Von seinem umfangreichen Werk vereinigt diese Ausgabe die Göttergespräche (aufgeteilt nach Himmels-, Meeres- und Unterweltsgöttern), die stofflich in der Tradition der attischen Komödie stehen, formal sich an sokratisch-platonische Dialoge anschließen, mit drei Texten, die auch formal sich stärker an der Komödie orientieren (Prometheus, Timon, Menippos). In der deutschen Literatur der Goethezeit fand Lukianus in Wieland einen kongenialen Übersetzer. So "entstand der deutsche Lukian, der uns den griechischen umso lebhafter darstellen musste, als Verfasser und Übersetzer für wahrhafte Geistesverwandte gelten können" - so Goethe in einem Nachruf auf Wieland von 1813 (Art. Ausg. 12, 703). Der Einband ist auf beiden Deckeln mit einer äußeren Rolle und einer zentralen Platte dekoriert trägt das Buchstaben-Supralibros "BWG" und das Datum 1560. Spiegel und Vorsatz vorn mit verschiedenen Einträgen: der älteste Besitzereintrag von 1562, ein Schenkungsvermerk datiert "Jena, 21. 5. 1884" an einen Adolf Pfeifer. Hinterer Spiegel ebenfalls mit altem handschr. Eintrag. I: Titel und S. 8 in Rot und Schwarz gedruckt, Titel mit alten handschr. Einträgen. Die ersten Lagen mit umfangreichen hand- schr. Marginalien, diese im weiteren Verlauf abnehmend. Durchgehend mäßig gebräunt, Titel und erste Bll. stärker, sonst schwach fingerfleckig, tls. im Bund oder an unterer Ecke mit Wasserrand. Letztes Bl. mit kleinem Randeinriss oben. II: Titel mit handschr. Eintrag und mit Ausfransungen im unteren Rand; durchgehend mäßig gebräunt, stellenweise etwas fleckig; v.a. gegen Ende mit Wasserrand. Letztes Bl. stärker angeschmutzt. I: VD 16, S 7036; BMSTC (German Books) 820; vgl. auch Löwe in: Gutenberg Jahrbuch 1940, S. 309. II: VD16 ZV 9918 (mit nur 4 Exx.: Wien und 3 in Deutschland); Muller (P. & Ph. Koepfel) 5 (nur das Wiener Ex.). Weder bei Ritter noch bei Benzing.

Best. Nr.: 151   2800,00 EUR

zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

 

  1. Exemplar höchstwahrscheinlich aus dem Vorbesitz des Ferrareser Humanisten und Strozzi-Freundes Daniele Fini

    Eine ausführliche Beschreibung finden Sie unter dem Menuepunkt "Das besondere Buch" mit den Unterseiten 1 - 4.

    Strozzi (, Ercole & Tito "Vespasiano?): Strozii poetae pater et filius. Venedig, Aldus & Asolanus 1513 (nach venezianischem Kalender, nach sonst in Europa gültigem 1514).

  1. 8°. (8), 99 Bll., (1) Bl., 152 Bll. Mit Aldus-Druckermarke (Fletcher Nr. 11) auf Titel und letztem Bl. verso. Goldgeprägter Pergamenteinband d. 16. Jahrhunderts (nachgedunkelt, fleckig, berieben [auch die Goldauflage], in späterer Zeit neu aufgebunden und mit neueren Vorsätzen versehen), ohne die Bindebänder. Erste Aldus-Ausgabe, erste Werkausgabe; von grosser Seltenheit. Die zweigeteilte Ausgabe enthält zunächst die Lieder und Epigramme des Ercole, im Anschluss daran die Schriften seines Vaters Tito "Vespasiano" (6 Bücher Erotica, 3 Bücher Aeolosticha, 1 Buch Sermones).
  2.                                                                            Best.-Nr. 637   14 000,00 EUR
    Ein interessanter Raubdruck des 16. Jahrhunderts ("Pseudo-Aldine") in einem Einband des Wittenberger Binders Hans Cantzler

    STROZZI (, Ercole & Tito "Vespasiano?).
    Strozii poetae pater et filius.

    (Basel, B.Westheimer um 1545). 8°. (8), 259 Bll., (1) Bl. (weiß). Mit Aldus-Druckermarke auf Titel. Blindgepr. Leder d. Zt. (etwas berieben, fleckig, oberes Kapital beschädigt, Ecken bestoßen) mit handschr. Rückentitel. Die Originalausgabe (Venedig, Aldus 1513) wurde 1530 von S. de Colines nachgedruckt, unsere Ausgabe ist wiederum ein Raubdruck von dessen Edition. Selten.

    Diese Pseudo-Aldine entspricht inhaltlich dem Original, ist aber nicht seitengleich gedruckt. Das liegt daran, dass die von Westheimer verwendete Type der Aldusschen ähnelt, aber nicht mit ihr identisch ist. Fletcher widmet den Pseudo-Aldinen in seinem Katalog ein eigenes Kapitel und weist darauf hin, dass v.a. Aldus? Klassikerausgaben im Taschenbuchformat ("portable library") schnell ihren Markt fanden und so Raubdrucker animierten, an dem Erfolg zu partizipieren. Da halfen dem venezianischen Drucker auch seine Privilegien, die ihn vor Nachdrucken schützen sollten, nicht viel:Sie schützten ihn im Wesentlichen nur im Geltungsbereich des venezianischen Rechts (s. Fletcher S. 55).

    Die zweigeteilte Ausgabe enthält zunächst die Lieder und Epigramme des Ercole, im Anschluss daran die Schriften seines Vaters Tito "Vespasiano" (6 Bücher Erotica, 3 Bücher Aeolosticha, 1 Buch Sermones). Ähnlich wie bei der Erstausgabe von Bembos "Asolani" eröffnet der während seiner Studien in Ferrara (bis 1482) ebenfalls dem dortigen Humanistenkreis zugehörige Aldus Manutius auch diesen Druck mit einer Vorrede an Lucrezia Borgia. Beide Strozzi gehörten zum Kreis des Ferrareser neulateinischen Humanismus und - wie Pietro Bembo - zu den Bewunderern Lucrezia Borgias; Tito (1425-1505) legte sich - wohl um 1460 - den Beinamen "Vespasiano" als Anspielung auf den gleichnamigen römischen Kaiser zu. Literarische Bedeutung erlangte er - der Günstling der d?Este-Fürsten von Ferrara, v.a. Borsios - als Wiedererwecker der lateinischen Bukolica-Dichtung; neben Liebes- und Preislyrik hat er ein - nicht vollendetes - Epos auf die d?Estes geschrieben ("Die Borsias"), das erst im 20. Jahrhundert ediert wurde.

    Auch gesellschaftlich-politisch machte er "Karriere": er brachte es bis zum Mitglied im obersten Richterkollegium Ferraras (später setzte er seinen Sohn als Amtsverweser ein); von Borso d?Este erhielt er verschiedenen repräsentative Landgüter geschenkt, eines an einem Seitenarm des Po, dem Sandalo (heute am Rand des Dorfes Quartesana an der Lagune von Comacchio); 1484-89 war er Statthalter in Logo, und als solcher leitete er 1485 eine Gesandtschaft nach Rom. Von Ercoles (geb. 1471) zahlreichen Gedichten an Lucrezia Borgia ist v. a. Totenklage auf Cesare Borgia von 1508 bekannt geworden. "Dies barocke Gedicht ist durch die Auffassung dieses Menschen merkwürdig, und fast darf man es das poetische Seitenstück des ?Fürsten? Machiavellis [für den Cesare Borgia möglicherweise das Vorbild abgab] nennen" (F. Gregorovius, Lucrezia Borgia. Neudruck München 1991. S. 267). Die Geburt des Thronfolgers im gleichen Jahr war einer von vielen weiteren Anlässen für Preislyrik. Sogar die Umstände seines Todes trugen zum Ruhm des jüngeren Strozzi bei: "Dreizehn Tage [nach seiner Hochzeit mit Barbara Torelli], am Morgen des 6. Juni [1508], fand man den Dichter an der Ecke des Palastes Este, welcher heute Pareschi heißt, tot niedergestreckt, gehüllt in seinen Mantel, mit zerrauftem Haar und bedeckt mit zweiundzwanzig Wunden. Ganz Ferrara war bestürzt: denn Strozzi war der Ruhm dieser Stadt, einer der geistvollsten Dichter seiner Zeit, ein Liebling aller Mitstrebenden, Freund Bembos und Ariostos, Günstling der Herzogin, hochangesehen bei Hofe. Nach seines Vaters Titus Tode bekleidete er dessen Stelle als Haupt der zwölf Richter Ferraras. Er stand noch in der Blüte seines Lebens; erst siebenundzwanzig Jahre hatte er erreicht" (Gregorovius a.a.O. S. 269). Lucrezias Mann, der regierende Fürst Alfonso d?Este, geriet - nach dem, was man heute weiß, wohl berechtigterweise - in den Verdacht, aus Eifersucht die Tat veranlasst zu haben (Strozzi gehörte nicht nur zu den intimsten Vertrauten Lucrezias, er war auch häufig Überbringer sehr persönlicher Botschaften an sie und von ihr [Schüller-Piroli S. 161 ff.]), aber auch Lucrezia selbst wurde der Mord angelastet, angeblich hatte sie ihn initiiert, um ihr früheres Verhältnis zu Bembo, von dem Strozzi wohl gewusst hat (schließlich haben beide sich auf dem Landsitz der Strozzis kennen gelernt, während Bembo dort an den "Asolani" arbeitete [Schüller-Piroli S. 123 ff.]), geheim zu halten. Seinen Nachruhm verdankt er nicht zuletzt Ariosto, der ihn in einer Stanze als den Herold von Lucrezias Ruhm bezeichnet (Gregorovius a.a.o. S. 270).

    Der Einband ist datiert (1574) und mit einem Besitzermonogramm versehen (VDS), beides in Schwarzprägung. Die Blindprägung zeigt auf dem Vorderdeckel eine Doppelplatte (Haebler I, 75, XXVIII, nicht in EBDB): Simson schlägt die Philister (oben) und reitet einen Löwen (unten), umgeben von einer schmalen Wellenrankenrolle (wohl EBDB r003834; eindeutig bei Schunke, Dresdner Blinddruckbände. In: AfB 27, Abb. Nr. 43). Die Rückseite trägt eine größere Platte (Haebler I, 74, XIII, nicht in EBDB): Fortuna stehend nach rechts, unter dem Glücksrad das Monogramm "H C" = Hans Cantzler (EBDB w003993), Unterschrift: "Fortuna Vitrea Est Cum / Maxime Splendet Frangi[tur]", umgeben von der gleichen Rolle wie auf dem VD; auf beiden Deckeln befindet sich über und unter den Platten jeweils ein schmales rechteckiges Feld, das mit Einzelstempeln (Blatt herzförmig - EBDB s033661, Rosette - EBDB s033660) dekoriert ist. Der Rücken ist mit einem waagerecht aufgebrachten Flechtbandmotiv geschmückt (nicht in EBDB).

    Titel mit zwei Stempeln des Augustiner-Eremitenklosters in Münnerstadt, am oberen Rand ein auf die Rückseite leicht durchschlagender Übertragungsvermerk (Ad usum ...), darunter das Datum 1803; in diesem Jahr wurde das Kloster im Rahmen der Säkularisierung aufgelöst. Durchgehend leicht gebräunt und im Falz gering braunfleckig, die letzten ca. 30 Ss. wasserrandig. VD16 S 9738; Renouard I/99; Adams 1958; Ald.-Slg. SBB 477. Nicht in Pierpont Morgan Library (vgl. Fletcher S. 128/29).

    Best. Nr.: 638   2600,00 EUR
    zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

    [Pseudo-Aldinen, Raubdrucke, Neulateinische Literatur, Ferrara, Humanismus, historische Einbände]

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Griechische Literatur, Antike, Drama, historische Einbände]

SYNESIOS von KYRENE.
Epistolae lectu dignitissimae, in utriusque linguae studiosorum gratiam Graece ac Latine editae: Thoma Naogeorgo Straubingensi interprete.

Basel, J. Oporinus (1558). Kl.-8°. (24) Bll., S 17-515 (so komplett), (1) S. (weiß). Mit einigen Holzschnitt-Initialen.(Angeb.): (Pseudo-)PHALARIS von AGRIGENT: Epistolae doctissimae, Graece ac Latine. Thoma Naogeorgo interprete. Basel, J. Oporinus (1558). Kl.-8°. 253, (3) Ss. (letzte weiß). Pergament d. Zt. (fleckig, Rücken lädiert) mit handschr. Rückentitel und Rückenschild mit Laßberg-Bibliothekssignatur und Jahrszahl der Drucke; ohne die Bindebänder. I: Zweite Einzelausgabe des griechischen Textes, erste zweisprachige. II: 5. Ausgabe des griechischen Textes, zweite zweisprachige. Hieronymus schreibt zu der fehlenden Lage a des Synesios: "1551/52 und nochmals zu Anfang 1552 hatte Naogeorg (Kirchmeyer, 1511-1563) in Basel geweilt, 1557-59 ist er in Stuttgart. Sein Widmungsbrief an Bürgermeister und Rat des seinem Geburtsort nahe gelegenen Straubing datiert von Stuttgart, 1. März 1559; er ist somit mit seinen über 40 Seiten fast ein Jahr nach dem Abschluss des Druckes des Synesios- Textes und der Übersetzung abgeschlossen worden und in Basel eingetroffen. So geht er auf drei Lagen - anstelle einer Lage a - der Lage b voraus". Synesios von Kyrene (ca. 370 - um 415 n. Chr.) gehört zur sog. alexandrinischen Schule des Neuplatonismus, d.h. zu der Richtung in der Nachfolge Plotins, die Wissenschaftlichkeit höher ansetzte als religiös-metaphysisches Denken. So hat er in seinem späteren Amt als Bischof (ab 410; es wird überliefert, daß er sich erst nach seiner Wahl habe taufen lassen) keinen Widerspruch zur Philosophie gesehen. Besonders in seinen Hymnen wird die Verbindung von Christentum und Philosophie thematisiert. Seine zahlreichen Briefe stellen ein wichtiges Zeugnis seines Denkens dar und bieten zugleich anschauliche Einblicke in die Zeit. "So stellt denn die Sammlung (der Briefe), die 156 von ihnen umfasst, für uns ein Stück Biographie und Kulturgeschichte dar, hinter dem die achtungsgebietende Persönlichkeit des gebildeten Verfassers sichtbar wird" (Lesky S. 987). Phalaris, von 570 - 555 Tyrann von Akragas (Agrigent) und in der Überlieferung das Urbild des furchtbaren Tyrannen, wird schon seit dem Ende des 17. Jahrhunderts nicht mehr als Autor der unter seinem Namen überlieferten Briefsammlung gesehen. Provenienz: 1. Titel mit drei Besitzereinträgen von 1559 (Samuel Pellicanus), 1563 und 1653 (J.G.Brenner). Samuel Pellicanus (Kürschner), geb. 1527, gest. 1564, Sohn von Conrad P., der in Zürich zu den engen vertrauten Zwinglis gehörte und einer der bedeutendsten Beiträger zur Züricher Bibelübersetzung wurde, wird von Johann Wilhelm Stucki zu seinen wichtigsten Lehrern in Zürich gerechnet. Nach dem Studium in Basel arbeitete er als Lehrer in Zürich und Winterthur, bis er 1557 eine Funktion in der Schülerbetreuung am Münster in Zürich erhielt (vgl. Bietenholz III, S. 66). 2. Bibliothek Lassberg. Vorderer Spiegel mit wiederholter Bibliothekssignatur und Besitzereintrag Lassbergs. Vorderer Vorsatz alt beschrieben mit einem Text über Synesios, beide Vorsatzbll. in der Bindung gelockert. Durchgehend leicht gebräunt, v.a. an den Rändern etwas braun- oder stockfleckig, insgesamt aber gut erhalten. I: VD 16, S 10412; Hoffmann III, 465; Hieronymus/GG 467; BMSTC (German Books) 846 (fälschlich auf 1559 datiert); Adams S 2208. Nicht bei Schweiger. II: VD 16, P 2431; Hoffmann III, 54; Schweiger I, 226; Hieronymus/GG 269; BMSTC (German Books) 691; Adams P 976.

Best. Nr.: 171   2150,00 EUR

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[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Antike, griechische Literatur, zweisprachige Texte]

 

TACITUS, G (aius) Cornelius
Opera quae exstant. Ad Exemplar quod I. Lipsius quintum recensuit ...

Paris, A. Drouart 1599 (dritter Teil: 1590). Drei Teile in einem Band. 8°. (2) Bll., 790 Ss., (1) Bl. (weiß), (12) Bll., 568 Ss., (24) Bll. (letztes weiß), 24 Bll. Mit wiederholter Druckermarke und verschiedenen Zierstücken in Holzschnitt. Prachtvoller goldgepr. roter Maroquineinband mit Wappen des Gerichtshofes von Franche-Comté in Dole auf Vorder- und Rückendeckel (kaum berieben, Vordergelenk beschabt) ohne die Bindebänder; dreiseitiger Goldschnitt (etwas abgegriffen).

Seltene und umfassend kommentierte Ausgabe. Sie umfasst die Werke des Tacitus, den Kommentar von Iustus Lipsius sowie in dem kurzen dritten Teil die Anmerkungen des Josias Mercerus (diese in der Ausgabe Paris, A. Drouart 1590).

Tacitus (ca. 55 - ca. 120 n. Chr.) hat mit seinem historisch-politischen Schrifttum bis in die Neuzeit hinein gewirkt. In der Lebensbeschreibung seines Schwiegervaters Agricola (De vita Julii Agricolae) portraitiert er einen römischen Senator, der auch unter einem böswilligen Kaiser (Domitian) senatorisch-adlige Tugenden bewahrt; Agricolas militärische Erfolge als Statthalter in Britannien werden dabei eher überzeichnet. De origine et situ Germanorum, die Schrift über Lebensraum und Sitten der Germanen, urteilt strikt aus römischer Perspektive: je weiter von den Grenzen des Römischen Reiches entfernt, umso wilder gebärden sich die Germanen. Tacitus? Angaben über Herkunft und Sitten stellen - trotz vieler Ungenauigkeiten - eine erste Ethnographie der Germanen dar. Außerdem hat er einen klaren Blick für ihr militärisches Potential: In seinen Augen stellen sie die Hauptfeinde Roms dar. Der Dialog über die Redner (Dialogus de oratoribus) zeigt eine interessante Gegenbewegung: Je höher das Niveau der Rhetorik, umso fragiler die staatliche Ordnung. Die beiden historischen Hauptwerke sind nur unvollständig überliefert. Die Historiae behandeln den Zeitraum der flavischen Kaiser (69 - 96 n. Chr. Anhand des Vierkaiserjahres (69) gestaltet Tacitus die Fragilität des römischen Systems, die v.a. im Versagen und in der Opportunität der tragenden politischen Gruppen liege: des Senates, der stadtrömischen Bürgerschaft und des Heeres. Die Annales greifen weiter zurück und stellen den Zeitraum von der Machtübernahme des Tiberius bis zum Tod Neros dar (14 - 68 n. Chr.). Auch hier zeichnet der Autor ein überwiegend negatives Charakterbild der Kaiser. Ordnungspolitische vertritt Tacitus aristokratische Vorstellungen mit Beteiligungrechten der senatorischen Oberschicht, lehnt aber eine Demokratisierung, die das Volk einbeziehen würde, ab; Chaos wäre seiner Ansicht nach die Folge.

Der ausgezeichnet erhaltene Einband zeigt auf Vorder- und Rückendeckel den gleichen goldgeprägten Dekor: auf einen schmalen umlaufenden äußeren Fries folgt ein großes Mittelfeld mit arabeskenartigen, sehr fein gearbeiteten Eckstücken und einem ovalen Mittelstück; das trägt am oberen Rand einen Engelskopf mit Flügeln und rundherum eiförmige Bordürenverzierungen. Innen befindet sich das Wappen der Franche-Comté mit dem von Lorbeerzweigen und auf jeder Seiten von einem in eine Andreaskreuz verschlungenen Hobel eingefassten, gekrönten und bewehrten Löwen mit der umlaufenden zweigeteilten Devise "VIGILAT ET CUSTODIT / SUPR DOLAE SEN COMIT BURG" (frei übersetzt: "Es wacht und achtet die gesetzgebende Versammlung des Marktfleckens Dole"). Es handelt sich hierbei um einen Wahlspruch des Parlements von Franche-Comté (s. Chassant-Taussin, Suppl. S. 500 und 548, Gauthier/Lurion Nr. 30 mit Abb., Olivier 1153), das im 16. und 17. Jahrhundert in Dole und Salins tagte; Ludwig XIV. verlegte den Sitz 1676 nach Besançon (s. Olivier). Lt. Olivier wurden Drucke in derartigen Einbänden von dem Gerichtshof dem Jesuitenkonvent in Dole als Preisschrift zur Verfügung gestellt.

Durchgehend leicht gebräunt (erste Bll. etwas stärker), stellenweise Ränder etwas wasserfleckig oder mit kleinen Papierrestaurierungen (Text nicht betroffen). Ein gut erhaltenes Exemplar in einem ungewöhnlichen Einband.

Schweiger II, 1000; BMSTC (French Books) 412 (Drucker: Buons Witwe).

Best. Nr.: 643   14500,00 EUR
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[Historische Einbände, Wappeneinbände, römische Geschichtsschreibung]

[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Antike, römische Literatur, historische Einbände]

TACITUS, Gaius Cornelius.
Gli annali da Giorgio Dati fiorentino nuovamente tradotti di Latino in lingua Toscana

Venedig, B. Giunti & Fratelli 1589. 4°. (12), 250, (4) Bll. Holzschnitt-Druckermarke auf Titel; Initialen, Kopf- und Schlussstücke in Holzschnitt. Flexibles Pergament d. Zt. (nachgedunkelt, fleckig) mit verblasstem Rückentitel, ohne die Bindebänder. Dritte Ausgabe der Übersetzung Datis (nach 1563 und 1582). Im ausgehenden 16. Jahrhundert wurde das Interesse humanistischer Autoren an Tacitus' (ca. 55 - ca. 120 n. Chr.) Geschichtsschreibung in eine neue Richtung gelenkt: betonte die Rezeptionsforschung für die 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts v.a. philologische Arbeit (Italien) und eine nationalgeschichtliche Beschäftigung (Deutschland) mit dem Geschichtsschreiber der römischen Kaiserzeit, ist Tacitus-Rezeption anschließend geprägt durch die Erfahrungen im "Ringen um die rechte Form fürstlicher Herrschaft, das in einer langen Reihe konfessioneller, ständischer und zwischenstaatlicher Konflikte in Erscheinung trat" (DNP 15/3, Sp. 354). Man spricht in diesem Zusammenhang vom Tacitismus, der " entstand als Reaktion auf diese Krise, aus dem Bedürfnis nach einer Orientierung, dem Tacitus, anstelle von Cicero und Livius, zur neuen Autorität wurde" (a.a.O. Sp. 354/355). Seine Beschreibung der Kaiserzeit, die den Untergang der Republik und die Pervertierung des Principats u.a. mit einer mangelnden inneren Konsolidierung begründete, sprach die Schriftsteller des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts aufgrund der Problemlage der eigenen Zeit direkter an als die Augusteische Historiographie. Übersetzungen wie die vorliegende von Giorgio Dati (1506 - 1557) gehören in den Umkreis dieses Tacitismus. Spiegel mit Exlibis. Vorderer Vorsatz mit handschr. Notiz, Titel mit Besitzer(?)-Eintrag, letzterer auf den Vorsatz durchschlagend. Durchgehend leicht gebräunt (Spiegel und Vorsätze stärker), wenige Bll. mit Eckabrissen (bei zweien größere), alle ohne den Text zu tangieren. Ein gut erhaltenes, seitlich und unten breitrandiges Exemplar. Adams T 46; Cens. 16, CNCE 28534; Schweiger S. 1029; BMSTC (Italian Books) 654.

Best. Nr.: 617   560,00 EUR

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[Alte Juristerei, Juridica, historische Einbände]

[Geschichtsschreibung, Antike, Römische Literatur, Tacitismus]

THEOKRIT (THEOCRITUS - THEOCRITOS).
(Gr.:) Tade ene(s)tin, ente garoi se biblo Eidyllia hex kai triakonta. Tou autou Epigrammata enneakaideka. Tou autou peleky kai pterygion. Scholia ta eis auta heuriskomena ek dia-phoroon antigraphoon, eis hen syllechthen ta.

(Rom), Zacharias Kallierges 1516. 8°. (88), (116) Bll. Mit zwei verschiedenen Holzschnitt-Druckermarken. Das Gedicht "Pe lekus" ("Axt" / fol.m1 verso) fasst eine Holzschnittumrahmung in Form einer minoischen Doppelaxt, "Surligx" ("Hirtenflöte" / fol. i8 verso) eine in Form einer Flöte ein; bei "Pteruglos" ("Flügel"/ fol.m 3 recto) wählte Kallierges eine Zeilenanordnung in Flügelform, auf der Verso-Seite des gleichen Blattes eine in Form eines Podestes. Komplett im originalen Griechisch gedruckt. Maroquin des späten 18. Jahrhunderts (Ecken bestoßen [tls. mit kleinen Bezugsfehlstellen], stellenweise berieben, Rücken erneuert) mit goldgeprägten Stehkantenfileten. Erste kommentierte Theokrit-Ausgabe, zugleich editio princeps der Epigramme, einiger Idyllen sowie der Gedichte "Axt" und "Flügel"; früher Abzug. Im britischen Verbundkatalog werden zwei Varianten dieser Ausgabe unterschieden: Das Wort "enestin" auf dem Titelblatt mit fehlendem Sigma oder korrekt gedruckt; im ersten Fall fehlt das lateinische Privileg auf dem letzten Bl. verso, das im zweiten Fall vorhanden ist. Unser Exemplar ist eine - nach unserer Kenntnis bisher nicht beschriebene - dritte Variante: Titelblatt mit Druckfehler (das fehlende Sigma wurde von Hand in alter Tinte ergänzt), letztes Bl. verso mit Privileg. Das fehlende Sigma spricht für einen frühen, noch nicht korrigierten Abzug. Zacharias Kallierges (um 1473 - nach 1524), "der bedeutendste griechische Drucker" (Graecogermania S. 75), ließ sich - nach zwei Phasen als Drucker in Venedig und einer zwischenzeitlichen Tätigkeit als Kopist griechischer Handschriften - ab 1524 in Rom nieder und baute dort die erste Druckerei, die griechsche Typen verwendete, auf. Er stammte aus einer der vornehmsten kretischen Familien und hatte eine hervorragende humanistische Ausbildung genossen; die befähigte ihn, erstmals antike Scholien zu Theokrit zu sammeln und herauszugeben (und damit wurde er richtungsweisend für zahlreiche Theokrit-Ausgaben der Folgezeit, die seine Scholien immer wieder nachdruckten). Die Theokrit-Edition ist Kallierges' zweiter Druck in Rom (nach dem Pindar von 1515), die vierte Werkausgabe des griechischen Lyrikers insgesamt, die erste mit Scholien und den Epigrammen. Theokrit (geb. vor 300 v. Chr. wohl in Syrakus, gest. nach 260), hat einen Teil seines Schriftsteller-Lebens in Alexandria (wo er Kallimachos kennenlernte), einen anderen auf der Insel Kos verbracht; mehr ist an Biographischem nicht bekannt. Die Bezeichnung "Eidyllia" geht auf die Theokrit-Scholien zurück, meint aber noch nicht "Hirtenpoesie" wie später, sondern allgemein "kleine Formen"; der Ursprung des Begriffs liegt im Dunkeln. Theokrit hat die Hirtenpoesie in die Literatur eingeführt und so Schule gemacht: Vergil gehört zu seinen Nachahmern, und der wiederum hat bis in die Moderne Lyriker zu solchen bukolischen Gedichten angeregt. "Während Vergil ein idealisiertes Hirtenleben in arkadischer Landschaft zeichnet, schildert Theokrit die Hirten seiner Heimat mit größerem Realismus" (Lesky. S. 811). Herrscherlob und volkstümliches Brauchtum sind weitere Themen des Dichters. Die Epigramme finden sich als Grabinschriften auf berühmte Dichter, allgemein als Weiheinschriften, einige wenige auch wieder als bukolische Literatur. Als einer der wichtigsten Vertreter des sog. Alexandrinismus, der höfischen Poesie im Umkreis der Ptolemäerherrscher in Alexandria, setzt er sich systematisch mit der klassischen, polisorientierten Literatur auseinander und vor allem auch von ihr ab. So sind seine Gedichte voller Zitate und Anspielungen, aber auch getragen von ironischer Distanz und dem Bemühen, herkömmliche Grenzen zu ignorieren und überkommene Regeln zu durchbrechen (s. Effe im Nachwort zur Tusc.-Ausg.). Vorderer Spiegel mit Papierfehlstelle und einem montierten lateinischen Sechszeiler, datiert "1816", vorderer fliegender Vorsatz oben im Falz leicht gelockert und mit hand- schriftlichem Eintrag. Titel recto oben mit verblasstem Besitzereintrag ("Aeg. Delaunay"), wohl mit der gleichen Tinte wie die Ergänzung des fehlenden Sigma; einige handschr. Marginalien in griechischer Sprache, großenteils ebenfalls verblasst. Durchgehend leicht gebräunt, stellenweise etwas fleckig, ca. 15 Bll. im unteren weißen Rand mit kleinem, tls. restauriertem, Wurmgang. Ein gut erhaltenes Exemplar dieses wichtigen und seltenen Drucks. Censimento 16: CNCE 32693 (7 Exx. in Italien); Legrand I, 49 ("Edition rare et tres recherchee"); Graecogermania 42; Hoffmann III, 474; Schweiger I, 309 ("sehr seltene und gesuchte Ausg."); BMSTC (Italian Books) 667; Adams T 460; Staikos 29 (mit Abb.); Ebert 22754 ("die Ausg. ist selten und sehr gesucht").

Best. Nr.: 619   14500,00 EUR

THEOPHYLACTUS Archiepiscopus Bulgariae
In omnes Divi Pauli epistolas Ennarationes ... (Ins Lateinische übersetzt von Chr. Porsena)

(Köln, P. Quentel) 1527. 4°. (6), 362 röm. pag. Bll. Blindgepr. Schweinsleder d. Zt. (nachgedunkelt, etwas fleckig, Ecken und Kanten leicht bestoßen) mit handschr. Rückentitel und handbeschr. altem Bibliotheksschildchen; eine von zwei originalen Schließen. So Erstausgabe; selten. Laut Hoffmann waren die Kommentare zu den Paulus-Briefen in der Übersetzung Porsenas unter dem Namen des Athanasius von Alexandria bereits 1477 und 1518 erschienen, bei Quentel 1527 erstmalig mit dem korrekten Autorennamen. Im gleichen Sinn zitiert Hieronymus (Griechischer Geist) Erasmus von Rotterdam in der Widmung zu einer Chrysostomos-Ausgabe mit dem Hinweis, "die Kommentare zu den Paulusbriefen, die irgend jemand ihm (= Athanasius) zugeschrieben habe, seien ... eindeutig Werke des Theophylactus" (zu Nr. 397). Im originalen Griechisch wurde das Werk erstmals im 17. Jahrhundert gedruckt. Theophylactus (1050/60 - nach 1107) stammt von Euboia, genoss in Konstantinopel eine gelehrte Ausbildung, wurde Priester und Rhetorik-Professor; Kaiser Michael VII. bestellte ihn zum Erzieher seines Sohnes. Gegen seinen Willen wurde er Erzbischof von Ohrid (Bulgarien) und blieb dort 25 Jahre Metropolitan der Bulgarischen Kirche. Seine Kommentare zu den vier Evangelien und zu den Paulusbriefen gehören zu den Standardwerken der byzantinischen Exegese. Der gut erhaltene Einband zeigt ein ungewöhnliches Dekor: Ein äußerer Rahmen ist mit einer Rolle geschmückt, die eine Trommel, ein Horn und Kandelaber enthält, dem schließt sich nach innen ein weiterer Rahmen - mit Einzelstempeln (Granatapfelmotiv) besetzt - an, darauf folgt eine Rolle mit Kandelaber und einem Figurenpaar; Vorder- und Rückendeckel sind gleich. Ähnliche Rollen führt die EBDB für den Süddeutschen und tschechischen Raum an. Ohne Vorsätze, Buchblock leicht angerissen. Vorderer Spiegel mit handschr. Bibliothekssignaturen, Besitzereintrag auf Titel recto. Durchgehend mäßig gebräunt und leicht fleckig. Ein gutes Exemplar im originalen Zustand. VD 16, B 4991; Hoffmann III, 543; nicht bei Adams und nicht in BL (Online-Catal.).

Best. Nr.: 628   900,00 EUR
zzgl. Versandkosten (Inland: 7,00 / EU 17,00 / sonstiges Europa 30,00 / Welt 35,00)

Thukydides
Thucidides der aller thewrest und dapfferest Historienschreiber von dem Peloponnenser krieg. Jn acht bücher gethailt darinnen von wunderlichen seltzamen hendlen und kriegen so die Griechen under jnen gehabt begriffen.Nit minder notwendig dann nutzlich zu lesen.Durch den Achtbarn &. herrn Hieronymum Boner Schulthayß zu Colmar inn Teütsche sprach verwendet ...

Augsburg, Heinrich Steiner 1533. Folio. (4), 169 Bll. (ohne das letzte weiße). Mit Titelholzschnitt, 2 Holzschnitt - Tafeln (Ninus und Alexander sowie Antonius und Gordianus, beide von J. Breu d.Ä. nach Burgkmair, und (inkl. der - tls. mehrfachen - Wiederholungen) 47 Textholzschnitten. Neuer Einband aus hellem Ziegenpergament.

Erste deutsche Ausgabe; zugleich erste mit diesen Illustrationen. Drei stammen von H. Scheufelein (alle mit Monogramm), die übrigen vom Petrarca-Meister (aus der "Artzney beyder Glück und..."), von J. Breu d.J. und anderen. Zu den Schäufelein-Holzschnitte schreibt Schreyl u.a.: "Der reife Stil Schäufeleins zeichnet sich durch zunehmende Fähigkeit aus, Holzschnittillustrationen den ästhetischen Gesetzen des Buches, das heißt vor allem, der einheitlichen graphischen Gestaltung der Seite unterordnen zu können. Im vorliegenden Fall ist der strenge Aufbau der Illustrationen jedoch mehr als eine Angleichung bildlicher Kompositionsprinzipien an die bestimmende Tektonik der Druckseite. Hier wird vielmehr auch eine Entsprechung zur Tektonik der literarischen Vorlage hergestellt; einer Tektonik, die sich in dem von Schäufelein illustrierten ersten Buch des Thukydides besonders deutlich macht. Im ersten Buch findet sich ein größerer Teil jener Reden, die heute noch als Muster antiker Rhetorik gelten und die den humanistisch ambitionierten Zeitgenossen des Schäufelein wegen ihrer politischen und formalen Logik viel bedeuten mussten. Der Holzschnitt Kat. 925 zeigt Rhetorisch-Formelhaftes, bzw. Graphisch- Floskelhaftes demonstrativ. Man beachte, wie die Sprecher der zwei, vor dem König versammelten Delegationen wiedergegeben sind. Beide stehen vorne und sind zur Mitte gewendet. Sie zeigen die gleiche, zur mimischen Unterstreichung bestimmter Passagen einer Rede geeignete Anhebung des Kopfes und beide Köpfe sind in reinem Profil gegeben. Beiden Männern ist das Stehen auf einem Bein und das scheinbare Anheben des anderen Beines eigen, was den Eindruck des Tänzelnden oder den einer kalkulierten Instabilität erweckt. Das bemessen Tänzelnde ist auch bei anderen Figuren zu beobachten, so bei dem bärtigen Alten ganz links, der außerdem die zuvor beschriebene Kopfhaltung aufweist. Der König ist ganz so dargestellt, wie ein König auszusehen hat, ausgestattet mit den festgelegten Zeichen seiner Würde. Zeichenhaft sind aber auch die gebietende Geste seiner freien Hand und die Anordnung der Füße. Letztere scheinen auf verschiedenen Stufen ruhend angeordnet, ohne dass tatsächlich Stufen dargestellt wären. Wie der König im ganzen zwischen den Säulen thronend angeordnet ist, so scheint er mehr einer Siegeldarstellung entlehnt, als nach dem Leben gebildet. In der Tat ist bei dieser Art der Wiedergabe -ganz wie bei der Gestaltung von Siegeln - sofort Identifizierbares angestrebt..." (Bd. 1, S. 153. Abb. in Bd. II, Nr. 923-925. S. a. Oldenbourg / Scheufelein L 171).

Thukydides (um 460 - nach 404 v. Chr), Athener, begann ab 431 seine "Geschichte des Peloponnesischen Krieges" zwischen Sparta und Athen in 8 Büchern zu schreiben. Ein besonderes Merkmal dieses Werkes sind die vielen Reden, die er führenden Politikern und Militärs in den Mund legte und von denen er sagte, sie stünden in Einklang mit dem Inhalt der wirklich gehaltenen Reden. Berühmt geworden ist v.a. die Rede des Perikles auf die im ersten Jahr des Krieges Gefallenen, die - sicherlich eine Schöpfung des Thukydides - Stimmung in Athen und Denkweise des Perikles anschaulich zum Ausdruck bringt.

Provenienz: Titelblatt recto mit altem handschr. Bibliothekseintrag, letztes Bl. recte mit ebenfalls altem Besitzeintrag eines Johannes Merolt sowie mit einem weiteren handschr. Eintrag. Adelsbibliothek von Lerchenfeld in Heinersreut.

Etwa 2/3 von Bl. A1 fehlend und in neuerer Zeit angerändert (Textverlust); 1 Bl. mit restauriertem Einriss (minimaler Buchstabenverlust), 1 Bl. mit restauriertem Papierschaden am unteren Rand (etwas Buchstabenverlust); die vordere Holzschnitt-Tafel am rechten Rand bis in das Bild hinein beschnitten. Knapp beschnitten (die gedruckten Marginalien davon betroffen). Durchgehend etwas gebräunt und fleckig, in die beiden ersten Holzschnitte von alter Hand mit brauner Tinte hineingemalt, tls. etwas wasserrandig.

VD 16, T 1128; Hoffmann III, 756; Schweiger I, 328; Adams T 683; BMSTC (German Books) 860; Goed. II, 319, 6; Musper L 128; Ebert 22954. Nicht bei Fairfax-Murray.

Best. Nr.: 644   5500,00 EUR

[Antike Literatur in deutschen Übersetzungen, illustrierte Bücher des 16. Jahrhunderts, Schäufelein]

[Alte Theologie, historische Einbände]

[Griechische Literatur, Poesie]

[Illustrierte Bücher, griechische Geschichtsschreibung]

XENOPHON.
(Gr.:)Xenophontis hapanta...(Dann:)Xenophontis oratoris et historici, propter synceram et melle dulcioremAttici sermonis gratiam, veterum omnium indicio longe clarißimi, opera, quae quidem graece extant, omnia, duobus tomis distincta, ac nunc primum a Seb. Castalione amendis quamplurimis repurgata, et quam fieri potuit accuratissime recognita... (Mit einer Vorrede Philipp Melanchthons).

Basel, (M. Isingrin, ca. 1545-1548). Zwei Bände. 8°. (8) Bll., 651 (recte : 655) Ss. ; 859, (45) Ss. Mit einigen Holzschnitt-Initialen. Blindgepresste Schweinslederbände d. Zt. über Holzdeckeln (etwas berieben und fleckig, nachgedunkelt, Kanten und Ecken bestossen und stellenweise - wie eine Bezugsfehlstelle VD Bd. 2 - restauriert, Bd. 2 mit Bezugsfehlstelle am Rücken [oberes Kapital] und 1 abgerissenen Schließenband) mit drei (von 4) originalen Messingschliessen und handgeschriebenen Rückenschildern (vermutete Jahreszahl des Drucks und Bibl.-Signatur Laßbergs). 6. Werkausgabe im griechischen Original, zweite im deutschen Sprachraum; äußerst selten. Xenophon (etwa 430-355 v. Chr.), aus reicher attischer Familie stammend, hat ein umfangreiches Werk hinterlassen. Die historischen Schriften (die "Anabasis" schildert den Zug des jüngeren Kyros gegen Artaxerxes und des Autors eigene führende Rolle beim Rückzug nach der Schlacht von Kunaxa, die "Hellenika" beschreiben die griechische Geschichte von 411 bis 362, setzen also sozusagen Thukydides fort) sind ebenso wie die Sokratischen (vor allem die "Erinnerungen an Sokrates" und die "Verteidigung des Sokrates") seit der Spätantike häufig gelesene Werke; kleinere Fachschriften behandeln u.a. Hauswirtschaft, Pferdezucht und Reiterei; kulturhistorisch große Bedeutung haben dann wieder die "Erziehung des Kyros" als erster Bildungsroman der Literaturgeschichte sowie der "Agesilaos" als Loblied auf den Spartanerkönig: Sie zeichnen das Bild eines idealen Herrschers und dienen somit späteren Fürstenspiegeln als Vorbild. Mit der "Kyroupädie" wird der Autor zugleich einer der wichtigsten Wegbereiter des Hellenismus. "Indem Xenophon seinen griechischen Lesern das Ideal politischer (Vorbildhaftigkeit) an der Gestalt eines persischen Königs veranschaulicht, bringt er ihnen zum Bewußtsein, daß diese (Vorbildhaftigkeit) nicht mehr nur als Eigentum der Griechen anzusehen ist, sondern daß auch Perser von griechischem (Geist) durchdrungen sein können" (R. Nickel). "Der Staat der Spartaner" ist die älteste erhaltene Schrift zu diesem Thema und stellt eine Hauptquelle für das Spartabild bis in die Neuzeit dar, "Die Verfassung der Athener" ist dagegen pseudoxenophontisch. Die beiden gut erhaltenen Einbände weisen das gleiche Dekor auf: An eine äußere Rolle mit Köpfen und Pflanzenwerk schliesst sich ein schmales Rechteck mit floralen Einzelstempeln an, ein inneres Feld wird von zwei Kranzrollen geschmückt. Beide Vorderdeckel sind datiert ("1564") und mit "E S K" monogrammiert. Provenienz: Die Rückenschilder und die vorderen Spiegel tragen die Bibliothekssigle J. Lassbergs, die Bände stammen aus der Fürstenberg-Bibliothek Donaueschingen. Bd. 1 auf vorderem Spiegel mit sauberer Wappen-Federzeichnung und lateinischem Wahlspruch, auf vorderem Vorsatz ein Zweizeiler Ciceros und ein griechischer Wahlspruch (der auf dem Vorsatz des zweiten Bandes wiederholt wird), weitere kurze alte handschriftl. Einträge auf Vorsätzen und Spiegeln. Beide Bände durchgehend ganz schwach gebräunt sowie hin und wieder etwas stock- oder fingerfleckig; einzelne handschriftliche Marginalien. Insgesamt zwei sehr gut erhaltene Bände im schönen ersten Einband mit einer bedeutenden Provenienz. VD 16, X 3; BMSTC (German Books) 931; Schweiger I, 335 ("correct u. gut gedruckt"); Hoffmann III, 575/6; Hieronymus / GG 146; NUC 677/151 (nur 4 Exx.). Nicht bei Adams.

Best. Nr.: 108   5000,00 EUR

[Antike, griechische Literatur, historische Einbände, bedeutende Provenienzen]